Direkt zum Inhalt Inhaltsverzeichnis des VdS-Journals 96
Inhaltsverzeichnis VdS-Journal Nr. 96
1 Editorial
Nach Redaktionsschluss
4 Mitgliedsbeiträge und Bezugskosten von "Sterne und Weltraum"
4 Hinweise zur Beitragsrechnung für das Kalenderjahr 2026
5 Astronomietag am 28. März 2026
Amateurastronomie in Europa
6 Dunkle Beobachtungsplätze in Europa
15 Meteorbeobachtung in Europa
16 Der VVS-Radiosender im AstroLA
18 Meteorastronomie in den Niederlanden
20 Meteorbeobachtung in Ungarn
22 Vernetzung der amateurastronomischen Nationalorganisationen - INAAO (International Network of Amateur Astronomy Organizations) gegründet
26 Vereniging voor Sterrenkunde - Meteorologie, Geofysica en Aanverwante Wetenschappen
28 Internationale Sonnenfinsternis-Konferenz SEC2025 in Leuven
30 Der Verein "Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut" mit der Sternwarte Gahberg
34 Der Steirische Astronomen Verein mit der Johannes-Kepler-Volkssternwarte Steinberg bei Graz
37 Die Vega-Sternwarte Haus der Natur: Salzburgs Fenster ins Universum
42 Die Tschechische Astronomische Gesellschaft
45 Meine 3D-gedruckte Mini-Sternwarte
Fachgruppenbeiträge
Amateurteleskope/Selbstbau
49 Impressionen vom ITV 2025
54 Dwarf 3: Astronomie mit einem Smart-Teleskop
57 Replik zu Rolando Döllings "Zum Thema Smart-Teleskop Seestar S50"
Astrofotografie
58 Physik im Bild - oder was die kosmische Rotverschiebung mit dem
PN Jones Emberson 1 zu tun hat
62 Ein kaum beachteter Reflexionsnebel im Sternbild Drache
Astronomische Vereinigungen
65 Planetenwege
65 Vorwort zur Rubrik Fachgruppe Astronomische Vereinigungen
66 Die Modernisierung der Volkssternwarte Nordenham
70 Kinder-Akademie: Komm mit uns ins Weltall!
Atmosphärische Erscheinungen
73 Beobachtung atmosphärischer Erscheinungen über Webcams (Teil 1)
Astrophysik & Algorithmen
79 Doppelsterne: Beugungsmuster lesen
81 Sonnenfinsternisse und Bessel-Elemente
Deep Sky
83 Beobachtungsprojekt "A Star`s Life" - reloaded
85 Extragalaktische Planetarische Nebel - visuell beobachtet
Geschichte
88 Uuml;berdauerte Zeitgeschichte - Sonnenuhren im Eichsfeld
Kleine Planeten
94 (788501) Gabi, die erste Kleinplaneten-Entdeckung am Calar-Alto-Schmidt seit 1992
96 Kosmische Begegnungen
Kometen
100 Das Treffen der Fachgruppe Kometen im Mai 2025
Mond
101 Zur freien Sichtbarkeit schmaler Mondsicheln am Taghimmel - Beobachtungen und Modellierung
Radioastronomie
106 Meteor-Radioastronomie mit einfachen Mitteln: Beobachtung von Meteoren mit einem Radio
Remote-Sternwarten
110 Das Foto des Quartals
110 Abell 35, ein rätselhaftes Objekt in der Wasserschlange
Sternbedeckungen
112 Lasst uns Schatten jagen!
113 Streifende Sternbedeckungen durch den Mond von Januar bis April 2026
VdS-Nachrichten
118 Bericht zur 37. VdS-Tagung und Mitgliederversammlung
120 Wir begrüßen neue Mitglieder
120 Autorenverzeichnis
Service
121 Himmelsvorschau Februar 2026 -April 2026
Rezensionen
124 Sonnenfinsternis-Guide Spanien 2026/2027/2028 - Planung, Ausrüstung, Beobachtung, Fotografie
Vorschau
125 Vorschau auf astronomische Veranstaltungen Januar - April 2026
Hinweise
126 VdS-Fachgruppenredakteure, VdS-Fachgruppenverantwortliche
128 Impressum
128 Ihr Beitrag im VdS-Journal für Astronomie
128 Inserenten
Textinhalt des Journals 96
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SERVICE 121 Himmelsvorschau Februar 2026 -April 2026
124
REZENSIONEN
Sonnenfinsternis-Guide Spanien 2026/2027/2028 - Planung, Ausrüstung, Beobachtung, Fotografie
125
VORSCHAU
Vorschau auf astronomische Veranstaltungen Januar - April 2026
IMPRESSION 44 Sonne am 31.8.25
126
128 128 128
HINWEISE
VdS-Fachgruppenredakteure, VdS-Fachgruppenverantwortliche Impressum Ihr Beitrag im VdS-Journal für Astronomie Inserenten
Journal für Astronomie Nr. 96 | 3
Nach Redaktionsschluss
Mitgliedsbeiträge und Bezugskosten von ,,Sterne und Weltraum"
von Uwe Pilz, VdS-Vorsitzender
Liebe Sternfreunde, unsere Mitgliedsbeiträge beschließt die Mitgliederversammlung. Für das Jahr 2026 bleiben sie unverändert. Mitglieder, die jünger als 30 Jahre sind, können weiterhin die Möglichkeit einer kostenlosen Mitgliedschaft nutzen, in der das ,,VdS-Journal für Astronomie" aber nur als PDF-Datei enthalten ist. Alle anderen Mitglieder erhalten unsere Vereinszeitschrift wie gewohnt als gedrucktes Heft.
Die Mitgliedsbeiträge für 2026 betragen:
Normalbeitrag Inland und EU:
40,00
Normalbeitrag außerhalb der EU: 45,00
Ermäßigter Beitrag Inland und EU: 25,00
Ermäßigter Beitrag außerhalb EU: 30,00
VdS-Mitglieder können die monatlich erscheinende Zeitschrift ,,Sterne und Weltraum" zu deutlich ermäßigten Bezugskosten über die VdS abonnieren.
Die Bezugskosten 2025 für ,,Sterne und Weltraum" betragen:
Abo Inland:
110,40
Abo Inland ermäßigt: 85,80
Abo Ausland:
122,40
Abo Ausland ermäßigt: 97,80
für VdS-Mitglieder: 82,20 für VdS-Mitglieder: 70,80 für VdS-Mitglieder: 94,20 für VdS-Mitglieder: 82,80
Hinweise zur Beitragsrechnung für das Kalenderjahr 2026
Dieser Ausgabe des Journals liegt die Beitragsrechnung bei. Der Versand des Journals erfolgte in einer Fensterversandtasche, dabei diente das Adressfeld auf der Beitragsrechnung gleichzeitig dem Versand. Wer diese Hinweise liest, hat demnach auch eine Beitragsrechnung erhalten.
Bitte begleicht die Rechnung umgehend. Selbstzahler müssen im Zahlungsgrund die Mitgliedsnummer angeben. Am einfachsten für uns alle ist der Lastschrifteinzug: Bitte entschließt euch zu diesem Weg. Sofern bereits eine Lastschriftvollmacht vorliegt, ist dies auf der Rechnung vermerkt. Bei neuen Einzugsermächtigungen werden wir bereits den Betrag für 2026 elektronisch einziehen. Falls ihr schon überwiesen habt, informiert bitte die Geschäftsstelle.
Der Mitgliedsbeitrag kann bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Als Beleg genügt die Rechnung und der Zahlungsnachweis.
Fragen im Zusammenhang mit der Beitragszahlung beantwortet unser Schatzmeister Andreas Klug, schatzmeister@sternfreunde.de.
Bitte gebt eine Telefonnummer für den Rückruf an, da sich viele Fragen telefonisch schneller klären lassen.
Bei SEPA-Überweisungen sind folgende Angaben notwendig: Sparkasse Starkenburg IBAN = DE79 5095 1469 0000 0117 45 BIC/SWIFT-Code = HELADEF1HEP
4 | Journal für Astronomie Nr. 96
Nach Redaktionsschluss
Astronomietag am 28. März 2026
Am Astronomietag bieten Sternwarten, Vereine, Planetarien, Forschungsinstitute, Museen, Schulen und Einzelpersonen zahlreiche Aktivitäten, damit jeder einmal den Sternhimmel live erleben kann - zentral koordiniert von der Vereinigung der Sternfreunde e.V. und der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft.
Alle Informationen zum Astronomietag finden Sie wie immer unter www.astronomietag.de
Dort stehen das Plakat sowie Webseiten-Banner zum Download bereit. Wer eine Veranstaltung plant, kann sie registrieren und erscheint dann auf der Kartenübersicht für Besucher. Ein Plakat liegt diesem Heft bereits bei, weitere können im Zuge der Anmeldung kostenlos bestellt werden.
Der Mond mit Goldenem Henkel - Abendstern Venus - Riesenplanet Jupiter Der Astronomietag 2026 steht ganz im Zeichen unseres kosmischen Nachbarn: Der zunehmende Mond befindet sich während der gesamten ersten Nachthälfte hoch am Himmel. Zehn Tage nach Neumond sind die Bedingungen ideal, um mit Ferngläsern und großen und kleinen Teleskopen seine Kraterlandschaften zu erkunden. Besonders auffällig zeigt sich unmittelbar an der Tag-und-NachtGrenze die von der Sonne beleuchtete bogenförmige Bergkette des Juragebirges, die die noch im Schatten liegende Regenbogenbucht einfasst: der sogenannte Goldene Henkel.
Abends steht auch Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems, hoch am Südwesthimmel. Er ist so hell, dass er zusammen mit der Venus im Westen bereits eine knappe Stunde nach Sonnenuntergang noch vor den hellen Sternen des Wintersechsecks in der Dämmerung auftaucht. Mit Fernglas und Teleskop zeigt er sich umgeben von den vier Galileischen Monden Io, Europa, Ganymed und Kallisto.
Der Sternhimmel am Astronomietag Am Astronomietag 2026 befindet sich der Sternhimmel in der Übergangszeit von den Winter- zu den Frühlingssternbildern. Wenn es abends dunkel wird, kann man sich noch an den funkelnden Sternen des Winterhimmels erfreuen: Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, ist der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund und fällt als erstes ins Auge. Nicht weit davon entfernt bilden die sieben Sterne des Himmelsjägers Orion eine prägnante Figur mit der Beteigeuze oberhalb und dem Fußstern Rigel unterhalb der drei aufgereihten Gürtelsterne, die den Weg zum berühmten Orionnebel weisen. Von den Wintersternbildern geht der Stier mit dem Hauptstern Aldebaran im Frühjahr abends als erstes unter.
Über dem Orion hingegen stehen die Zwillinge und der Fuhrmann noch hoch am Himmel. Um Mitternacht haben sie dann aber den Frühlingssternbildern rund um den Löwen Platz gemacht. Zwischen den Zwillingen und dem Löwen fällt das Tierkreissternbild Krebs kaum auf. Bei klarem Himmel und fernab störender Lichter wird man mitten im Krebs einen Nebelfleck entdecken: den offenen Sternhaufen Praesepe, die Krippe. Steil über uns findet man jetzt den Großen Bären, dessen sieben hellste Sterne die bekannte Figur des Großen Wagens bilden.
In Südostrichtung erhebt sich Spica im Sternbild Jungfrau über den Horizont. Weiter nordöstlich funkelt der orange Arktur im Sternbild Bootes. Über dem Südhorizont schlängelt sich jetzt der vordere Teil des ausgedehnten Sternbilds Wasserschlange; bei nicht so klarem Himmel wird man allenfalls ihren hellsten Stern Alphard sehen können - sein Name bedeutet nicht ganz zufällig ,,der Einsame". Das kleine Sternbild Rabe hat sich gerade über den Horizont geschoben. Obwohl es nur aus schwächeren Sternen besteht, ist es aufgrund seiner kompakten Figur gut zu erkennen.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 5
Amateurastronomie in Europa
Dunkle Beobachtungsplätze in Europa
von Andreas Hänel
Durch die zunehmende künstliche Aufhellung des Nachthimmels wird es immer schwieriger, dunkle Beobachtungsorte zu finden. Einen Hinweis auf entsprechende Reiseziele gibt beispielsweise das Buch von Bernd Pröschold [1]. In diesem Artikel sollen einige Hinweise gegeben werden, wo man öffentliche Sternwarten und dunkle Plätze für eigene Beobachtungen finden kann. Die Auswahl ist dadurch bedingt, dass der Autor einige dieser Gegenden selbst besucht hat, wobei das aber meist Momenteindrücke sind, so dass sich unter Umständen die Beobachtungsmöglichkeiten verändert haben können. Zudem liegen sie in südlichen Gefilden, da dort die Wetterchancen
für klaren Himmel größer sind und es im Sommer, wenn das Milchstraßenzentrum über dem Horizont steht, länger dunkel ist.
Dunkle Beobachtungsplätze suchen Eine Hilfestellung zur Auswahl dunkler Orte können die Lichtverschmutzungskarten von Fabio Falchi u. a. [2] mit Satellitendaten aus dem Jahre 2015 oder aktuellere Karten von David Lorenz mit den Daten aus dem Jahr 2024 [3] sein (Abb. 1). Diese Karten beruhen auf den Daten des VIIRS (Visible and Infrared Imaging Suite)-Instrumentes auf den Joint Polar-Orbiting Satellite System (JPSS)-Satelliten. Dafür werden die gemittelten jährlichen Daten des nach oben abge-
gebenen Lichts genutzt, um die Streuung in der Atmosphäre und die dadurch erfolgte Aufhellung des Himmels zu modellieren.
Die monatlichen und jährlichen VIIRS-Daten sowie der modellierte Lichtverschmutzungsatlas von 2015 lassen sich gut auf [4] vergleichen, wobei die direkten Satellitendaten eher helfen, einzelne lokale helle Lichtquellen zu identifizieren. Klickt man auf einen bestimmten Ort der Lichtverschmutzungskarten, wird der modellierte Wert der Himmelshelligkeit im Zenit (in der Einheit Größenklassen/Quadratbogensekunden, mag/arcsec2) angezeigt, wie er beispielsweise mit den SQM-Geräten von
1 Lichtverschmutzungskarte von Europa 2024 von David Lorenz [3]. Die Werte geben die modellierte Himmelshelligkeit in mag/arcsec2 an.
6 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
Unihedron [5] gemessen wird. Messungen des Autors zeigen, dass sie relativ gut zu den Werten der neueren Karten von Lorenz passen. Allerdings muss man diese Werte mit Vorsicht verwenden, da sie durch atmosphärische Bedingungen und auch veränderliche Airglow-Aktivität stark (durchaus um 0,5 mag/arcsec2 und mehr) variieren können. Die oft gestellte Frage nach dem ,,dunkelsten" Ort ist daher nicht leicht und eindeutig zu beantworten!
Höhere räumliche Auflösung bieten die Daten des chinesischen Satelliten SDGSAT, die allerdings nur in bestimmten (natürlich klaren) Nächten, meist im Jahr 2024 und in den Abendstunden, aufgenommen wurden [6]. Für die Auswahl des eigentlichen Beobachtungsortes ist Google Maps mit der Satellitenansicht und Street View eine unentbehrliche Hilfe geworden, zudem sind die in diesem Artikel erwähnten Beobachtungsorte damit auffindbar.
Deutschland Auf der Lichtverschmutzungskarte von 2024 von Lorenz (Abb. 1) sind in Deutschland nur noch wenige blaue Gebiete mit einer Himmelshelligkeit dunkler als 21,7 mag/arcsec2 zu erkennen, vor allem im Nordosten und an der Nordseeküste abseits der hellen Häfen. In den Gebieten gibt es bereits einige nach den Kriterien von DarkSky International (bis 2023 International DarkSky Association IDA) anerkannte Sternenparks, beziehungsweise sind im Anerkennungsverfahren: Naturpark Westhavelland, Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide, Kyritz-Ruppiner Heide im Nordosten. In der Nordsee sind es die Inseln Spiekeroog und Pellworm (und Mandø in Dänemark), wobei in den dunklen Teilen der Inseln Norderney und Wangerooge ähnlich dunkle Werte der Himmelshelligkeit gemessen wurden. Weitere Parks in der Mitte und im Süden Deutschlands sind der Nationalpark
Eifel, das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, der Sternenort Eiweiler im Saarland, der Natur- und Nationalpark Bayerischer Wald und die Winklmoosalm. Über einige dieser Plätze wurde im Schwerpunktheft Nr. 82 unseres Journals [7] berichtet.
Frankreich - dunkelste Regionen Mitteleuropas Viele Städte und Orte in Frankreich sind dafür bekannt, dass sie meist heller beleuchtet sind als deutsche Städte. Doch da Frankreich dünner besiedelt ist, findet man in der Lichtverschmutzungskarte von 2024 [3] noch ausgedehntere dunkle Gebiete, wobei in den grau eingefärbten Regionen Himmelshelligkeiten dunkler als 21,89 mag/arcsec2 erreicht werden, allerdings auch erst seit den letzten Jahren. Das liegt daran, dass inzwischen viele Orte in Frankreich nachts die öffentliche Beleuchtung abstellen, teilweise durch den russischen Krieg gegen die Ukraine veranlasst. Aber auch die Aktion ,,Villes et Villages Étoiles" hat dazu schon länger beigetragen, wofür die Kommunen bestimmte Kriterien erfüllen müssen, dann aber dafür mit Schildern am Ortseingang werben können (Abb. 2). Die Reduzierungen sind deutlich auf der Trendkarte 2013-2024 von Lorenz [3] zu erkennen. Zusätzlich gelten schon seit 2012 ein Gesetz beziehungsweise seit 2018 Verordnungen gegen Lichtverschmutzung, die beinhalten, dass Anstrahlungen, Schaufenster, Beleuchtungen von Bürogebäuden nach 1 Uhr bzw. nach Nutzung abgeschaltet werden müssen. Straßenbeleuchtung muss abgeschirmt sein und darf eine maximale Farbtemperatur von 3.000 Kelvin (K) haben, in Schutzgebieten von maximal 2.400 K, um schädliche Blauanteile im weißen Licht zu reduzieren.
Sternenparks in Frankreich Inzwischen gibt es auch 7 International Dark Sky Reserves (RICE - Reserve Inter-
2 Das Schild ,,Village Etoile" mit 4 Sternen
am Ortseingang weist darauf hin, dass der Ort seine Beleuchtung nachts komplett abschaltet.
nationale du Ciel Étoile) in Nationalparks und regionalen Naturparks (PNR): Pic du Midi mit der Sternwarte in den Pyrenäen war 2015 die erste Reserve in Frankreich, die neben der bekannten Sternwarte den Nationalpark Pyrenäen und das UNESCO-Weltnaturerbe Pyrenees-Mont Perdu mit dem Felsenkessel Cirque de Gavarnie umfasst.
Nationalpark Cevennen: Die Reserve im südlichen Zentralmassiv, nördlich von Montpellier, wurde im Jahre 2018 anerkannt und ist vor allem durch die karge und wenig besiedelte Landschaft geprägt, in der wenig Lichtemissionen erzeugt werden.
Alpes Azur Mercantour (2019), im östlichen Ende der französischen Alpen zum Mittelmeer hin, erstreckt sich teilweise über den PNR des Prealpes d'Azur, den Nationalpark Mercantour und weitere geschützte Regionen. Darin befindet sich Frankreichs höchste Passstraße, der Col de la Bonette (2.712 m), und der Col de Restefond, die auch öfters von französischen Amateuren für Beobachtungen genutzt werden, sowie mehrere Sternwarten.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 7
Amateurastronomie in Europa
der Autor im August 2022 auf dem Col du Galibier in 2.642 m Höhe beobachtet. Der kleine Passparkplatz zog vor allem Wohnmobile zur Übernachtung an, gelegentlich tauchten aber auch astronomisch Interessierte auf. Die südliche Milchstraße war bis hinab zu den Bergspitzen des Écrin-Massivs jedenfalls sehr eindrucksvoll (Abb. 5).
3 Das Milchstraßenzentrum über einem Hochplateau im PNR Millevaches en Limousin
4 Mitglieder des
astronomischen Vereins von Limoges bieten öffentliche Beobachtungen auf dem Berg Suc au May (908 m) im PNR Millevaches an.
Um weitere Informationen über die Sternenreservate zu erlangen, sind deren Anträge die umfangreichste Quelle, sie sind - wie auch die Jahresberichte - auf der Internetseite von Dark Sky zu finden [8]. Auf den eigenen Internetseiten der Reservate gibt es oft auch weitere Informationen zu beispielsweise umweltfreundlicher Beleuchtung oder beeinträchtigten Tierarten, oft gibt es auch unterschiedliche Veranstaltungen mit astronomischen Vereinen zur Nacht und zur Beobachtung des Sternhimmels. Weitere wichtige Quellen zur Auswahl von Beobachtungsplätzen sind Google Maps und die Karten auf der Seite Geoportail des französischen nationalen Geographieinstituts IGN [9]. Sehr hilfreich für astronomische Reisen war das
Die PNR Millevaches en Limousin (2021) und PNR Morvan (2025) im Landesinneren gehören zu den dunkelsten Regionen Frankreichs, vor allem da sie sehr dünn besiedelt sind (Abb. 3 und 4). In beiden schalten viele der kleinen Orte ihre Beleuchtung nachts ab. Diese Parks sind in der Hochsaison nicht so stark überlaufen wie andere Regionen Frankreichs und es gibt Campingmöglichkeiten und Ferienhäuser.
Der PNR Vercors (2023) liegt südwestlich von Grenoble im Voralpengebiet, und der PNR Landes de Gascogne (2025) südlich von Bordeaux liegt nahe der Atlantikküste. Es gibt noch weitere gute Beobachtungsorte, etwa in der Haute Provence oder auch in den Höhen der französischen Alpen, so hat
5 Beobachtung des Milchstraßenzentrums am Col du Galibier (2.642 m)
8 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
Verzeichnis GRESAC von Sternwarten und Beobachtungsplätzen, das von Frederic Tapissier vom Verein AVEX (Astronomie du Vexin gepflegt wurde, aber seit einiger Zeit leider nur noch rudimentär unterhalten wird [10].
In manchen Reserves sind Beobachtungsplätze offiziell ausgewiesen, man findet auch Campingplätze - oft mit Hütten, Hotels (z. B. über Google Maps und/oder die verschiedenen Buchungsportale) und vor allem auch Ferienwohnungen oder -häuser (z. B. fewo-direkt.de, Airbnb, gites.fr, gites-de-france.com).
Spanien - die meisten klare Nächte Seit den Zeiten, da die Entscheidung für den Calar Alto als deutsch-spanisches Observatorium gefallen war (Eröffnung 1979) oder deutsche Amateure zur Beobachtung auf die Sierra Nevada gefahren sind [11], hat die Lichtverschmutzung in Spanien stark zugenommen. Denn wie in den meisten Mittelmeerländern sind auch spanische Orte und Städte meist hell beleuchtet, selbst in den ausgedehnten, dünn besiedelten Landstrichen im Inneren, die als das ,,Leere Spanien" bezeichnet werden, wie der Titel eines Bestseller-Buches lautet. Dennoch gibt es im Festlandsspanien ausgedehnte Gebiete mit nahezu natürlichen Himmelshelligkeiten um 21,8 mag/arcsec2: die Pyrenäen und das südliche Vorland östlich von Madrid sowie südwestlich von Madrid (Extremadura), um die dunkelsten zu erwähnen. Hinzu kommt, dass Spanien zu der Region in Europa mit der geringsten Bewölkung gehört (Abb. 6), [12]. Und da in den nächsten Jahren 3 Sonnenfinsternisse in Spanien stattfinden, will vielleicht der ein oder andere deren Beobachtung mit Himmelsbeobachtungen in einer der dunklen Regionen verbinden. Ansonsten ist eine eigene Anfahrt (um beispielsweise eigene Instrumente mitzunehmen) durch Frank-
6 Durchschnittlicher
Bewölkungsgrad in Europa für das Jahr 2024 (DWD [12], wo es auch Karten für detaillierte Regionen und andere Jahre gibt)
reich recht lang und mit den französischen Autobahngebühren auch kostspielig. Aus dem Grunde sollen auch die Kanarischen Inseln hier nicht betrachtet werden.
zahlreiche kleinere Observatorien, die Führungen anbieten, und Zentren, wo mehrere robotische Teleskope auch von Amateuren installiert sind.
Die Vorzüge für die Astronomie in Spanien werden inzwischen auch touristisch genutzt. So zertifiziert die Starlight Foundation, die am astronomischen Institut der Kanaren auf Teneriffa angegliedert ist, Unterkünfte, Orte oder Regionen, die dann damit werben können [13]. Zudem gibt es
Ein Sternenpark, der auch nach den Kriterien von Dark Sky anerkannt ist, befindet sich kurz hinter der französischen Grenze nahe der Costa Brava, der Campingplatz Bassegoda Park bei Albanyà in Katalonien (Abb. 7), [14]. Im westlichsten - und dunkelsten - Teil Kataloniens liegt am Montsec-
7 An der Sternwarte des Campingplatzes Bassegoda Park in Albanyà werden live
astronomische Bilder auf eine Leinwand für eine größere Publikumsmenge projiziert.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 9
Amateurastronomie in Europa
Gebirge nördlich des Ortes Àger der Astronomiepark Parc Astronòmic del Montsec [15]. Dort ist ein einzigartiges Planetarium installiert, wo bei klarem Himmel nach der
8 Die Kuppel des Plane-
tariums in Montsec ist geöffnet, nachts kann so der natürliche Sternhimmel gezeigt werden. In der Mitte befindet sich ein digitaler Planetariumsprojektor ohne die charakteristische ,,Planetariumshantel", im Hintergrund das MontsecMassiv.
Planetariumsvorführung die Kuppel beiseite gerollt wird, und die Besucher den natürlichen Himmel erklärt bekommen (Abb. 8). Ferner gibt es mehrere Kuppeln mit Tele
skopen für öffentliche Führungen (Abb. 9). Auf dem Berg steht ein Forschungsteleskop der Universität Barcelona und in der Nähe des Planetariums stehen 40 Schiebedachhütten, in denen die Mitglieder des astronomischen Vereins Sabadell ihre Teleskope (teils robotisch betrieben) installiert haben. Vor allem südöstlich von Madrid Richtung Mittelmeer bis nach Andalusien gibt es astronomische Einrichtungen mit jeweils mehreren Teleskopen, die öffentliche Veranstaltungen anbieten. So ein astronomisches Zentrum, der Complejo Astronómico Los Coloraos, liegt etwa 60 km nordöstlich von Granada in Andalusien im UNESCOGeopark Granada [16], (Abb. 10). In dem im nahen Tal liegenden Ort Gorafe gibt es noch Höhlenwohnungen, und zahlreiche kleine Dolmen an den Talhängen sind Reste der steinzeitlichen Besiedelung der Gegend. Das Zentrum bietet öffentliche Veranstaltungen an, in der unmittelbaren Umgebung sind aber auch eigene astronomische Beobachtungen möglich.
In der Provinz Ávila westlich von Madrid wurden unter der Marke ,,Stellarium Ávila" zahlreiche astronomische Beobachtungsplätze vor allem in der Sierra de Gredos (Abb. 11) eingerichtet, die allerdings in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand sind. Es wurden Sternenführer ausgebildet und die Kommunen über Beleuchtung informiert, mit der sie die Lichtverschmutzung reduzieren können [17]. Es gibt Unterkünfte, die astronomische Programme oder Übernachtungen unter dem Sternhimmel in Glaskugeln anbieten. Zudem plant die Provinz die Einrichtung eines Informationszentrums ,,Stellarium Ávila".
9 Das Astronomische Zentrum von Montsec nachts mit den Teleskopkuppeln
und rechts der Planetariumskuppel.
Die südlich angrenzende Autonome Gemeinschaft Extremadura setzt noch stärker auf Astrotourismus und bietet einen astrotouristischen Führer als Heft an, in dem beispielsweise die astronomischen Beob-
10 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
1 0 Das Astronomische
Zentrum Los Coloraos im Geopark Granada
achtungsplätze (Miradores) und Nachtwege aufgeführt sind [18]. Auf der Unterseite [19] findet man weitere interessante Informationen, allerdings meist auf Spanisch, lediglich der Führer (,,Extremadura, landscape of stars") ist in Englisch verfügbar. Im Südwesten der Extremadura befindet sich das Observatorium ,,Entre Encinas y Estrellas" (Zwischen Eichen und Sternen), wo ca. 75 robotische Teleskope installiert sind, aber auch Aufenthalte mit eigenen Beobachtungsinstrumenten möglich sind (Abb. 12), [20].
Beim Suchen dunkler Beobachtungsorte helfen auch in Spanien Google Maps und die topografischen Karten Spaniens [21]. Wie in Frankreich findet man auch in Spanien viele Ferienhäuser und -wohnungen in den ländlichen Gebieten (fewo-direkt. de, Airbnb, www.escapadarural.com - nur spanisch!)
1 1 Einer der Beobachtungsplätze (,,Mirador estelar") im Naturpark Sierra de Gredos
oberhalb des Ortes Navarredonda de Gredos
Dunkle Orte in Österreich und sonst Verschiedene Alpenpässe oder -almen werden schon länger von Amateurastronomen für Beobachtungen genutzt, etwa die Bielerhöhe an der Silvretta-Hochalpenstraße,
1 2 Die Gehäuse der robotischen Tele-
skope von ,,Entre Encinas y Estrellas" in
Südspanien (Foto Burkhard Lührmann)
Journal für Astronomie Nr. 96 | 11
Amateurastronomie in Europa
die Kaunertaler Gletscherstraße (Abb. 13), die Edelweißspitze an der GroßglocknerHochalpenstraße, die Nockalmstraße oder die Postalm (Abb. 14). Entsprechend den Lichtverschmutzungskarten sind die östlichen Alpen noch dunkler. Das Sölktal wurde als eine der natürlich dunkelsten Gegenden identifiziert, bietet allerdings wegen der Tallage nur eingeschränkten Rundumblick. Den findet man am nahen Tauernwindpark (über 1.800 m hoch), wobei der nördliche Himmel teilweise durch die Windräder eingeschränkt wird, während der Blick Richtung Süden frei ist (Abb. 15). Allerdings passiert es in den Alpen, dass helle Hotelbeleuchtungen, Autoverkehr oder Pistenpräparation den Blick an den dunklen Nachthimmel stören können. In Italien (Dolomiten), auf dem Balkan (Kroatien: Nationalpark Plitvicer Seen, Insel Lastovo) und in Griechenland (Peleponnes, Kreta) gibt es weitere dunkle Gebiete, die aber nicht so dunkel wie etwa in Frankreich sind. Spanien zeigt deutlich, dass der Blick auf den Sternhimmel touristisch genutzt werden kann, und mit diesem geldwerten
1 4 Das Milchstraßenzentrum
über der Postalm in Österreich
12 | Journal für Astronomie Nr. 96
1 3 Ein Berg im österreichischen
Kaunertal wird von einer Infotafel auf dem Gletscherparkplatz angeleuchtet, die Beleuchtung wird aber inzwischen nachts abgeschaltet.
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Vorteil die Regionen motiviert werden, die dunkle Nacht durch eine Beleuchtung zu schützen, die Lichtverschmutzung reduziert. In Frankreich zeigt sich zudem, dass durch Reduzierung der nächtlichen Beleuchtung erhebliche Stromkosten eingespart werden können und Natur- und Nachtschutz in den Sternenparks Hand in Hand gehen. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Erkenntnis weiterverbreitet und der Sternhimmel in mehr Regionen wieder besser erlebbar wird!
1 5 Der Sternhimmel über dem
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Journal für Astronomie Nr. 96 | 13
ISBN 978-3-440-18266-6
Amateurastronomie in Europa
Literatur- und Internethinweise (Stand 24.08.2025):
[1] B. Pröschold, 2018: ,,Reiseziel Sternenhimmel", Kosmos Verlag, Stuttgart
[2]
[3]
[2] F. Falchi et al., 2016: "The new world atlas of artificial night sky brightness",
https://doi.org/10.1126/sciadv.1600377
[3] D. Lorenz, 2024: ,,Lichtverschmutzungskarte von Europa 2024", https://djlorenz.github.io/astronomy/lp/overlay/dark.html
[4]
[5]
[4] Google: "Light Pollution Map", www.lightpollutionmap.info
[5] Unihedron: "Portable Tools for Physics and Astronomy", www.unihedron.com
[6] Google Earth Engine: "A planetary-scale platform for Earth science data & analysis",
[6]
[8]
https://pmisson.users.earthengine.app/view/sdgsat-eu-visual
[7] A. Hänel, 2022: ,,Sternenparks und Sternenstädte in Deutschland", VdS-Journal
für Astronomie 82 (3/2022), S. 5ff
[9]
[10]
[8] DarkSky International: "All International Dark Sky Places", https://darksky.org/
what-we-do/international-dark-sky-places/all-places/?_location_dropdown=france
[9] Republique Francaise (IGN): ,,Geoportail", www.geoportail.gouv.fr/carte, (es gibt dafür auch eine App)
[12]
[13]
[10] F. Tapissier: ,,GRESAC (Grand Repertoire de Sites Astronomiques Communautaires)",
https://avex-asso.org/gresac
[11] W. E. Celnik, P. Riepe, H. G. Weber: ,,Astrophotographie in der Sierra Nevada",
[14]
[15]
Sterne und Weltraum 1/1984, S. 37-39
[12] Deutscher Wetterdienst DWD: "Cloud cover - Monthly values",
www.dwd.de/EN/ourservices/rcccm/int/rcccm_int_cfc.html
[16]
[17]
[13] Starlight Foundation: "Starlight Certification", https://en.fundacionstarlight.org/
contenido/42-what-are-they.html
[14] Campingplatz Bassegoda Park: Homepage, www.bassegodapark.com/ [15] Generalitat de Catalunya: "Parc Astronòmic del Montsec",
[18]
[19]
https://parcastronomic.cat/en/
[16] Turismo Astronómico: ,,UNESCO-Geopark Granada", www.turismoastronomico.org
[17] Stellarium Ávila: "Ávila siente las estrellas", www.stellariumavila.es
[20]
[21]
[18] Extremadura: "Buenas Noches", https://extremadurabuenasnoches.com
[19] Extremadura: Downloads, https://extremadurabuenasnoches.com/multimedia/
descargas/
[22]
[23]
[20] Observatorium und Teleskoppark ,,Entre Encinas y Estrellas": www.e-eye.es/en/
e-eye-en
[21] Instituto Geografico Nacional: Interaktive Karten, www.ign.es/iberpix/visor/, [24] [25] es gibt dafür auch eine App.
Weitere Einrichtungen:
[26]
[27]
[22] Asociación Valenciana de Astronomía (AVA):
https://astroava.org/observatorio-caat/
[23] Monasterio el Olivar: ,,Observación de estrellas", [28] https://www.monasterioelolivar.com/12-servicios-y-actividades/
41-bano-de-estrellas
[24] Astrocamp: ,,Observación astronómica, en las altas montañas de Nerpio (Albacete)",
https://www.astrocamp.es/
[25] Galactica: ,,Centro de Difusión y Practica de Astronomía",
https://galactica.org.es/
[26] La Hita: ,,Complejo Astronomico", https://fundacionastrohita.org/
[27] Observatorio Astronómico de La Sagra: https://ols.iaa.csic.es/
[28] Asociación Astronómica Quarks: https://aaquarks.com/blog/
14 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
Meteorbeobachtung in Europa
von Sirko Molau
Die Meteorbeobachtung hat in vielen Ländern Europas eine lange Tradition. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gründung der International Meteor Organization (IMO) [1] primär auf Betreiben verschiedener europäischer Aktivisten im Rahmen der International Meteor Conference (IMC) in Oldenzaal, Niederlande, beschlossen wurde. Dabei waren deutsche Sternfreunde beiderseits des eisernen Vorhangs eine treibende Kraft. Die Gründung wurde ein Jahr später auf der IMC in Balatonföldvar, Ungarn, vollzogen (Abb. 1).
Die holländischen Sternfreunde haben neben der visuellen Beobachtung schon in den 80er und 90er Jahren große Kamerabatterien gebaut, mit denen sie hochpräzise Meteorfotografien gewonnen haben. Die belgischen Beobachter sind seit Jahrzehnten führend auf dem Gebiet der ForwardScatter-Radiometeorbeobachtung und die ungarischen Meteorbeobachter mischen überall mit.
Die nachfolgenden, von mir übersetzten Gastbeiträge stellen die Meteoraktivität in drei befreundeten europäischen Ländern etwas genauer vor.
Internethinweis (Stand 24.08.2025): [1] International Meteor Organization
(IMO): www.imo.net
Obwohl es immer um Meteore geht, haben sich die Beobachter in den einzelnen Ländern häufig auf bestimmte Beobachtungsmethoden spezialisiert. Die deutschen Beobachter gehören zu den aktivsten visuellen Meteorbeobachtern weltweit und haben viel zur Standardisierung der Meteorbeobachtung beigetragen. Zudem waren sie führend an der Entwicklung der Videometeorbeobachtung beteiligt, was sich u. a. in der Gründung und Organisation des IMO Video Meteor Networks 1999 und des AllSky7 Fireball Network Europe 2019 widerspiegelt.
1 Gruppenfoto von der IMC 1989 in Balatonföldvar. Man muss schon sehr
genau hinschauen, um die ,,jugendlichen" Gesichter wiederzuerkennen ...
2 Das AllSky7 Fireball Net-
work Europe ist wahrlich ein europäisches Netzwerk. Hier ist die Collage von Aufnahmen einer Feuerkugel, die am 28. September 2025 um 01:51 UT über Süddeutschland aufgeleuchtet ist, aber auch von Kameras in Belgien und der Schweiz aufgezeichnet wurde. Die Videos können unter https://allsky7.net/ archive.html?date=20250928&time=015120 abgerufen werden.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 15
Amateurastronomie in Europa
Der VVS-Radiosender im AstroLAB
von Christian Steyaert
1 Ein Jahr Radiometeorbeobachtungen auf einen Blick -
dargestellt wird die Zahl der von Felix Verbelen im Jahr 2016 pro Stunde aufgezeichneten Radiometeore.
Die VVS (Vereniging voor Sterrenkunde [1]) ist die Dachorganisation der Amateurastronomen in Flandern, Nordbelgien. Sie ist mit 2.200 Mitgliedern etwa halb so groß wie die deutsche Vereinigung der Sternfreunde, obwohl Flandern nur gut 7 Millionen Einwohner hat.
Die VVS hat mehrere Arbeitsgruppen [2], darunter ,,Meteore" und ,,Radioastronomie". Im Rahmen einer gemeinsamen Initiative wurde ein dedizierter Radiosender zur Forward-Scatter-Meteorbeobachtung eingerichtet. Der VVS-Radiosender wird von AstroLAB IRIS [3] betrieben und befindet sich auf der geografischen Position 50,82 Grad N und 2,91 Grad O. Er erblickte am 16. April 2005 das Licht der Welt und ist seitdem nahezu ununterbrochen in Betrieb. Er wird nicht nur von belgischen Meteorbeobachtern genutzt, sondern ist auch vielen westdeutschen Sternfreunden ein Begriff. Der Sender besteht aus einem linkszirkular polarisierten, nach oben strahlenden Kreuzdipol (Abb. 2) mit einer effektiven Leistung von 25 W in jeder Ebene und einem reinen Träger ohne Modulation auf der Frequenz 49,990 MHz. Der Betrieb des Senders mit dem Rufzeichen OT1KZG wurde vom Belgischen Institut für Postdienste und Telekommunikation (BIPT) offiziell genehmigt.
2 Wartung der VVS-Sendeantenne nach vielen Jahren ununterbrochenen Betriebs.
Radiobeobachtungen ermöglichen eine permanente Überwachung von Meteorströmen unabhängig von Tageslicht und Bewölkung, solange der Radiant über dem Horizont steht (Abb. 3). Die ganzjährige Beobachtung von Felix Verbelen (Abb. 1), einem bekannten belgischen Radiometeor-
3 Auf diesem 5-Minuten-Spektrogramm vom Maximum der Quadrantiden sind mehrere
lang anhaltende sog. ,,non-specular reflexions" mit Verzweigungen zu sehen. Ein kurzer vertikaler Schweif stellt eine so genannte ,,specular reflexion" dar. Die absteigenden Linien sind Reflexionen von Flugzeugen, die in großer Höhe über den Radiosender fliegen.
16 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
beobachter, zeigt nicht nur die bekannten
Internethinweise (Stand 25.08.2025):
[1]
[2]
nächtlichen Meteorströme wie die Qua-
[1] Vereniging voor Sterrenkunde:
drantiden am 3./4. Januar, die Perseiden
https://vvs.be
Mitte August und die Geminiden im De-
[2] Arbeitsgruppen der VVS:
zember, sondern auch starke Tageslicht-
https://vvs.be/werkgroepen
[3]
[4]
Meteorströme im Juni.
[3] AstroLAB, Betreiber des VVS-Radiosenders:
https://astrolab.be
Radiometeorbeobachtungen können prob-
[4] RMOB: www.rmob.org
lemlos bis zu 500 km vom Sender entfernt
durchgeführt werden. Beispielsweise wur-
de die Aktivität der Quadrantiden 2024 von
der Walter-Hohmann-Sternwarte (Essen)
in 300 km Entfernung vom Sender aufge-
zeichnet (Abb. 4).
Alle Beobachtungen und Details der weltweiten Forward-Scatter-Beobachtungsstationen findet man auf der Webseite des Radio Meteor Observing Bulletin RMOB [4], das vom Autor betrieben wird.
4 Forward-Scatter-Meteorbeobachtung der Walter-Hohmann-Sternwarte Essen
im Januar 2024.
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Amateurastronomie in Europa
Meteorastronomie in den Niederlanden
von Felix Bettonvil
Ähnlich wie in anderen Ländern begann die Meteorastronomie in den Niederlanden schon vor langer Zeit. Die spektakulären Leonidenstürme von 1833 und 1866 bis 1868 hatten großen Einfluss auf das Interesse an der wissenschaftlichen Erforschung von Meteoren. 1943, während des Zweiten Weltkriegs, wurde der Astroclub gegründet, der als Vorläufer der heutigen Arbeitsgruppe für Meteore (Werkgroep Meteoren) gilt. Der Klub der Meteorbeobachter bestand aus Brüdern, Freunden, Mathematiklehrern und anderen Amateurbeobachtern. Er wuchs zwischen 1943 und 1944 stetig auf 35 Mitglieder und baute ein nationales Netzwerk auf, das Beobachtungskampagnen organisierte. Die Mitglieder des Astroclubs gaben die Monatszeitschrift ,,De Meteoor" heraus, die 1946 zur wichtigsten astronomischen Zeitschrift der Niederlande wurde. Beobachter veröffentlichten ihre Beobachtungsberichte und -ergebnisse in ,,De Meteoor" und im Monatsmagazin der Königlich Niederländischen Gesellschaft für Meteorologie und Astronomie (KNVWS) ,,Hemel en Dampkring" und später in ,,Zenit". Heute gibt es zwei Vereinigungen: die Werkgroep Meteoren und die Dutch Meteor Society. Beide haben jeweils etwa 30 bis 40 Mitglieder.
Die Werkgroep Meteoren ist ein Verein, der allen offensteht, die sich für Meteore und Meteoriten interessieren. Ziel ist es, die Meteorastronomie zu fördern und die Verbreitung der Meteorastronomie in der Öffentlichkeit zu unterstützen. Dies geschieht durch die Organisation von Treffen wie z. B. unserer Jahrestagung, Exkursionen und Beobachtungskampagnen sowie durch die Förderung der Meteorbeobachtung durch die Mitglieder und die Zusammenarbeit mit ähnlichen Vereinigungen innerhalb und außerhalb der Niederlande. Die Mitglieder der Werkgroep Meteoren sind in sieben verschiedenen Themenbereichen
1 Dach des Astronomischen Radioinstituts in Dwingeloo, Niederlande, mit vier All-Sky-
Kameras, die von der Werkgroep Meteoren und der Dutch Meteor Society für verschiedene Netzwerke betrieben werden: Europäisches Feuerkugelnetz (hinten links); AllSky7 (hinten rechts); Tageslicht-Feuerkugelkamera DAARO (vorne links); FRIPON (vorne rechts).
tätig: Fotografie, visuelle Beobachtung, Radiobeobachtung, Feuerkugeln, All-SkyÜberwachung, Datenerfassung und -berechnung sowie Meteoritensuche und -forschung. Die Werkgroep Meteoren betreibt ein Meteoriten-Dokumentationszentrum (MDC), das die Öffentlichkeit bei der Bewertung und Identifizierung mutmaßlicher Meteoritenfunde unterstützt und Hintergrundinformationen bereitstellt. Das MDC war maßgeblich an der Entdeckung des sechsten Meteoriten in den Niederlanden beteiligt, d em ,,Broek in Waterland".
Die Werkgroep Meteoren nutzt soziale Medien und veröffentlicht Online-Inhalte auf ihrer Website, um über ihre Aktivitäten, Beobachtungen und allgemeine Themen
rund um Meteore und Meteorite zu berichten. In den sozialen Medien hat sie mehrere hundert Follower. Dreimal wurde die Internationale Meteorkonferenz der IMO organisiert. Auch im Jahr 2025 war die Werkgroep Meteoren Gastgeber der IMC vom 18. bis 21. September in Soest.
Die Dutch Meteor Society ist eine Gruppe von Meteorbeobachtern mit langjähriger Erfahrung und Spezialisierung auf hochgenaue Meteorbahnen. Seit vierzig Jahren werden Beobachtungen im optischen Bereich durchgeführt und analysiert, wobei Video-, Feuerkugel- und visuelle Beobachtungen einen besonderen Schwerpunkt bilden. Die Dutch Meteor Society betreibt das CAMS-Benelux-Videonetzwerk mit über
18 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
70 Kameras in den Niederlanden und Belgien sowie den niederländischen Zweig des European Fireball Network, das vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Ondrejov koordiniert wird. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung modernster Ausrüstung, um qualitativ hochwertige Aufnahmen zu ermöglichen. Die Dutch Meteor Society betreibt eine Datenbank mit Beobachtungsergebnissen, veröffentlicht das Online-Magazin e-Radiant und organisiert regelmäßig Beobachtungskampa-
gnen, um Beobachtungen unter dunklem, klarem Himmel zu ermöglichen. Ähnlich wie die Werkgroep Meteoren organisiert sie eine Jahrestagung. Die Dutch Meteor Society spielte eine wichtige Rolle bei der Entdeckung und Bahnrekonstruktion des Glanerbrug-Meteoriten im Jahr 1990.
Schließlich gibt es noch eine Reihe einzelner Kamerabetreiber, die keinem Verein angeschlossen sind und meist mit dem Global Meteor Network (GMN) zusammenarbeiten [1]. Auch die niederländische
Öffentlichkeit zeigt großes Interesse an Meteoren und Feuerkugeln. Nach hellen Feuerkugeln werden oft Hunderte von Augenzeugenberichten gesammelt. Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass Holländer Meteor-Aficionados sind.
Literaturhinweis: [1] R. Stano, 2024: ,,Meteorkamera des
Global Meteor Network", VdS-Journal für Astronomie 89, S. 82
2 Die Werkgroep Meteoren führt regelmäßig Experimente in Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen durch, um den Einschlag eines
(künstlichen) Meteoriten auf dem Boden zu demonstrieren. Im Vordergrund der Autor mit seiner ,,Meteoritenkanone".
Journal für Astronomie Nr. 96 | 19
Amateurastronomie in Europa
Meteorbeobachtung in Ungarn
von Antal Igaz
Ungarn hat eine lange Tradition bei der visuellen Meteorbeobachtung, die insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren populär war. In den 1990er und frühen 2000er Jahren ebbte die Begeisterung jedoch ab. Um 2010 begann sich die Situation wieder zu verbessern, dank neuer Technologien wie Digitalfotografie und Videobeobachtung, welche die Meteorbeobachtung zugänglicher denn je machten (s. Abb. 1 und 2). Ein weiterer Wendepunkt war der 28. Februar 2010, als eine Feuerkugel den Himmel hell erleuchtete und zu einem Meteoritenfall in der Nähe von Kosice (Slowakei) führte. Dieses Ereignis erregte große mediale Aufmerksamkeit und entfachte das öffentliche Interesse an Meteoren und Feuerkugeln neu.
Kleine Gruppen organisierten Exkursionen zu Orten mit dunklem Nachthimmel, oft in Teams von fünf bis zehn Personen. Dazu gehörten engagierte Einzelpersonen wie Istvan Tepliczky und seine Freunde sowie Amateurastronomen, die an Som-
1 Kompositbild aus 4 Geminidennächten
im Jahr 2007 mit 186 Meteoren. Das Bild von Ern Berkó war seinerzeit (03. Januar 2008) ein Astronomy Picture of the Day (APOD): https://apod.nasa.gov/apod/ap080103.html
mercamps von Organisationen wie Vega Csillagaszati E gyesület, der Kiskun-Gruppe und der Ungarischen Astronomischen
Infolgedessen begannen ungarische Beobachter, sich wieder aktiver mit der internationalen Meteorgemeinschaft, insbesondere der International Meteor Organization (IMO), zu vernetzen. Auch die visuelle Beobachtung gewann wieder an Bedeutung.
2 Róbert Rosenberg wollte einen Iridium-Flare fotografieren. Stattdessen gelang
ihm die Aufnahme dieser schönen Feuerkugel (Aufnahmedaten: 05. August 2011, 19:46 Uhr UT, Canon 400D, Samyang-Fischaugenobjektiv).
20 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
Gesellschaft (MCSE) teilnahmen. IMOStandards und Hinweise für die visuelle Meteorbeobachtung wurden ins Ungarische übersetzt und in verschiedenen Foren geteilt, um Neulingen zu helfen, standardisierte und bessere Beobachtungsdaten beizutragen. Ein gutes Beispiel waren die Perseiden 2023. Etwa 20 junge Teilnehmer des jährlichen Sommercamps der MCSE nahmen vom 10. bis 12. August unter der Leitung von Sandor Keszthelyi an einer koordinierten Beobachtungsaktion teil.
3 Reports der ersten größeren Feuerkugel, nachdem das IMO-Feuerkugelformular auf der
MCSE-Webseite verlinkt wurde
Im Jahr 2016 hat das MCSE die ungarische Version des AMS/IMO-Online-Formulars zur Feuerkugelmeldung auf seiner Website veröffentlicht, um die Beteiligung der Öffentlichkeit an dieser ,,Citizen Science" weiter zu fördern. Das Formular wurde seitdem durch Vorträge und Online-Plattformen beworben, was die Beteiligung deutlich steigerte. Feuerkugeln sind oft internationale Ereignisse: So wurde beispielsweise die helle Feuerkugel über dem Balaton am 8. April 2018 um 18:48 Uhr UT von 53 Personen aus 8 verschiedenen Ländern gemeldet (Abb. 3).
Stationen den Himmel über Ungarn. Die Kameradichte ist größer als in jedem anderen Land in Europa, vergleichbar etwa mit Süddeutschland. Auch andere Systeme wie UFOCapture und das Global Meteor Network (GMN) haben an Popularität gewonnen.
Einige Beobachter rüsteten ihre Kameras mit optischen Gittern aus und begannen mit spektralen Aufnahmen. Das KonkolyObservatorium, Teil des Forschungszentrums für Astronomie und Geowissenschaften, hat sich diesen Bemühungen mit einem Hybridsystem angeschlossen, das Video- und Fotodetektion kombiniert. Das
Auch die fotografische Meteorbeobachtung nahm stetig zu. Derzeit tragen zwischen 5 und 10 aktive Beobachter regelmäßig Bilder zu den MCSE-Archiven bei, meist mit DSLR-Kameras und Weitwinkelobjektiven. Auch Deep-Sky-Astrofotografen zeichnen nebenbei Meteore auf. Seit 2015 wurden fast jeden Monat Meteorfotografien gewonnen.
Die Videometeorbeobachtung hat sich in Ungarn seit 2010 rasant entwickelt. Das erste weit verbreitete System basierte auf der Software MetRec. Bis zu 20 Videokameras in Ungarn nahmen am IMO Video Meteor Network teil (Abb. 4). 2019 ging Ungarns erste AllSky7-Station online, und heute überwacht ein Netzwerk von zehn AllSky7-
4 Die IMO Video Meteor Network-Kamera HUHOD in Hódmezvasarhely
Journal für Astronomie Nr. 96 | 21
Amateurastronomie in Europa
5 Auf Meteoritensuche im Jahr 2016
in Inancs (Nordost-Ungarn)
20-Kamera-Netzwerk ist Teil eines umfassenderen Forschungsprojekts zur Untersuchung kosmischer Einschläge und der Risikobewertung im Weltraum.
In den letzten Jahren haben einige ungarische Teams begonnen, Feuerkugelaufnahmen zu analysieren und Meteoritensuchkampagnen zu organisieren (Abb. 5 und 6). Obwohl diese Bemühungen andauern und vielversprechend sind, konnte in Ungarn selbst bisher noch kein frisch gefallener Meteorit geborgen werden. Dafür konnten wir zusammen mit unseren deutschen Freunden einzelne Stücke des Ribbeck-Meteoriten aufspüren, dessen Ursprungsobjekt wenige Stunden vor dem Impakt vom ungarischen Astronomen Krisztian Sarneczky am Konkoly-Observatorium entdeckt wurde.
Zusammen markieren diese Entwicklungen eine neue Ära in der ungarischen Meteorastronomie, in der traditionelle visuelle Beobachtung auf moderne Technologie trifft und Amateurbeobachter einen großen Beitrag leisten.
6 Der Autor (links) zusammen mit ungarischen und
slowakischen Sternfreunden
Vernetzung der amateurastronomischen Nationalorganisationen - INAAO (International Network
of Amateur Astronomy Organizations) gegründet
von Harald Steinmüller
Überall auf der Welt gibt es Amateurastronomen. Viele davon sind Mitglieder lokaler und regionaler Gruppen, die deren Leidenschaft teilen, wo bewährte Praktiken ausgetauscht werden, wo voneinander gelernt wird, wo private und öffentliche astronomische Aktivitäten organisiert werden oder die Mitglieder einfach die Gesellschaft der anderen genießen. Astronomische Vereinigungen bieten vielfältige Möglichkeiten der fachlichen Zusammenarbeit und des gesellschaftlichen Miteinanders.
In einigen Ländern gibt es eine nationale Organisation oder einen Verband, der diese Vereinigungen landesweit unterstützt. Zu den Aktivitäten einer solchen Organisation bzw. eines solchen Verbandes kann es
beispielsweise gehören, Kooperationen zu fördern, Schulungen anzubieten, Versicherungen zu vermitteln und/oder Fähigkeiten und Ressourcen zwischen den Mitgliedsgruppen zu teilen.
Jedoch fehlt bisher ein breiteres, internationales Netzwerk, um amateurastronomische Organisationen länderübergreifend zusammenzubringen. Es gibt zwar internationale Netzwerke für spezifische Projekte, vor allem in der Forschung, aber keines, das sich auf die Unterstützung der Astronomievereinigungen selbst konzentriert.
Daher nahm im Frühjahr 2025 Cesare Pagano, Generalsekretär der ,,Unione Astrofili Italiani" (UAI), Kontakt mit der VdS
auf, um ein Interesse für eine Vernetzung auszuloten. Die FG Astronomische Vereinigungen übernahm die weitere Korrespondenz.
Cesare Pagano (IT) und Jenny Shipway (UK) sind die Initiatoren eines Netzwerks von Organisationen und Vereinigungen in der Amateurastronomie. Beide sind selbst gut vernetzt in der amateurastronomischen Öffentlichkeitsarbeit der IAU. Weitere bisherige Mitgliedsländer und Interessenten sind derzeit Belgien, Frankreich, Irland, Portugal, Spanien, Kanada und Neuseeland. Viele mehr wurden angeschrieben und bekundeten grundsätzliches Interesse. Das internationale Netzwerk soll Organisationen/Verbände miteinander verbinden,
22 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
die ihrerseits lokale astronomische Vereinigungen unterstützen. Vorläufige Zielsetzungen sollen sein: - Austausch zu bewährten Praktiken und
Herausforderungen: Wie kann ein nationaler Verband seine Mitgliedsorganisationen am besten unterstützen? Die Mitglieder können hierbei voneinander lernen und künftige Herausforderungen vielleicht gemeinsam bewältigen. - Organisation von konkreten internationalen Projekten oder Austauschprogrammen: Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Astronomen, die an internationaler Zusammenarbeit interessiert sind, und Förderung der Kommunikation mit amateurastronomischen Gruppierungen. - Anregung und Unterstützung umfassender internationaler Projekte in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Forschung und Bildung, einschließlich der Zusammenarbeit mit professionellen Astronomen und anderen Organisationen.
Inzwischen wurden mehrere Zoom-Konferenzen veranstaltet, in welchen sich die nationalen Repräsentanten untereinander vorgestellt und zu ihrer Organisation ausgetauscht haben.
Für das neue Netzwerk einigte man sich auf den Namen INAAO (International Network of Amateur Astronomy Organizations). Um mittelfristig eine Internetpräsenz auf den Weg zu bringen, wurde auch bereits über ein offizielles Logo entschieden (s. unten).
Auch zu einigen speziellen Themen fand bereits ein Informationsaustausch statt. Dabei zeigte sich, dass sich in den meisten nationalen Organisationen strukturelle Verhältnisse wie z. B. Alter, Jugend, Öffent-
lichkeitsarbeit etc., durchaus ähneln. Manche Verbände arbeiten bereits regelmäßig mit professionellen Instituten zusammen, während andere wiederum Dienstleistungen nur für Amateurastronomen und die Öffentlichkeit anbieten.
Grundsätzliche Informationen zur Struktur des jeweiligen nationalen Verbandes wurden von einigen Teilnehmern bereits in einer eingerichteten Cloud zur Verfügung gestellt. Die nachfolgende Übersicht basiert auf diesen Eintragungen, ergänzt durch eine Auswahl von Informationen, die auf den Internetseiten der Verbände zu finden sind.
Vereinigtes Königreich Federation of Astronomical Societies (FAS) [1] Die FAS ist ein 1974 gegründeter Zusammenschluss von amateurastronomischen Vereinigungen. Es gibt einen ehrenamtlichen Vorstand, der jedes Jahr neu gewählt wird. Neben Präsident, Vize, Sekretär, Schatzmeister usw. gibt es auch einen ,,DarkSky"-Berater. Aktuell wird versucht, einen Beauftragten für Vielfalt und Integration zu finden.
Es gibt in Großbritannien ca. 180 astronomische Vereinigungen mit insgesamt etwa 12.000 Mitgliedern. Das Alter der Mitglieder ist relativ hoch. Daher versucht der Verband auch, jüngere Menschen zu ermutigen, den Vereinen beizutreten oder neue zu gründen. Neben Beratungstätigkeiten werden auch Haftpflichtversicherungen für die Vereine vermittelt. Es wird einmal jährlich ein Kongress veranstaltet, bei dem auch Preise für astronomische Projekte vergeben werden.
Italien Unione Astrofili Italiani (UAI) [2] Die gemeinnützige, rein ehrenamtliche Organisation wurde 1967 gegründet. Ihre Aufgabe ist die Verbreitung der Astronomie und der wissenschaftlichen Kultur im Allgemeinen. Dies umfasst Tätigkeiten in Forschung, Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsförderung, Bekämpfung der Lichtverschmutzung sowie externe Dienstleistungen in den Bereichen Verwaltung, Kommunikation, IT und Printmedien. Präsident und Vorstand werden alle 3 Jahre gewählt (zuletzt im Mai 2025).
Neben dem mehrmals im Jahr erscheinenden Magazin ,,Astronomia" bringt die UAI auch ein Himmelsjahrbuch, den ,,Almanacco Astronomico UAI", heraus.
2024 zählte die UAI 1.064 Mitglieder, davon 937 Einzelmitglieder, 69 Delegationen, 18 lokale Vereinigungen, 12 Einrichtungen und 2 Schulen. Zu den Delegationen gehören verschiedene Astronomievereine, Sternwarten (auch professionelle) sowie verwandte Organisationen. Zu den Unterstützungmaßnahmen der Delegationen gehören u. a.:
- Erstellung eines gemeinsamen Veranstaltungskalenders
- Jährlicher Gesamtbericht über die Aktivitäten
- Jährliche Vergabe von 1.000 für einen Projektvorschlag einer Delegation
- Gemeinsame IT-Dienste für Videokonferenzen und Live-Streaming
- Organisation nationaler Treffen zum Erfahrungsaustausch
- Organisation und Koordinierung der
Journal für Astronomie Nr. 96 | 23
Amateurastronomie in Europa
von der UAI finanzierten nationalen Projekte ,,Sterne für alle", ,,Himmel in der Schule" und ,,Astro-Akademie".
Belgien Vereniging voor Sterrenkunde (VVS) [3] Die VVS wurde 1944 in Flandern gegründet und ist auch auf den flämischsprachigen Bevölkerungsteil Belgiens ausgerichtet, während für die französischsprachigen Wallonen die ,,Societe Royale Belge d'Astronomie" (SRBA) zuständig ist.
gesamt 4.500 Mitgliedern. Wichtige Entscheidungen werden von einem 9-köpfigen ehrenamtlichen Vorstand getroffen, wobei jedes Jahr drei Positionen zur Wahl stehen. Der Vorstand wird von einem Rat von Vertretern der einzelnen Zentren beraten. 14 Fachausschüsse sind dem Vorstand direkt unterstellt. Alltägliche Entscheidungen werden vom ,,Executive Director" (Geschäftsführer) getroffen.
der SAF). Neben dem Präsidenten gibt es ein Exekutivbüro mit 6 und einen Verwaltungsrat mit 24 Mitgliedern, 17 Kommissionen (Fachgruppen), 4 Ausschüsse und das ,,L'Astronomie"-Redaktionsteam. Etwa 1.500 Mitglieder (Einzelpersonen oder Vereine) engagieren sich als Freiwillige. Es bestehen Partnerschaften mit anderen astronomischen Organisationen, die sich ergänzenden Bereichen widmen.
Die ca. 2.300 Mitglieder der VVS setzen sich aus Einzelmitgliedern, 20 regionalen Vereinen, 9 Jugendgruppen und 15 spezialisierten Arbeitsgruppen (ähnlich den VdSFachgruppen) zusammen. Zur Kommunikation gibt es monatliche Zeitschriften und den jährlichen ,,Hemelkalender". Um die astronomische Forschung und Bildung zu fördern, arbeitet der Verband mit Sternwarten und akademischen Einrichtungen zusammen.
Die VVS verfügt auch über eine Jugendorganisation, die JVS (Jongeren Vereniging voor Sterrenkunde), die verschiedene regelmäßige Veranstaltungen für junge Menschen von 12 bis 21 Jahren in Flandern organisiert, darunter auch den ,,JVS Trophy Cup", der für themenbezogene Projekte verliehen wird.
In Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten veranstalten VVS und JVS jährlich eine anspruchsvolle Astronomie-Olympiade für Schüler der 9. Jahrgangsstufen.
Kanada Royal Astronomical Society of Canada (RASC) [4] Die Gründung der RASC durch Amateurastronomen in Toronto geht zurück auf das Jahr 1868 und besteht mittlerweile aus 30 ,,Centres" (ähnlich den Vereinen) mit ins-
Der Verband arbeitet häufig mit Partnerorganisationen wie z. B. Parks Canada, Provincial Parks oder auch der CSA (Canadian Space Agency) zusammen. Er bringt diverse Publikationen wie das ,,Observer's Handbook", den ,,Night Sky Almanac" oder das ,,Journal of the RASC" heraus. Die Unterstützung der Mitglieder und Zentren beinhaltet u. a. die Vermittlung von Versicherungsleistungen, Vereinsverwaltungssoftware und Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit.
Neben den vielfältigen Events, Projekten und Beobachtungsprogrammen der RASC ist die Veranstaltung ,,NOVA" (New Observers to Visual Astronomy) nennenswert. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Zentren soll diese modulare Kursreihe insbesondere Anfänger für die Astronomie begeistern.
Frankreich Societe Astronomique de France (SAF) [5] Die SAF wurde 1887 von Camille Flammarion gegründet. ,,Offen für alle, ist es ihr Ziel, die Wissenschaften des Universums zu verbreiten und Amateure in ihren Fortschritt einzubeziehen" (Zitat Internetseite
Die gesamte französische astronomische Gemeinschaft besteht aus ca. 600 (!) lokalen Vereinigungen, Clubs und Amateursternwarten.
Neben einer Vielzahl von lokalen und überregionalen Veranstaltungen unterstützt die SAF den in Paris stattfindenden ICAY (International Congress of Astronomical Youth). Vier Tage lang können Studierende und Forschende Erfahrungen aus ihrer Arbeit und Ideen austauschen. Der Kongress ist international (Kongresssprache ist Englisch), jedoch sind außer Frankreich andere europäische Länder bisher leider kaum vertreten.
In der Jugendarbeit ist die ,,Commission Jeunes" (Fachgruppe Jugend) gut aufgestellt, sehr aktiv in vielen Bereichen der Naturwissenschaften und wird von jungen Leuten eigenverantwortlich geleitet. In den französischen Südalpen (auf 1.200 m Meereshöhe) soll in Kooperation mit dem Verein ,,Association Copernic 05" künftig ein eigenes Jugendobservatorium betrieben werden, das auch ein Remote-Teleskop bekommen soll. Aktuell wird mittels Crowdfunding um finanzielle Mittel geworben.
24 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
Neuseeland Royal Astronomical Society of New Zealand (RASNZ) [6] Die RASNZ, gegründet 1920, ist nach eigenen Angaben nicht nur ein eingetragener Verein, sondern auch eine eingetragene Wohltätigkeitsorganisation. Sie fördert das Interesse an der Astronomie und ist ein Zusammenschluss von Amateuren für die gegenseitige Unterstützung und Förderung der astronomischen Wissenschaft.
und Portugal) mit und unterhält direkte Beziehungen zu ähnlichen Gruppen in Lateinamerika. Derzeit gehören 87 Vereine mit insgesamt 9.100 Mitgliedern zur FAAE.
Was sind die nächsten Schritte im neuen Netzwerk? Das INAAO steckt noch in den Kinderschuhen und wird sicher in den nächsten Monaten funktionale Strukturen erhalten, um dann konkret die vorläufig formulierten Ziele anzugehen und umzusetzen.
sicher verlockend, aber muss auch entsprechend angestoßen, gesteuert und letztendlich auch gelebt werden. Inwieweit das neue Netzwerk hier die notwendigen Strukturen schaffen und Impulse geben kann, wird sich zeigen. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern muss sich entwickeln. Aber warum sollte eine internationale Zusammenarbeit und Vernetzung, die im Profibereich hervorragend funktioniert, nicht auch mit Amateurastronomen klappen ...?
Es gibt in mehreren Verbänden ähnliche
Strukturen, z. B. die Fachgruppen, deren
thematische Ausrichtungen sich ebenfalls
weitgehend entsprechen. Diese auf einer
internationalen Ebene zusammenzubrin-
Es gibt 10 Sektionen, die von unterschied- gen scheint möglich, ist aber auch davon
lich vielen Mitgliedern getragen werden. abhängig, dass die Gruppen in den jewei-
Zudem wird ein Netzwerk von 25 ange- ligen Ländern den Willen dazu haben. Eine
schlossenen Vereinen in ganz Neuseeland internationale Zusammenarbeit der ama-
unterstützt, darunter auch Sternwarten. Es teurastronomischen Organisationen klingt
gibt eine jährliche Konferenz, Newsletter
und Mitgliederinformationen. Auch eine
Reihe von Finanzhilfen wird angeboten.
Spanien
Internethinweise (Stand 25.08.2025):
[1]
[2]
[1] Internetseite der FAS (UK):
Federación de Asociaciones Astronómi-
http://fedastro.org.uk (englisch)
cas de España (FAAE) [7]
[2] Internetseite der UAI (IT):
Die FAAE gibt es erst seit 2014. Wie in anderen Ländern ist auch hier die Zielset-
www.uai.it (italienisch) [3] Internetseite der VVS (BE):
[3]
[4]
zung, die verschiedenen Astronomiegrup-
www.vvs.be (niederländisch)
pen durch gemeinsame Projekte und Infor-
[4] Internetseite der RASC (CN):
mationsaustausch zusammenzubringen.
www.rasc.ca (englisch)
[5]
[6]
Ein besonderes Augenmerk liegt aber auch
[5] Internetseite der SAF (FR ):
auf der Zusammenarbeit mit professionel-
https://saf-astronomie.fr (französisch)
len astronomischen Institutionen, um eine
[6] Internetseite der RASNZ (NZ):
konsequente wissenschaftliche Öffentlich-
www.rasnz.org.nz (englisch)
[7]
[8]
keitsarbeit in der Astronomie anbieten zu
[7] Internetseite der FAAE (ES):
können. Hierzu ist die FAAE Teil der PRO-
https://federacionastronomica.es (spanisch)
AM-Kommission [8] der SEA (Spanische
[8] Internetseite der SEA-PRO-AM-
Gesellschaft für Astronomie - eine Berufs-
Zusammenarbeit:
organisation), arbeitet regelmäßig bei der
https://proam.sea-astronomia.es/
Organisation jährlicher grenzüberschrei-
(spanisch)
tender Veranstaltungen (mit Frankreich
Journal für Astronomie Nr. 96 | 25
Amateurastronomie in Europa
Vereniging voor Sterrenkunde
- Meteorologie, Geofysica en Aanverwante Wetenschappen
von Frank Tamsin
Zur Einführung der Internationalen Sonnenfinsternis-Tagung 2025 stellte der Vorsitzende der flämischen ,,Vereniging voor Sterrenkunde" seinen Verein vor. Er stellte den Vortrag zur Verfügung, der hier übersetzt und leicht modifiziert wurde. A. Hänel
Die Vereinigung für Astronomie wurde 1944 gegründet und ist stolze achtzig Jahre jung. Der vollständige Name - Verein für Astronomie, Meteorologie, Geophysik und verwandte Wissenschaften - mag etwas langatmig sein, daher wird üblicherweise die kürzere Bezeichnung ,,Verein für Astronomie" oder die Abkürzung ,,VVS" verwendet, die den Schwerpunkt des Vereins widerspiegelt. Er ist vor allem in Flandern aktiv und hat eine stetig wachsende Mitgliederzahl von derzeit etwa 2.300 - keine schlechte Zahl in einer Region mit sechs Millionen Einwohnern! Der Verein konzentriert sich sowohl auf die Jugend als auch auf die ,,reifere Jugend". Wer
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das Angebot kennenlernen möchte, ist eingeladen, die Website [1] mit dem Webshop zu besuchen und ihm in den sozialen Medien zu folgen.
Der Verein unterstützt ein lebendiges Netzwerk von rund 30 lokalen Sektionen, sowohl für Erwachsene als auch für junge Menschen. Innerhalb des Vereins sind 16 thematische Arbeitsgruppen aktiv - darunter auch eine spezielle Arbeitsgruppe für Sonnenfinsternisse. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den sechs flämischen Volkssternwarten.
Veröffentlichungen sind ein weiterer Eckpfeiler der Vereinsarbeit. Die Monatszeitschrift ,,Heelal" erscheint bereits im 70. Jahr. Die Jugendkontaktzeitschrift ,,Astra" erfreut sich eines breiten Interesses, und inzwischen sind auch mehr als 50 Ausgaben des Jahrbuchs ,,Hemelkalender" erschienen. Gelegentlich werden auch Bücher veröffentlicht - meist auf Niederländisch, mitunter aber auch auf Englisch.
Im Rahmen der Mission, die Astronomie populär zu machen, werden regelmäßig große öffentliche Veranstaltungen organisiert - wie das jährliche Sternbeobachtungswochenende und den Tag der Sonnenbeobachtung ,,Zonnekijkdag". Und bei besonderen Anlässen wie Sonnenfinsternissen sind Freiwillige stets bereit, ihre Leidenschaft mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen.
Natürlich wird auch an die Zukunft gedacht: Mit der AstronomieOlympiade und der Sommerschule ,,Astronomie für junge Leute" wird dazu beigetragen, den Grundstein für die Astronomen von morgen zu legen.
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Der Geist des Austauschs steht im Mittelpunkt des Vereins. Einer der Höhepunkte ist jedes Jahr das zweitägige Symposium mit Hauptvorträgen von professionellen Astronomen und Beiträgen der Mitglieder. Dabei zeigt sich immer wieder, wie stark das Band zwischen Amateuren und Profis, zwischen Erfahrung und Innovation ist.
Und natürlich geht der Blick über Flandern hinaus. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene internationale Konferenzen ausgerichtet und mitorganisiert. Mit dieser siebten Sonnenfinsternis-Konferenz wird diese Tradition fortgesetzt.
Internethinweis (Stand 25.08.2025): [1] Vereniging voor Sterrenkunde:
www.vvs.be
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Amateurastronomie in Europa
Internationale Sonnenfinsternis-Konferenz SEC2025 in Leuven
von Andreas Hänel
Bereits seit längerer Zeit fand die internationale Sonnenfinsternis-Konferenz (Solar Eclipse Conference SEC) in Jahren ohne zentrale Sonnenfinsternisse statt und hatte international bekannte Hobby- und Profiastronomen angezogen. 2025 hatte wieder (wie schon 2018 ins Cosmodrom von Genk) die belgische Vereniging voor Sterrenkunde VVS eingeladen, diesmal vom 13. bis 15. Juni in die alte Universitätsstadt Leuven (flämisch, deutsch: Löwen, wallonisch: Louvain), östlich von Brüssel.
Die Konferenz startete am Freitagabend mit einem Empfang im Saal des ,,Radiohuis", das Teil des historischen Rathauses ist, wobei die Teilnehmer unter anderem vom Bürgermeister begrüßt wurden.
Das Tagungsprogramm fand dann am Samstag und Sonntag in einem Hörsaal der Universität statt. Der erste Vortragsblock beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Aspekten der Sonnenfinsternisbeobachtung. Luca Quaglia trug darüber vor, wie seine Gruppe durch Beobachtungen des zeitlichen Verlaufs des Flash-Spektrums am Rande der Totalitätszone einen neuen Wert für den Sonnenradius ableitete und wie sich der genaue Verlauf der Randzone auf der Erde durch das Mondrandprofil verändert [1].
Nick James, Direktor der Kometensektion der British Astronomical Association, berichtete über eine neue Kamera, deren CMOS-Chip so geändert wurde, dass, anstelle der üblichen RGB-Filter, Filter mit unterschiedlichen Polarisationsrichtungen auf die Pixel aufgebracht wurden [2]. Auf diese Weise können aus einer Aufnahme Polarisationsrichtung und -grad abgeleitet werden, es müssen nicht mehrere Aufnahmen kombiniert werden, bei denen ein Polarisationsfilter vor dem Objektiv gedreht
werden muss. Wegen vieler Anwendungsmöglichkeiten (etwa zur Materialprüfung) werden die Kameras in größeren Stückzahlen produziert und sind kaum teurer als übliche Digitalkameras. Nick stellte erste Testmessungen u. a. vom Mond vor und will die Kamera 2026 zur Messung der Polarisation in der Korona einsetzen.
Andrei Zhukov vom Royal Observatory of Belgium berichtete über die Proba-Weltraummission, die mithilfe von zwei ca. 150 Meter entfernten Satelliten künstliche Sonnenfinsternisse durch Abdeckung der Sonne mit einem der Satelliten erzeugen soll. Die erfolgreichen Aufnahmen konnte er allerdings noch nicht zeigen, da sie von der ESA bis zur Pressemitteilung am folgenden Montag einem Embargo unterlagen - die Hörer wurden aber darauf gespannt gemacht [3].
Thoby Dittrich, emeritierter Professor am Portland Community College, USA, berichtete über das Modern Eddington Experiment, wo Studenten mit relativ einfachen Mitteln die Positionen der Sterne um die Sonne vermessen haben, um die Raumkrümmung durch die Sonne abzuleiten. Dabei ging es vor allem auch darum, mit modernen CMOS-Kameras Sterne in der inneren Korona nachzuweisen und die Schwereablenkung ihrer Positionen zu messen. Die Daten von 14 Beobachtergruppen zur Sonnenfinsternis 2024 sind noch in der Auswertung und die geplanten Experimente und das Equipment für die nächsten Finsternisse wurden vorgestellt [4].
Im anschließenden Fotografie-Block ging es um eine neue quelloffene Ansteuersoftware SolarEclipseWorkbench für Digitalkameras [5], um die Probleme zur Ansteuerung von Sony-Kameras, die Methoden, wie man möglichst viele Details
aus Sonnenfinsternisaufnahmen herausarbeiten kann [6], und es gab einen Vortrag von Jörg Schoppmeyer aus Freiburg über die Fotografie von ringförmigen Sonnenfinsternissen ohne Objektivfilter, bei denen Protuberanzen sichtbar werden. In zwei weiteren Vorträgen von Ralph Chou und Rick Fienberg ging es um Sonnenfinsternisbrillen und die Augensicherheit während der 2024-Finsternis in den USA und in Kanada, während der pensionierte Kartograf Michael Zeiler über die Ästhetik und Aussagekraft von unterschiedlichen Landkartentypen für Sonnenfinsternisse berichtete [7].
Am Sonntag gab es zunächst einen Vortrag von Prof. Bernard Schölkopf vom MaxPlanck-Institut für Intelligente Systeme der Universität Tübingen über Anwendungen Künstlicher Intelligenz in der Astronomie, wobei er auch entsprechend bearbeitete Sonnenfinsternisbilder vorstellte. Thomas Hockey berichtete über seine Untersuchungen zur Sonnenfinsternis 1869 in den USA, worüber er auch ein Buch geschrieben hat [8].
Der nächste Vortragsblock war dann den zukünftigen Sonnenfinsternissen in Island/ Spanien und Australien gewidmet, dazu gehörten auch die langfristigen Wetterprognosen vom Finsternis-,,Wetterfrosch" Jay Anderson aus Kanada [9]. Als Abschluss dieses Blocks gab es eine Podiumsdiskussion mit den Vortragenden. Weitere Vorträge beschäftigten sich mit einem Stratosphärenballonflug zur Finsternis 2012 in Australien, Einflüssen von Sonnenfinsternissen auf die Dämmerung [10] und Auswirkungen auf die Physiologie und Psychologie des Menschen.
Professor Adalbert Ding von der Technischen Universität Berlin berichtete über
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Amateurastronomie in Europa
1 Das obligatorische Gruppenfoto der Teilnehmer an der SEC2025 in Leuven (Bild: Andreas Dill)
einen von ihm konstruierten hochauflösenden Spektrografen, mit dem er die Emissionslinien der Korona während der Totalität untersucht hat. Zur Sonnenfinsternis 2024 flog sein Spektrograf sogar mit einem Forschungsflugzeug der NASA in der Totalitätszone.
Insgesamt eine spannende Tagung, die viele Kontakte unter ,,Eclipsophilen" bot, und von der VVS hervorragend organisiert war. Das nächste Jahr ohne zentrale Sonnenfinsternis ist 2029, der Tagungsort steht aber noch nicht fest.
Literatur- und Internethinweise (Stand 25.08.2025):
[1] Besselian Elements Team: "Refining the Solar Radius - Your Guide to Solar
[1]
[2a]
Eclipses", www.besselianelements.com/eclipse-maps/
[2a] Lucid Vision Labs: "Triton 5,0 MP Polarisationskameras", https://thinklucid.com/de/ product/triton-5-0-mp-polarization-model-imx264mzrmyr/?srsltid=AfmBOorE1b
LiUsngORloI60zPgT2NNYNRe8Ox93qLthPHFoQqod4SmS5
[2b]
[3]
[2b] E. Wischnewski: "Polarisationskamera", www.bav-astro.eu/rb/rb2024-2/71.pdf [3] ESA, 2025: "Proba-3's first artificial solar eclipse", www.esa.int/Enabling_Support/
Space_Engineering_Technology/Proba-3/Proba-3_s_first_artificial_solar_eclipse
[4] W. A. Dittrich et al., 2024: "Modern Eddington Experiment 2024", Bulletin of the
[4]
[5]
American Astronomical Society 02.03.2024, https://baas.aas.org/pub/
2024i3n002/release/2
[5] S. Regibo, W. De Meester, 2025: "Solar Eclipse Workbench 1.1.1", https://github.
com/AstroWimSara/SolarEclipseWorkbench
[6]
[7]
[6] N. Lefaudeux: "HDR astrophotography", https://hdr-astrophotography.com/
[7] M. Zeiler, 2025: "Eclipse Atlas", www.eclipseatlas.com
[8] Thomas Hockey, 2023: "America's First Eclipse Chasers", Springer
[9] J. Anderson: "Eclipsophile - Climate and Weather for Celestial Events",
[9]
[10]
http://eclipsophile.com/
[10] M. Krukar: Astronomisch-Geografisches Informationssystem "Astro-Geo-GIS", https://astro-geo-gis.com/
Journal für Astronomie Nr. 96 | 29
Amateurastronomie in Europa
Der Verein ,,Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut" mit der Sternwarte Gahberg
von Erwin Filimon
Das Salzkammergut ist eine Region in Österreich, gelegen im ,,Dreiländereck" der österreichischen Bundesländer Salzburg, Oberösterreich und Steiermark. Das Gebiet erstreckt sich über 2.500 km2. Neben einem Teil der Alpen umfasst es auch das Seengebiet, weshalb es ein beliebtes Urlaubsziel ist. Im nördlichen Teil des Salzkammergutes liegt der erste österreichische Sternenpark ,,Naturpark Attersee-Traunsee", der 2021 zertifiziert wurde. Er umfasst die Region zwischen dem Attersee und dem Traunsee. Im Süden wird der Sternenpark vom Höllengebirge begrenzt (Abb. 1). Am östlichen Ufer des Attersees liegt der Gahberg, ein beliebter Ausflugsberg, der von Weyregg am Attersee über eine Asphaltstraße ganzjährig gut erreichbar ist und von dem aus man eine herrliche Rundum-Aussicht genießen kann (Abb. 2). Mit einer Seehöhe von 860 m entflieht man am Gahberg auch zumeist dem herbstlichen Bodennebel.
Auf dem Gahberg (Abb. 3) befindet sich die Sternwarte unseres Vereins ,,Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut", kurz AAS. Schon Mitte der 70er Jahre hatte sich eine lose Interessensgemeinschaft, die ,,Astronomische Arbeitsgruppe Gahberg", zusammengefunden, die jedoch keinen Verein bilden wollte. Da das Ziel der Errichtung einer astronomischen Beobachtungsstation auf dem Gahberg jedoch nur durch einen eingetragenen Verein möglich war, kam es im Oktober 1980 zur Vereinsgründung durch junge Mitglieder dieser Arbeitsgruppe.
Bei der Vereinsgründung umfasste der AAS 28 Mitglieder. Im Laufe von 45 Jahren ist er mit 800 Mitgliedern zu einem mitgliederstarken Verein angewachsen. Wenn es schon ein ,,Verein" sein muss, so sollte er anders sein als üblich, darüber war man sich bei der Vereinsgründung einig. Der Vereinsvorstand sollte nicht nur aus einer
kleinen Gruppe bestehen, sondern es sollten alle jene mit eingebunden werden, die für den Verein in irgendeiner Weise aktiv sind. Somit entscheiden jene für den Verein, die mitarbeiten, egal, wie viele Personen dies sind. In der Satzung wurde dies so festgelegt. Natürlich gibt es auch einen Vereinsobmann, einen Schriftführer, Kassier und Sachwart, aber es gibt auch eine variable Zahl an Beiräten mit vollem Stimmrecht. Der Vereinsvorstand 2025/2026 besteht aus 46 Personen. Somit ist eine sehr breite Meinungsvielfalt gegeben und die aktiven Mitglieder sind als Vorstandsmitglieder aufgewertet. Die Differenzen, die sich in anderen Vereinen zwischen einem kleinen Vorstand und den aktiven Mitgliedern auftun, gibt es dadurch nicht.
Die finanzielle Unabhängigkeit des Vereines ist besonders wichtig. Er verzichtet auf Förderungen und Subventionen und es gibt auch keine Abhängigkeit von
1 Panorama von der Sternwarte Gahberg in Richtung Süden zum Höllengebirge mit der Wintermilchstraße im Januar 2024.
Rechts ist noch Restlicht vom Sonnenuntergang - keine Lichtverschmutzung. Zwischen Höllengebirge und Sternwarte Gahberg liegt der Sternenpark ,,Naturpark Attersee-Traunsee". (Bild: Hannes Schachtner)
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2 Abendstimmung im Oktober 2024 auf dem Gahberg,
Blickrichtung Südwesten zum Schafberg. Der Attersee liegt unter einer Wolkenschicht. (Bild: Erwin Filimon)
3 Die Sternwarte Gahberg im Winter; ,,Drohnenblick" nach
Nordosten; hinten links der Böhmerwald. Das Alpenvorland in Richtung Vöcklabruck liegt unter einer dichten Wolkendecke. (Bild: Wolfgang Vogl)
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Amateurastronomie in Europa
4 See-Zeit-Kosmos ist unsere Veranstaltung besonders für Kinder, aber auch Erwachsene.
Mit transportablem Planetarium, Teleskopen zum Ausprobieren, Astronomieausstellung, Astronomieworkshop und Spaß und Spiel rund um die Astronomie. (Bild: AAS)
Sponsoren. Der AAS finanziert sich selbst. Durch den sehr niedrigen Mitgliedsbeitrag (Erwachsene jährlich 19 und Jugendliche ohne Einkommen 11 ) gibt es viele Vereinsbeitritte. Durch ,,Überzahlungen" kommen etwa 50% der Mitgliedsbeiträge an Spenden hinzu. Die Eintrittsgelder bei Sternwartenführungen (8 Erwachsene, 4 Jugendliche - Vereinsmitglieder und deren nahe Angehörige kostenlos) sind eine weitere wesentliche Einnahme. Durch das Vereinsprojekt ,,CCD-Guide" (siehe www.ccdguide.com - dem Verkauf von Software und Astrofotos von Vereinsmitgliedern) und Spenden aus einer (kostenlosen) Sterntaufe (https://sterntaufe. astronomie.at/) kommen weitere Einnahmen hinzu.
sierte will auch gleich Mitglied werden. Die Interessenten erhalten so wie die Mitglieder die Vereinsinformationen in Form von Mailings bei Himmelsereignissen, Eilnachrichten bei plötzlichen Erscheinungen - z. B.
Polarlichtern - und die jährlich mehrmals erscheinende Vereinszeitung ,,Astro-Info", die nicht nur digital (ca. 2.300), sondern auch in gedruckter Form (ca. 1.300 Stk.) ausgesandt wird. In einer Zeit der ,,ÜberDigitalisierung" finden gedruckte Informationen wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Jährlich gibt es bei diesen Interessenten eine recht erfolgreiche Mitgliederwerbeaktion. Die Hauptinteressen des Vereins liegen in der ,,praktischen" Astronomie, insbesondere in der Astrofotografie und in der Beobachtung.
1982 wurde vom Verein eine kleine bescheidene Beobachtungsstation auf dem Gahberg errichtet, eine einfache Montierung in einem Schutzkasten. Als 1986 eine Sternwartenkuppel samt Montierung mit einem großen Linsenteleskop (200 mm / 2.600 mm) aus einem Nachlass sehr günstig gekauft werden konnte, kam es zum
Wenn es außerordentliche Projekte zu finanzieren gibt, so erhält der Verein von Mitgliedern ,,Privatanteile" - d. h. engagierte Mitglieder zahlen ihren Mitgliedsbeitrag für einige Jahre im Voraus oder ,,leihen" dem Verein einen Betrag, der in den Folgejahren rückerstattet wird.
Wichtig ist die Einbindung von Interessenten. Nicht jeder an der Astronomie Interes-
5 Sonja Hufnagl in ihrem transportablen Planetarium unter der Andromedagalaxie.
(Bild: AAS)
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Amateurastronomie in Europa
6 Die Teilnehmer des Workshops 2025 (Bild: AAS)
Bau der Sternwarte Gahberg, die im Jahr 1988 eröffnet wurde. Vorrangiges Ziel war nicht die Volksbildung, sondern, dass die Vereinsmitglieder eine Basis haben, um auf dem Areal der Sternwarte ihre privaten Teleskope aufstellen und betreiben zu können. 2001 wurde das bis dahin gepachtete Sternwartengrundstück samt Parkplatz vom Verein gekauft. In weiterer Folge kam es zur Errichtung von drei weiteren Sternwartenkuppeln, drei Schiebedachhütten und acht Montierungskästen, von denen einige im Eigentum des Vereines, manche jedoch im Eigentum von sehr aktiven Mitgliedern sind. Mitglieder, die ihre Geräte auf der Sternwarte stationiert haben, müssen keine Miete, Strom- oder Internetkosten tragen, und ihre Geräte sind auch in die Sternwartenversicherung eingeschlossen. Die Gegenleistung dieser Mitglieder erfolgt durch sehr aktive Mitarbeit bei Führungen, Veranstaltungen und Arbeitseinsätzen für den Verein und auf der Sternwarte.
Sternwartenführungen werden auf der Sternwarte Gahberg sehr kurzfristig festgelegt. Wenn die Wettervorhersage passt, wird die Führung etwa 2 bis 3 Tage vorher den Mitgliedern und Interessenten und
den Newsletter-Empfängern (auch Touristen) via E-Mail mitgeteilt. Es gibt ein Reservierungssystem, da wir maximal 90 Personen zu einer Führung zulassen können. Bei Sternwartenführungen gibt es bei uns keinen Vortragenden, der durch alle Stationen führt. Wir haben verschiedene Stationen mit Leuten aus unserem Team besetzt und mehrere Teleskope aufgestellt. Unsere Besucher können sich frei zwischen den Stationen bewegen und so für jenes entscheiden, was sie besonders interessiert. Es gibt auch kein offizielles Ende, da die Führungen meist in unsere eigenen Beobachtungen und Himmelsfotografie übergehen. Besucher können gerne auch dabei mitmachen und länger bleiben.
Neben den Sternwartenführungen führen wir weitere Veranstaltungen durch: ,,SeeZeit-Kosmos", eine Ausstellung und zugleich Astronomieworkhop mit mobilem aufblasbarem Planetarium (Abb. 4 und 5). Diese Veranstaltung, die mehrmals jährlich an verschiedenen Orten stattfindet, auch in Kindergärten und Schulen, hat als Zielgruppe insbesondere Kinder, die mit großem Interesse am Sternenhimmel ihre Familien und Freunde ,,mitreißen".
Einmal jährlich gibt's auf der Sternwarte ein ,,Open-Air-Konzert" - ,,Moonwalk" mit galaktischen Klängen einer befreundeten Kulturgruppe, kombiniert mit einer Sternwartenführung. Im August begleiten wir nächtliche Sternschnuppenfahrten mit dem Atterseeschiff. Bei ,,Astronomie am Attersee" stehen wir mit unseren Teleskopen am Seeufer und machen ,,Street-Astronomie". Wir erhalten häufig Teleskopspenden. Diese dienen als Anfängerteleskope, die wir unseren jugendlichen Mitgliedern für ein Jahr als Leihteleskope kostenlos zur Verfügung stellen. In monatlichen Vereinstreffen, in einem jährlichen größeren Workshop in Weyregg, bei Mitgliederabenden mit eigenen Teleskopen und bei Mitgliederworkshops auf der Sternwarte Gahberg wird die Zusammenarbeit untereinander gefördert. Oft ergeben sich neue Projekte, die vom Verein und von anderen Mitgliedern mitgestaltet werden. In dem Zusammenhang ist es uns auch ganz wichtig, dass wir die Astronomie als Hobby sehen, das auch Spaß machen darf und soll. Es ist uns auch daran gelegen, dass unsere Mitglieder ihre Familien mit einbinden.
Seit 1994 gibt es jedes Jahr an einem Frühjahrswochenende einen Astronomieworkshop (Abb. 6). An dieser international besuchten Veranstaltung nehmen inzwischen
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Amateurastronomie in Europa
jedesmal rund 100 Personen teil. Neben einem abwechslungsreichen Vortragsprogramm sind auch Astronomiehändler mit ihren Verkaufs- und Informationsständen vor Ort. Ein PixInsight-Spezialworkshop findet am Folgetag statt. Da viele Mitglieder des Astronomischen Arbeitskreises aus ganz Österreich und etwa 40 Mitglieder aus
Deutschland kommen, war es uns wichtig, diesen Workshop abzuhalten, um einander einmal jährlich persönlich zu treffen. Diese persönlichen Kontakte legen häufig den Grundstein für jahrelange Freundschaften und Kooperationen (was die Redaktion gern bestätigt, P. R.).
Internethinweis (Stand 25.08.2025): [1] Astronomischer Arbeitskreis Salz
kammergut: www.astronomie.at
Der Steirische Astronomen Verein mit der Johannes-Kepler-Volkssternwarte Steinberg bei Graz
von Matthias Pfragner
Der Steirische Astronomen Verein (StAV, [1]) wurde im Jahr 1981 gegründet. Bald nach der Gründung wurde mit dem Bau einer Volkssternwarte in der Nähe von Graz begonnen. Die Sternwarte wurde auf dem Gelände des Anton-Afritsch-Kinderdorfs am Steinberg errichtet. Bereits im Mai 1983 konnte die Sternwarte feierlich eröffnet werden. Der ,,Bauherr" war der damalige
Leiter des Anton-Afritsch-Kinderdorfs, Herr Hofrat Prof. Dr. Karl Birzele. Die Planung übernahmen die Mitglieder des StAV unter der Leitung des damaligen Obmanns Ing. Fritz Sussmann.
Die Sternwarte liegt etwa 10 km westlich von Graz am Steinberg (Abb. 1) auf einer Seehöhe von 554 m. In der unmittelbaren Umgebung
befinden sich vorwiegend nur kleinere Ortschaften. So ergibt sich ein gut erreichbarer Standort, der trotz der Nähe zu Graz durchaus brauchbare Beobachtungsbedingungen bietet. Der Nachthimmel ist im Osten durch die Lichtkuppel von Graz deutlich aufgehellt. Der restliche Himmel ist selbst für visuelle Beobachtungen schon bis relativ nahe zum Horizont gut geeignet (Abb. 2).
1 Unsere Volkssternwarte am Steinberg bei Graz (Bild: StAV)
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Amateurastronomie in Europa
Das Hauptaugenmerk bei der Sternwarte liegt seit der Gründung in der visuellen Beobachtung. Die 5-m-Kuppel beherbergte seinerzeit ein 16-zölliges Newton-Teleskop. In den vergangenen Jahren wurden die Geräte immer wieder erweitert und modernisiert, so dass heute eine bemerkenswerte Ausstattung zur Verfügung steht. Als Hauptgerät ist seit dem Jahr 2012 ein 51-cm-Teleskop (Typ Ritchey-Chretien f/8,1) installiert (Abb. 3 und 4). Parallel dazu sind ein 16-cm-Apochromat (f/8) und ein 25-cm-Newton installiert. Der 25-cmNewton ist mit einer permanent montierten Astrokamera ausschließlich für die Fotografie vorbereitet. Optional können kleinere Teleskope dazu montiert werden. Neben Weitfeld-Teleskopen steht für die Sonnenbeobachtung im H-Bereich vor allem ein 10-cm-Lunt-Teleskop zur Verfügung.
Ergänzend dazu hat der StAV diverse mobile Setups für externe Beobachtungsabende oder Veranstaltungen. Hier sind unter
anderem ein 12-Zoll-Meade, ein 16-ZollDobson und kleinere Teleskope verfügbar.
Die Entwicklungen der vergangenen Jahre sind natürlich auch im StAV angekommen. Daher wird die visuelle Beobachtung gerne auch durch Aufnahmen mit Live-Stacking (mit der Astrokamera am 25-cm-Newton) begleitet. Die Instrumente sind selbstverständlich auch für die fotografische Nutzung gut geeignet und ausgestattet. So sind die Mitglieder des Vereins und alle Besucher in der Lage, sich an sämtlichen Bereichen der Amateurastronomie - von der Beobachtung des Mondes bis hin zu weit entfernten Galaxien - visuell und fotografisch zu erfreuen.
Dieser Aspekt wird besonders interessant, wenn wir als Volkssternwarte in unserem regelmäßigen Führungsbetrieb versuchen, das Wissen und die Faszination des Hobbys Astronomie an möglichst viele interessierte Besucherinnen und Besucher weiterzugeben. So ist es für viele Personen, die an ei-
nem Freitagabend zur Sternwarte kommen, das erste Mal, dass sie durch ein Teleskop blicken. Oft schon hat so ein Erlebnis die Begeisterung an der Astronomie geweckt, so dass sie erneut an einem Freitag oder auch an individuell vereinbarten Terminen zum Beobachten kommen.
Rund um solche Führungstermine und vor allem an Wochenenden wird die Sternwarte für die Mitglieder des StAV zur eigenverantwortlichen Nutzung freigehalten.
Neben den Aktivitäten in der Sternwarte ist der Verein auch immer wieder bei externen Beobachtungsveranstaltungen, z. B. in Zusammenarbeit mit steirischen Gemeinden, vertreten. So wird versucht, auch im entfernteren steirischen Umland die Faszination an der Astronomie an alle Interessierten zu übertragen.
Es besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundesrealgymnasium Kepler in Graz, in der es einen eigenen Astronomie-
2 Blick nach Westen auf den Kometen C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS), 14.10.2024. Der Schweif erstreckt sich
durch das Sternbild Schlange. (Bild: StAV)
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Amateurastronomie in Europa
3 Das Hauptinstrument, das 51-cm-Teleskop (Ritchey-Chretien), innen beleuchtet
bei geöffneter, gedrehter Kuppel (Bild: StAV)
kurs gibt. Auch wird von der Schule das Kepler-Teleskoptreffen (KTT) durchgeführt. Durch gemeinsame Aktivitäten und vor allem durch die aktive Beteiligung am Kepler-Teleskoptreffen mit Vorträgen und Workshops [2] kann gerade bei der Jugend ein idealer Nährboden für zukünftige (Amateur-) Astronomen geschaffen werden.
Das Interesse an der Astronomie ist in letzter Zeit merklich gestiegen. Das hat auch zu einem Zuwachs an Mitgliedern geführt. Für die derzeit fast 200 Mitglieder bietet der StAV eine Basis und Plattform, um Wissen und Informationen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam zu beobachten. Sehr wichtig ist der Grundsatz, dass es keine Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft gibt. Es ist Platz für den absoluten Neuling in der Astronomie bis hin zum professionellen Astronomen. Jeder kann, darf und soll Fragen stellen und seine Erlebnisse mitteilen. Den besten Platz dafür bieten die einmal im Monat stattfindenden Vereinstreffen. Häufig wird bei den Treffen ein Vortrag angeboten. Anschließend ist immer Zeit für Erfahrungsaustausch, Bildbesprechungen, Probleme lösen und natürlich für das Beobachten.
Astrofotografie. Gerne wird auch von einzelnen Mitgliedern alleine oder in kleinen Gruppen im Feld beobachtet und fotografiert. Die Erlebnisse und Ergebnisse der Beobachtungen werden im Anschluss über eine Chat-Gruppe geteilt und eifrig diskutiert. Damit ist es für alle Mitglieder möglich, sich regelmäßig auszutauschen und zu informieren, selbst wenn die Teilnahme an einem Treffen nicht möglich war. Auch ist die Chat-Gruppe ein wichtiges Medium, um Rat zu suchen, wenn z. B. das eigene Gerät einmal nicht wie geplant funktioniert.
Die Sternwarte ist von und für Amateurastronomen des Steirischen Astronomen Vereins gebaut und wird auch als solche betrieben. Es wird daher keine wissenschaftliche Arbeit durchgeführt. Selbstver-
ständlich gibt es bei so vielen Mitgliedern durchaus einzelne Spezialisten, die sich individuell technisch oder fotografisch an die Grenzen des Machbaren herantasten. Genau diese Spezialisten sind dann Inspiration und Wissensquelle für die anderen Mitglieder.
Internethinweise (Stand 26.08.2025): [1] Steirischer Astronomen Verein:
www.stav.at/ [2] Kepler-Teleskoptreffen:
www.oeaw.ac.at/iwf/aktuelles/layer/ event/kepler-teleskoptreffen-2025
[1]
[2]
Neben den Vereinstreffen werden auch Workshops für Vereinsmitglieder durchgeführt. Die Themen erstrecken sich vom Anfänger-Workshop, wie ein Teleskop zu bedienen ist, bis hin zur ambitionierten
4 Nahansicht auf die
Front des Hauptteleskops und weitere angebrachte, kleinere Teleskope (Bild: StAV)
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Amateurastronomie in Europa
Die Vega-Sternwarte Haus der Natur: Salzburgs Fenster ins Universum
von Julia Weratschnig und Helmut Windhager
Die Entwicklung der Astronomie in Salzburg und die Entstehung der Sternwarte In Salzburg gibt es seit etwas mehr als 100 Jahren ein Museum, das jeder Einheimische kennt und liebt - das Haus der Natur. Das Thema Astronomie wurde erstmals bei einer Museumserweiterung im Jahr 1981 in die Ausstellungen aufgenommen. Seit damals bildet die Weltraumhalle (,,Unser Universum") mit dem Diorama der Mondlandung und Informationen zu Planeten, Raumfahrt und Astrophysik eine der Attraktion des Museums.
Bereits seit 1955 existierte in Salzburg eine Ortsstelle der Vereinigung österreichischer Amateurastronomen. Die Eröffnung der Weltraumhalle brachte das Haus der Natur mit diesen Amateurastronomen in Kontakt. Auf Vorschlag ihres damaligen Verbandspräsidenten und späteren langjährigen Leiters der Arbeitsgruppe Gerhard Grau schloss sich die Gruppe im Jahr 1979 als nunmehr neu gegründete ,,Arbeitsgruppe für Astronomie" dem Haus der Natur an. Noch fehlte aber eine Sternwarte. Astronomische Beobachtungen oder Forschung waren mitten in der Stadt Salzburg, am Standort des Museums, nicht möglich. Deshalb wurde am Voggenberg, auf etwa 600 m Seehöhe und einige Kilometer nördlich der Stadt, ein Grundstück gepachtet. Dort errichtete die Arbeitsgemeinschaft eine Sternwarte mit Schiebedach in Holzbauweise. Im Juni 1988 wurde diese erste Salzburger Volkssternwarte in Anwesenheit zahlreicher prominenter Persönlichkeiten, Amateurastronomen und beruflicher Astronomen durch den LandeshauptmannStellvertreter Dr. Hans Katschthaler eröffnet. Sie sollte ein ,,weit geöffnetes Fenster zum Sternenhimmel" für Salzburg sein. Die Sternwarte besaß damals ein Schmidt-Cassegrain-Teleskop der Marke Celestron 8
und erfüllte die damals an sie gerichteten Ansprüche sehr gut. Mit mehr als 1.000 Besuchern pro Jahr war sie von Beginn an eine Attraktion. Die Aufrüstung auf ein Celestron 14 mit einer Alt-AD7-Montierung war die logische Folge dieses Erfolgs. Trotzdem wurde diese Sternwarte mit den Jahren zu klein, auch die Ausrüstung war nicht mehr zeitgemäß.
Ein astronomisches Ereignis kam uns hier zu Hilfe. Im Jahr 2015, zur partiellen Sonnenfinsternis, fanden sich mehr als 500 Besucher bei Kaiserwetter auf der Sternwarte ein. Auch vier Fernsehteams berichteten von dem Ereignis. Helmut Windhager, Leiter der Arbeitsgemeinschaft, nutzte die Gelegenheit und erklärte nicht nur die spannende Sonnenfinsternis, sondern machte auch Werbung für die Idee einer neuen Sternwarte. Zwei große Salzburger Tages-
Julia Weratschnig und Helmut Windhager
zeitungen griffen das Thema auf und veröffentlichten einen Sponsorenaufruf für den Bau einer neuen Sternwarte.
Dennoch hielt sich die Erwartung, dass sich tatsächlich jemand meldet, eher in Grenzen. Umso größer war die Überraschung über einen Anruf gleich am Morgen des Zeitungsberichtes: ,,Sie suchen Sponsoren - haben Sie Zeit für mich?" Der Anrufer, ein Salzburger Logistikunternehmer, besuchte in Folge die Sternwarte und erklärte
1 Helmut Windhager am 1-m-Teleskop (ASA) (Bild: Monika Windhager)
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Amateurastronomie in Europa
sich bereit, die Kosten für eine neue Sternwarte zu übernehmen. In Folge gelang es, in Abstimmung zwischen dem Museum, den Astronomen, einem Architekten, einem Baumeister und dem potenziellen Sponsor ein konkretes Projekt zum Bau einer Sternwarte zu entwerfen.
Das ursprüngliche geplante Budget reichte aber nicht mehr aus. Der Erstsponsor erhöhte die von ihm zugesagte Summe. Nach einer Projektvorstellung durch den damaligen Direktor des Museums, Norbert Winding, gelang es, auch Stadt und Land Salzburg sowie weitere private Sponsoren für das Projekt zu gewinnen. Die Finanzierung war gesichert!
Den geeigneten Baugrund, in der Gemeinde Nußdorf, 15 km nördlich von Salzburg auf etwa 800 m Seehöhe am Haunsberg, hatten wir in einem aufwändigen Auswahl-
2 Die beiden Kuppeln der VEGA-Sternwarte Haus der Natur (Bild: Helmut Windhager)
verfahren bereits gefunden. Schon lange vor Baubeginn wurde Kontakt mit der Firma Baader Planetarium aufgenommen, und die Entscheidung fiel auf eine 6,5-mKuppel (All-Sky) und eine 6-m-Spaltkuppel für die Sternwarte.
Die Herzstücke jeder Sternwarte sind ihre Teleskope. Als Österreicher entschieden wir uns für eine Instrumentierung von ASA (Astrosysteme Austria), deren Standort quasi ,,ums Eck" liegt. Auch diese Firma
unterstützte das Vorhaben großzügig. Im Gegenzug kann ASA auf unserer Sternwarte ihre Teleskope Kunden aus aller Welt präsentieren. Die All-Sky-Kuppel wurde mit einem 1-m-Teleskop (Typ Ritchey-Chretien, RC) mit 7.000 mm Brennweite und die Spaltkuppel mit einem 60-cm-RC-Teleskop mit 4.000 mm Brennweite bestückt.
Am 11. August 2018 war es dann soweit: Mit einer großen Feier, 3.000 Gästen und enormer medialer Präsenz wurde die ,,VE-
3 Offene Kuppeln, vorne das 1-m-Teleskop von ASA (Bild: Helmut Windhager)
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Amateurastronomie in Europa
GA-Sternwarte Haus der Natur" als neue Außenstelle des Museums vom Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer feierlich eröffnet. In seiner Rede würdigte er die ,,Demokratisierung des Sternenhimmels", die der Besucherbetrieb auf der Sternwarte ermöglicht.
Führungsbetrieb und Veranstaltungen Wir starteten den Betrieb der Sternwarte mit öffentlichen Führungen, ohne verpflichtende Anmeldung und gratis für jeden Besucher. Doch da hatten wir das öffentliche Interesse völlig unterschätzt. An jedem Führungstag stürmten bis zu 400 Besucher die Sternwarte - das gab keinen Sinn, auch wenn alle Gäste, die oft nicht einmal durch das Teleskop schauen konnten, begeistert waren. Um die Besucherströme bei öffentlichen Führungen zu kanalisieren, starteten wir ein Online-Buchungssystem und begrenzten die Besucherzahl auf 55 zahlende Gäste. Neben den öffentlichen Führungen gibt es Sonderführungen für geschlossene Gruppen, wie Firmen, Institute und Schulen.
Aufgrund der Professionalisierung der Sternwarte und der zunehmenden Dichte der Veranstaltungen war es unumgänglich, eine hauptberufliche Astronomin mit ins Boot zu holen. Dr. Julia Weratschnig und Helmut Windhager kümmern sich seitdem als Doppelspitze um die Belange der Sternwarte.
Der Führungsbetrieb wird von der Arbeitsgemeinschaft Astronomie geleistet. Die derzeit 32 Personen, in fünf Gruppen organisiert, begeistern unsere Gäste mit ihrem enormen Wissen wöchentlich aufs Neue. Diese ehrenamtliche Arbeit leistet einen enormen Beitrag zum Betrieb der Sternwarte, die Eintrittsgebühren helfen mit, die Betriebskosten zu decken. Die Arbeitsgemeinschaft füllt die Sternwarte mit Leben,
4 Drohnenaufnahme der Sternwarte (Bild: Haus der Natur)
5 Die VEGA-Sternwarte Haus der Natur (Bild: Helmut Windhager)
die technische Ausrüstung der Sternwarte kann von allen Mitgliedern genutzt werden. Eine Führung beginnt meist in unserem großen Vortragssaal. Dieser bietet bis zu 174 Sitzplätze. Eine IMAX-Leinwand mit 9 m Diagonale und 4K-Beamer sowie Dolby Digital Sound lassen hier keine Wünsche offen. Es stehen zwei Funkmikrofone für die Vortragenden zur Verfügung.
Nach einer Begrüßung der Besucher folgt ein kurzer Bildervortrag über die Entstehung der Sternwarte und eine Grundeinführung in essenzielle Themen der Astronomie. Anschließend geht's hinauf zum Sterneschauen. Parallel werden auf unserer großen Terrasse die Sternbilder erklärt. Den Abschluss bildet die Fotoshow ,,Himmelsbilder", die schönsten Aufnahmen, die uns auf der Sternwarte gelungen sind.
Jeden letzten Freitag im Monat findet unser Astroabend statt. Externe Vortragende und unsere eigenen Fachleute halten wissenschaftliche, meist astronomische Vorträge vor bis zu 100 Besuchern.
Für Schulen und Jugendgruppen bieten wir Workshops und Führungen an, die ganz speziell auf diese Altersgruppen zugeschnitten sind. Für die meisten Kinder ist ein Besuch auf der Sternwarte der erste Kontakt zu professioneller Astronomie. Dabei stehen das Erleben und die Faszination für Wissenschaft im Vordergrund. Wir arbeiten viel mit Modellen und versuchen, Themen wie Maßstäbe und Größenordnungen erlebbar zu machen.
Immer wieder bieten wir auch zu speziellen Ereignissen besondere Programme an, oft
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Amateurastronomie in Europa 40 | Journal für Astronomie Nr. 96
Amateurastronomie in Europa
6 IC 2574 mit vielen markanten HII-
Regionen ist Mitglied der M81/M82-Galaxiengruppe; Remote-Aufnahme vom 18. bis 20.03.2025 am ASA-RC600 der VEGASternwarte Haus der Natur Salzburg; 0,63-facher 4-Zoll-Reducer von ASA (Brennweite 2.800 mm), Kamera war eine QHY 600M Pro, Belichtung: 79 x 3 min Luminanz, je 40 x 3 min RGB, 18 x 10 min H, alles ungebinnt, insgesamt 12,5 h. Norden ist rechts. (Bild: Rochus Hess und Bernd Wallner)
auch in Zusammenarbeit mit Organisationen aus der Astronomischen Bildungsvermittlung. Ein Highlight hier war sicherlich ein ,,In Flight Call" - ein Anruf zu einem Astronauten auf der Internationalen Raumstation. In den Ferien gibt es zusätzliche Angebote für Kinder und Jugendliche wie Sonnenbeobachtungen oder extra Sternführungen.
Besonders interessierte Jugendliche treffen sich einmal im Monat in der Jugendgruppe Albedo auf der Sternwarte. In dieser Gruppe besprechen wir verschiedene astronomische Themen und versuchen bei Schönwetter auch, einen Blick in die Sterne zu erhaschen. Die Jugendgruppe richtet sich vor allem an Jugendliche ab 12 Jahren.
Wir orientieren uns auch am astronomischen Kalender oder Jubiläen von Raumfahrtereignissen, arbeiten aber auch zusammen mit externen Vortragenden oder Festivals, um spezielle Events auszurichten. Jedes Jahr findet zum Beispiel am 12. April - dem Jahrestag des ersten Menschen im All - eine ,,World Space Party" statt. Weltweit nehmen viele Organisationen wie Sternwarten, Planetarien, aber auch Museen und Forschungseinrichtungen teil. Ziel des Tages ist, die Begeisterung für Raumfahrt und Astronomie mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. Schon mehrere Jahre in Folge organisierten wir einen besonderen Tag rund
um dieses Ereignis. Im Zentrum standen dabei spannende Vorträge, Beobachtungen und Workshops für Kinder. Ebenso bot die Sternwarte bereits die perfekte Bühne für das Festival ,,Science Meets Fiction" im Jahr 2023. Bei einer Kooperation mit dem Ensemble für Neue Musik bot sich den Besuchern ein neuer Zugang zur Astronomie. So können wir unser Publikum seit Jahren begeistern und auf immer neue Art für die Astronomie gewinnen.
Astronomische Arbeit Neben der Öffentlichkeitsarbeit steht die Sternwarte aber auch vor allem für wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung. Dank der professionellen Ausrüstung und dem Knowhow der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind hier schon etliche Erfolge vorzuweisen. Besonders unsere hochaktive Astrofotografie-Gruppe hat sich bereits international etabliert. Mehrere weltweite Erstaufnahmen sind ihnen schon gelungen. Eine andere Gruppe hat sich auf die Spektroskopie spezialisiert. In Kooperation mit der Firma Baader kommen hochqualitative Spektrografen zum Einsatz. So konnte zum Beispiel beim Verdunkelungsevent von Beteigeuze auch mit spektroskopischen Daten aus unserer Sternwarte gezeigt werden, dass dieses wahrscheinlich von einer Staubwolke ausgelöst wurde, die vom Stern ausgesandt worden war und sich in der Sichtlinie Erde-Beteigeuze befand.
Auch Exoplaneten sind wir auf der Spur: Aufbauend auf Vorhersagen von Partnern beobachten wir gezielt Sterne, bei denen ein Exoplanet vermutet wird. Lichtkurven zeigten bei einigen Kandidaten tatsächlich zum vorhergesagten Zeitpunkt eine Verdunkelung - der Nachweis für einen möglichen Exoplaneten.
Darüber hinaus werden Asteroiden und Meteoroiden beobachtet. Dabei fungiert die Sternwarte als offizieller Partner für
das Minor Planet Center. Unsere Beobachtungsdaten werden zusammen mit Daten anderer Messstationen verwendet, um die Ephemeriden von Kleinplaneten zu berechnen. Ganz aktuell gelang dies zum Beispiel mit dem interstellaren Objekt C/2025 N1 (3I/ATLAS), das wir nur wenige Tage nach seiner Entdeckung filmen konnten. Zwei All-Sky-Kameras filmen den Himmel ständig. Sie registrieren Sternschnuppen und speichern diese Ereignisse. Die Sternwarte beteiligt sich aktiv im ,,AllSky7 Fireball Network Europe" (https://allsky7. net/). Hier werden europaweit helle Sternschnuppen genau untersucht: nicht nur ihre Herkunft, sondern auch mögliche Einschlagsorte werden berechnet.
Für die Sonnenbeobachtung stehen mehrere Sonnenteleskope, sowohl im Weißlicht- als auch im H-Bereich, zur Verfügung. Die Fachgruppen um diese einzelnen Spezialgebiete lassen unsere Sternwarte zu einem Astronomie-Kompetenz-Zentrum werden. Sie bietet sich auch für Tagungen und wissenschaftliche Veranstaltungen an. So durften wir unter anderem schon Kleinplaneten- und Spektroskopie-Tagungen, Konferenzen der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik (ÖGAA) und weiterer Forschungsinstitutionen auf dem Haunsberg ausrichten.
Vorschau in die Zukunft Wir werden unsere jetzt schon großartige Ausrüstung weiterentwickeln, vermehrt an wissenschaftlichen Projekten mitwirken und unsere technische Infrastruktur weiterhin als Gastgeber für wissenschaftliche Tagungen anbieten. Personelle Sorgen haben wir Gott sei Dank nicht und unseren Nachwuchs begeistern wir gerne für unser großartiges Hobby!
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Amateurastronomie in Europa
Die Tschechische Astronomische Gesellschaft
von Petr Sobotka
Am 8. Dezember 1917 wurde die Tschechische Astronomische Gesellschaft (CAS) im Hörsaal von Prof. Frantisek Nusl an der Tschechischen Technischen Universität in Prag gegründet. Hinter dieser kurzen Ankündigung stehen mehrere Jahre harter Arbeit unserer Vorgänger, die die Gründung der tschechischen Gesellschaft gegen den Widerstand der damaligen kaiserlich-königlichen Behörden vorangetrieben hatten. Eine Handvoll Enthusiasten setzte sich das Ziel, in Prag eine Volkssternwarte zu errichten. Ab 1920 gab die Gesellschaft die Zeitschrift ,,íse hvzd" (Reich der Sterne) heraus, die über die Fortschritte der Astronomie nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern in der ganzen Welt informierte. Nach und nach wurden Zweigstellen der damals bereits bestehenden Tschechischen Astronomischen Gesellschaft insbesondere in den größeren Städten Böhmens, Mährens, Schlesiens, der Slowakei und sogar in Karpatenrussland gegründet.
schen Astronomischen Gesellschaft. Auch die technischen Möglichkeiten für die berufliche Arbeit der CAS-Mitglieder haben sich verbessert.
Struktur der Gesellschaft Der Sitz der Gesellschaft ist das Astronomische Institut der CAS in Ondejov; sie wird von einem Präsidenten und einem Exekutivkomitee geleitet, die vom alle 4 Jahre stattfindenden Kongress gewählt werden. Der Präsident darf höchstens 2 aufeinander folgende Amtszeiten absolvieren. Die Gesellschaft ist in 10 regionale Zweige, 8 Sektionen und 6 spezielle Gruppen unterteilt. Diese Zweigstellen der CAS haben ihre ei-
gene Leitung, und der Hauptsitz unterstützt sie mit Verwaltungsdiensten oder Öffentlichkeitsarbeit. Die CAS hat außerdem 27 Kollektivmitglieder.
Öffentlichkeitsarbeit Die Gesellschaft veröffentlicht Pressemitteilungen, eine gedruckte Zeitschrift und betreibt eine Webseite.
Pressemitteilungen: Die CAS gibt seit Mai 1998 Pressemitteilungen und Presseerklärungen zu aktuellen astronomischen und astronomisch relevanten Ereignissen heraus. Beginnend mit der Pressemitteilung Nr. 67 vom 23. Oktober
Die Gesellschaft förderte die professionelle Beobachtung der Sonne, von Meteoren, veränderlichen Sternen und in anderen Bereichen der sich entwickelnden Astronomie, regte den Bau einer Reihe von Volkssternwarten an, und ihre Mitglieder machten die Astronomie in Vorträgen, Zeitungen und Zeitschriften, Büchern und im Rundfunk bekannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs das öffentliche Interesse an der Astronomie und dann auch an der Kosmonautik, so dass es heute in der Tschechischen Republik eine große Anzahl von kleineren Sternwarten gibt, von denen viele durch die engagierten Bemühungen der CAS-Mitglieder errichtet wurden. Nach der Samtenen Revolution (politische Wende am und nach dem 17.11.1989) wurden die internationalen Kontakte der CAS wiederhergestellt und sie wurde ein Kollektivmitglied der Europäi-
1 In der Nacht vom 12. auf den 13. September 1923 fotografierte der achtundzwanzigjähri-
ge Josef Klepeshta mit dem 20-cm-Astrografen der Sternwarte Ondejov die Galaxie M 31 im Sternbild Andromeda. Während der Belichtung flog ein Bolide durch das Gesichtsfeld und hinterließ eine deutliche Spur, und so entstand seine berühmte Aufnahme.
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Amateurastronomie in Europa
2004 werden einige Pressemitteilungen gemeinsam mit dem Institut für Astronomie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben. Die CAS hat über 300 Pressemitteilungen sowie Presseerklärungen herausgegeben.
Kosmicke rozhledy: Die Fachzeitschrift ,,Kosmicke rozhledy" (Kosmische Ansichten) ist eine interne Mitgliederzeitschrift der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft. Ihr Charakter hat sich natürlich im Laufe der Jahre je nach den Erfordernissen der Zeit verändert. Die erste Ausgabe wurde 1963 auf Initiative von Miloslav Plavec veröffentlicht. Der Name des Bulletins wurde von Jií Grygar erfunden. Heute erscheint Kosmicke rozhledy viermal im Jahr als separate, unverkäufliche Beilage der Zeitschrift Astropis. Sowohl Kosmicke rozhledy als auch Astropis sind für CAS-Mitglieder kostenlos. In seiner jetzigen Form informiert Kosmicke rozhledy die CAS-Mitglieder über Entwicklungen in der Gesellschaft, bevorstehende Veranstaltungen und Ereignisse und fasst die interessantesten und bemerkenswertesten Ereignisse in der Astronomie und Kosmonautik des vergangenen Zeitraums zusammen. CAS-Mitglieder können freiwillig einen Beitrag zu Kosmicke rozhledy leisten.
Die Webseite ,,Astro.cz" ist der wichtigste astronomische Informationskanal für die Öffentlichkeit und die Medien. Sie ist seit dem 15. Mai 1995 im Betrieb. Neben der Popularisierung dient sie auch als Informationsquelle für die Kollektivmitglieder, Zweigstellen und angeschlossenen Organisationen der CAS. Sie dient als Wegweiser zu all diesen CAS-Gruppen, die über eigene Websites verfügen, zeigt die interne Struktur der CAS in übersichtlicher Form und enthält auch alle Dokumente im Zusammenhang mit den Aktivitäten der CAS. Sie beinhaltet auch das Astronomie-Diskus-
sionsforum www.astro-forum.cz und die Website der Astronomen www.astronom. cz. Seit 2012 können alle Leser von Astro. cz auch astronomische Fotos für die öffentliche Fotogalerie einreichen.
Andere Hauptaktivitäten Die Astronomieolympiade ist derzeit eine der wichtigsten Aktivitäten der CAS, die sie zusammen mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport als Wettbewerb der Kategorie A ausschreibt. Die 23. Ausgabe fand im Jahr 2025 statt. Die Astronomieolympiade ist ein Fachwettbewerb in Astronomie und verwandten Bereichen für Grund- und Sekundarschüler. Ziel der Olympiade ist es, begabte Schülerinnen und Schüler zu erkennen und ihre fachliche Entwicklung systematisch zu unterstützen und zu fördern. Die Astronomieolympiade findet in drei grundlegenden Runden statt: Schul-, Regionalrunde und Gesamtlandesfinale. Die erfolgreichen Gewinner des Finales können für ein professionelles Trainingslager ausgewählt und anschließend nominiert werden, um die Tschechische Republik bei einem internationalen Astronomiewettbewerb zu vertreten.
Der weltweit wichtigste Wettbewerb ist die Internationale Astronomie- und Astrophysik-Olympiade, die die anspruchsvollste Erweiterung der nationalen Wettbewerbe für ältere Mittelschüler ist. Sie wurde 2007 in Thailand ins Leben gerufen, und die Tschechische Republik nimmt seit 2010 da-
ran teil. Damals war unser Teilnehmer Stanislav Fot sofort erfolgreich und gewann die Goldmedaille und ein Jahr später den Gesamtsieg.
,,Tschechische Astrofotografie des Monats" ist ein Fotowettbewerb, der von der Slowakischen Astronomenvereinigung unterstützt wird. Fotografen aus der Tschechischen Republik und der Slowakei schicken ihre Fotos zum Wettbewerb ein, die im darauffolgenden Monat von einer Fachjury bewertet werden. Der Initiator des Wettbewerbs und derzeitige Vorsitzende der Jury (2024) ist Zdenk Bardon. Die Tschechische Astrofotografie des Monats wurde im Dezember 2005 ins Leben gerufen. Der Wettbewerb ist nicht nur auf professionelle Fotos ausgerichtet: Es gibt auch relativ einfache Bilder mit einer emotionalen Aufladung. Er ist nicht nur auf die Astronomie spezialisiert, sondern es können auch Bilder von optischen Phänomenen in der Atmosphäre - den so genannten Halophänomenen - eingereicht werden.
Der Wettbewerb trägt auch zur Popularisierung der Astronomie bei: Die Siegerbilder werden von großen Medien wie CTK (Tschechische Pressestelle), der Presseabteilung der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und populären Zeitschriften wie Astropis, Vesmír oder Slovak Kozmos aufgegriffen.
Fakten
Gründungsjahr: Mitglieder (2024): Präsident:
Sitz: E-Mail:
1917 764 RNDr. Soa Ehlerova, PhD. (Astronomisches Institut der CAS, Czech Astronomical Society) Ondejov cas@astro.cz
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Amateurastronomie in Europa
Preisverleihung: die CAS vergibt 5 Preise Der ,,Nusl-Preis" ist die höchste Auszeichnung, die die CAS an Forscher vergibt, die durch ihr Lebenswerk einen besonderen Beitrag zum Fortschritt der Astronomie geleistet haben. Er ist nach dem langjährigen Vorsitzenden der CAS, Prof. Frantisek Nusl (1867-1951), benannt. 1999 hat die Tschechische Astronomische Gesellschaft den Preis nach einer 50-jährigen Pause wieder eingeführt.
Die ,,Kopalova pednaska" (Kopal-Vorlesung) wurde von der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Sie wird an tschechische Astronomen für bedeutende wissenschaftliche Ergebnisse verliehen, die in den letzten Jahren erzielt und in der internationalen Fachpresse veröffentlicht wurden. Das Wort ,,Vorlesung" im Titel bezieht sich auf den feierlichen Vortrag, den der Preisträger bei der Verleihung des Preises halten wird. Dieser Vortrag ist öffentlich und findet oft in einem Planetarium oder einem anderen prominenten Ort statt.
Der ,,Zdenk-Kvíz-Preis" wurde 1994 vom Exekutivausschuss der Tschechischen
Astronomischen Gesellschaft gestiftet. Er wird an Astronomen für herausragende Arbeiten auf den Gebieten der interplanetaren Materie, der veränderlichen Sterne, der Popularisierung und der Lehre der Astronomie verliehen, auf denen Dr. Zdenk Kvíz tätig war. Der Preis wird alle zwei Jahre am Geburtstag von Dr. Zdenk Kvíz, d. h. am 4. März, verliehen. Er wurde 1996 zum ersten Mal verliehen.
Mit dem Preis ,,Littera Astronomica" der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft soll eine Persönlichkeit geehrt werden, die durch ihr literarisches Werk einen wesentlichen Beitrag zur Popularisierung der Astronomie in der Tschechischen Republik geleistet hat. Die Littera Astronomica wurde erstmals im Jahr 2002 verliehen. Der Preis wird seit Langem von der Buchhandlung Kanzelsberger und der Gesellschaft Astropis subventioniert.
Der ,,Jindich-Zeman-Preis" für Astrofotografie wird jedes Jahr an den Autor des schönsten oder interessantesten Fotos verliehen. Der Gewinner wird von der Jury der ,,Tschechischen Astrofotografie des Monats" ausgewählt. Der Preis wurde 2012 zum ersten Mal verliehen und folgt auf den
Titel ,,Astrofotograf des Jahres", der seit 2006 vergeben wird. Seit 2018 wird auch der ,,Jindich-Zeman-Junior-Preis" verliehen.
Organisation von Veranstaltungen Seit 2005 koordiniert die CAS den astronomischen Teil der Europäischen Nacht der Wissenschaften. Diese Großveranstaltung wird jedes Jahr von mehr und mehr Menschen besucht, die Zahl der Besucher nähert sich der 100.000. Die CAS beteiligt sich an der jährlich stattfindenden, gut besuchten Herbstbuchmesse in Havlíckv Brod, wo sie vor dem Gebäude einen Stand mit astronomischer Literatur und Teleskopen zur Sonnenbeobachtung hat. Zweimal im Jahr organisiert die CAS eine Veranstaltung zum Thema ,,Star Size Limit", bei der Besitzer von astronomischen Teleskopen technische Fragen klären und gemeinsam das Universum beobachten können. In der Regel gibt es 100 Veranstaltungen pro Jahr.
Internethinweis (Stand: 26.08.2025): [1] Tschechische Astronomische
Gesellschaft: www.astro.cz
Impression
Sonne am 31.8.25
Patricio Calderari nahm am 31. August 2025 um 16:33 Uhr Ortszeit in Moreira/Spanien dieses detailreiche Sonnenbild mit markanten Fleckengruppen auf. Kamera: Nikon D850, Pentax-Objektiv 75 mm/500 mm, Fluorit-Flatfield-Konverter von Baader als 4x-Barlow-Optik. Bei ISO 400 wurde 1/1600 s belichtet.
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Amateurteleskope/Selbstbau
Meine 3D-gedruckte Mini-Sternwarte
von Engelbert Vollmer
Geschafft! Nach vier Monaten intensiver Konstruktion, 3D-Druck, Aufbau und Einrichtung ist meine zweite, 3D-gedruckte und selbstgebaute Mini-Sternwarte endlich fertig (Abb. 1).
Mit 80 cm Durchmesser ist sie fast doppelt so hoch wie meine erste, 2022 gebaute Mini-Sternwarte [1]. Dort konnte ich nur ein Objektiv mit maximaler Länge von etwa 110 mm unterbringen. Und auch die Steuerung mit einem ZWO ASIAIR Pro war für längere, unbeaufsichtigte Aufnahmesessionen nicht wirklich gut. Vor allem fehlen der ASIAIR-Software nützliche Funktionen für Eingriffe oder Korrekturen bei unerwarteten Störungen, wie z. B. während der Nachführung bei vorübergehendem Sternverlust
durch Wolken. Und der Autofokus war leider nicht immer wirklich gut genug.
Umbauen oder erweitern wollte ich die kleine Sternwarte nicht mehr, lieber über den Winter eine neue, größere Sternwarte bauen. Nachdem ich noch einmal verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten hin und her bewertet hatte, habe ich mich wieder für eine Sternwarte vom Typ ,,Clamshell" entschieden, eine Kuppel mit zwei beweglichen Halbschalen. Diese Kuppel musste einfach so groß wie möglich sein. Pragmatisch wird sie durch einen vertretbaren Aufwand beim 3D-Drucken bestimmt, vor allem durch die Größe des Druckbetts und der Druckgeschwindigkeit des 3D-Druckers. Ich hatte spaßeshalber einmal die reine Druckzeit
für meinen ersten 3D-Drucker, einen Prusa MINI, abgeschätzt: 150 Tage lang würde er durchgehend drucken. Natürlich undenkbar, viel zu lange! Aber der 3D-Drucker K1 Max von Creality würde mit einem HyperFilament und seiner Druckfläche von 30 cm x 30 cm nur etwa 15 Tage reine Druckzeit brauchen. Und schließlich, die Sternwarte sollte nun unter Windows mit der so vielseitigen Open Source Software N.I.N.A. betrieben werden.
Bau der Kuppel Gedacht, getan. Mit Basic-Kenntnissen in Autodesk Fusion [2] (für Privatanwender kostenfrei) war die Kuppel in Originalgröße schnell entworfen. Dies waren im Wesentlichen sechs Teile: ein Bodenring, ein
1 Die Mini-Sternwarte ist auf Betonsteinen montiert und
steht auf dem Garagendach. (Bild: E. Vollmer)
2 Die Kuppel ist zum 3D-Drucken in 52 Segmente geteilt. Jede Halbschale
besteht aus zwei übereinanderliegenden Schalen, deren Segmente sich an den Nahtstellen überlappen. Die innere Halbschale ist hier zur Visualisierung blau dargestellt. (Bild: E. Vollmer)
Journal für Astronomie Nr. 96 | 45
Amateurteleskope/Selbstbau
3 Eines der größeren Segmente wird
gedruckt. Die typische Druckzeit eines solchen Teils beträgt 8 Stunden. (Bild: E. Vollmer)
Zwischenring und vier Halbschalen zum Öffnen und Schließen der Kuppel (Abb. 2). Dazu kamen diverse kleinere Teile wie Halterungen für die Motoren und Umlenkrollen, Achsen, Kabelkanäle und Abdeckungen.
Aber warum vier Halbschalen, wo doch zwei genügt hätten? Die großen Kuppelteile kann ich nicht in einem Stück drucken, deshalb musste ich Boden-, Zwischenring und Halbschalen in druckgerechte Segmente teilen (Abb. 2). Um trotz Segmentierung eine aus-
reichende Stabilität zu haben, gibt es je Seite zwei übereinanderliegende Halbschalen, die an verschiedenen Stellen geteilt sind. So konnte ich sie überlappend verkleben und an ihren Nahtstellen gut verschrauben.
Der Bodenring ist allerdings nicht gleichmäßig rund. Er ist an der Südseite etwas schmaler, leicht nach innen gewölbt. Damit kann sich die entsprechende Halbschale etwas weiter senken als die andere, und der Horizont für das Teleskop liegt so auf dieser Seite etwa 10 Grad tiefer. Ob es bei mir notwen-
dig war? Bei dem gewählten Standort wohl eher doch nicht. Schließlich bestimmen die umgebenden Bäume und Büsche bei mir die Höhe des nutzbaren Horizonts. Er liegt bis auf wenige Ausnahmen bei etwa 30 Grad .
Vier Wochen nach Druckbeginn waren alle wesentlichen Kuppelteile gedruckt und 12 kg Hyper-PETG-Kunststoff verbraucht (Abb. 3). Die entsprechenden Teile wurden schließlich zusammengesteckt, verklebt oder verschraubt (Abb. 4). Beim Drucken hatten sich allerdings einige Teile ganz leicht verzogen, so dass bei deren Zusammensetzen eine Handvoll kleinerer, bis zu 1 mm breiter Spalten blieben. Mit 2k-PE-Füllspachtel waren sie schnell verschlossen. Ein Streifen Aluminiumblech,
4 Bei der Montage sind deutlich die Überlappungen der Segmente
zu sehen.
5 12V-Motoren bewegen die Halbschale mit einem dünnen Draht-
seil, das über eine Umlenkrolle über die Außenwand der Kuppel läuft und am unteren Ende mit der Halbschale verschraubt ist. (Beide Bilder: E. Vollmer)
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Amateurteleskope/Selbstbau
innen, rund um den Bodenring, sorgt für zusätzliche Stabilität. Und letztendlich, als besseren Schutz vor der UV-Strahlung und dem Wetter, habe ich die komplette Kuppel mit weißem Acryllack gestrichen und sie dann auf eine wasserfeste Siebdruckplatte geschraubt.
6 Die Tauheizung
steuert abhängig von Temperatur und Taupunkt die beiden USBHeizbänder am Teleskop und GuidingFernrohr. (Bild: E. Vollmer)
Eigentlich sollte die Sternwarte wasserdicht sein. Die geschlossenen Halbschalen überlappen sich um etwa 5 cm, und die Schrauben in den Schalen sind so gut wie möglich mit Silikon abgedichtet. Trotzdem decke ich die Sternwarte bei längeren Schlechtwetterphasen mit einer speziell entworfenen runden Abdeckhaube aus LKW-Plane ab. Und zu meiner Beruhigung gibt es eine Alarmanlage. Sie sichert die Sternwarte gegen unbefugten Zugang oder Diebstahl.
Motorisierung Kleine 12V-Gleichstrommotoren sollen mit einem Drahtseil die Kuppel öffnen und schließen. Meine Wahl fiel zunächst auf die optisch sehr ansprechenden Seilwindenmotoren für Modellautos im Maßstab 1:10. Diese Motoren können durchaus jede der 4 kg schweren Halbschalen heben. Nur sind sie leider nicht selbsthemmend, d. h. durch das Gewicht der Halbschalen drehen sich die ausgeschalteten Motoren rückwärts, und die Kuppel öffnet sich selbstständig. So habe ich sie durch kleine Motoren mit Schneckengetriebe ersetzt, die vom Design her selbsthemmend sind (Abb. 5). Ein 0,5 mm dünnes Drahtseil ist auf der Trommel am Motor aufgerollt und läuft über eine Umlenkrolle über die Außenseite des Zwischen- und Bodenrings zum unteren Ende der Halbschale. Dort ist es mit ihr verschraubt, so dass der Motor die Halbschale hochzieht, um die Kuppel zu schließen. Es ächzt dabei zwar ein bisschen, aber die Motoren erfüllen ihre Aufgabe doch recht gut.
7 Die Sternwarte ist nach etwa vier Monaten Bauzeit einsatzbereit. (Bild: E. Vollmer)
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Amateurteleskope/Selbstbau
8 Position und Verdrahtung der Komponenten sind optimiert. (Bild: E. Vollmer)
Ein ATmega-Uno-Mikroprozessor steuert mit einem L298N-Modul die beiden Motoren, ausgelöst via Taste an der Kuppel oder via ASCOM-Schnittstelle vom PC. Beide Motoren lassen sich unabhängig voneinander und in beide Richtungen drehen. Zur ASCOM-Steuerung aus N.I.N.A. nutze ich den RRCI-ASCOM-Dome-Treiber [3] mit einem für mein Clamshell-Design angepassten Arduino-Sketch. Den RCCITreiber habe ich leider nur auf einem ATmega Uno ans Laufen gebracht, mit meinen anderen Arduino-Prozessoren hat er nicht funktioniert. Um die Motoren zu stoppen, sind zwei Mikroschalter am Zwischenring montiert, die die Endpositionen jeder Halbschale an den Mikroprozessor melden. Da ich mich aber nicht allein auf die Endschalter verlassen wollte, werden die Motoren unabhängig davon zwei Sekunden nach ihrer individuellen Laufzeit automatisch gestoppt.
Selbstregelnde Tauheizung Um den Beschlag der Linsen von Teleskop und Guiding-Fernrohr durch Tau zu verhindern, habe ich eine selbstregelnde Tau-
heizung entworfen und gebaut (Abb. 6). Basis ist ein nur daumennagelgroßer Seeeduino-XIAO-Mikroprozessor. Er regelt abhängig von Taupunkt, Umgebungstemperatur und der Temperaturänderung am Teleskop die Leistung zweier Heizbänder. Die dafür nötigen Daten melden ein DHT22Sensor und ein temperaturabhängiger PTC-Widerstand, der die Temperaturänderungen am Teleskop erfasst. Zur Beurteilung des Heizbetriebs misst ein kleines ACS712-Modul zusätzlich den Heizstrom, den der XIAO-Wifi-Mikroprozessor als Webserver neben Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Taupunkt auf einer Webseite im LAN anbietet.
Im Inneren der Sternwarte In dieser Kuppel gibt es nun endlich Platz für meine instrumentelle Ausrüstung (siehe Info-Kasten und Abb. 7). Dank der ZWOAM5-Strainwave-Montierung kann man auf das sonst bei klassischen Montierungen notwendige Gegengewicht verzichten. Die Kuppel hat noch eine sehr willkommene Besonderheit: sie kann im Notfall in jeder Teleskop-Position geschlossen werden.
Die notwendige Elektronik und Verkabelung sind so angeordnet (Abb. 8), dass die komplette Montierung mit Teleskop und angebautem Zubehör innerhalb von fünf Minuten in die Kuppel eingesetzt oder herausgenommen werden kann. Deshalb sind ein Mini-PC, USB-Hub und Tauheizung direkt am Teleskop bzw. dessen Befestigungsschiene montiert. Sie drehen sich mit dem Teleskop in jede Himmelsrichtung und vermeiden so ein Wirrwarr der Verbindungskabel beim Bewegen des Teleskops.
Darüber hinaus gibt es weitere Komponenten im Inneren der Kuppel, die den Betrieb erleichtern. Eine kleine Weitwinkelkamera ermöglicht die Überwachung von Kuppel, Teleskop und Montierung. Ein NetzwerkSwitch verbindet den PC, die Überwachungskamera und das 8-Kanal-Relais mit meinem Netzwerk.
Die Steuerung der Sternwarte ist komplett remote möglich. Sie ist in mein lokales Netzwerk eingebunden, aber auch via VPN aus dem Internet erreichbar. An der Montierung habe ich ein Waveshare-8-Kanal-
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Amateurteleskope/Selbstbau
Ethernet-Relais angebracht, das die Spannung der einzelnen Komponenten ein- und ausschalten kann. Das Relais ist via ASCOM-Treiber [4] steuerbar, aber zusätzlich auch über die App Home-Assistent, eine Software zur Steuerung der Hausautomation. Eine weiße LED zur Innenbeleuchtung der Kuppel ist für den Notfall vorhanden.
Zum Abschluss noch ein paar Schlüsseldaten. Das Gesichtsfeld des Teleskopsystems beträgt etwa 2 Grad x 3 Grad , entsprechend 2''/Pixel. Das Guiding liegt bei etwa 0,5'' bis 1'' Genauigkeit - völlig ausreichend. Das Askar-SQA55-Teleskop hat eine hervorragende Optik. Die Aufnahmen sind äußerst scharf, die Sterne bis in die Ecken fehlerlos.
Resümee Es war viel Arbeit, die Sternwarte zu bauen, zu testen und zu optimieren. Aber es hat mir über den Winter auch viel Spaß gemacht. Die Steuerung mit N.I.N.A. ist einfach klasse. Die autonomen Aufnahmesessionen laufen reibungslos. Es hat sich gelohnt.
Mein Equipment
Montierung: Teleskop: Kamera: Zubehör: Guiding-Kamera: Guiding-Teleskop:
ZWO AM5, parallaktisch Askar SQA55, D = 55 mm, f = 264 mm ZWO ASI183MC mit Rotator und Filterrad Fokussierer ZWO ASI120MM D = 32,5 mm, f = 130 mm
Literatur- und Internethinweise
[1]
(Stand 27.08.2025):
[1] E. Vollmer: ,,Mini-Sternwarte, erste Ver-
sion", https://nightsky.blog/selbstbau- [2] einer-mini-kuppel-zur-astrofotografie
[2] Autodesk Fusion: www.autodesk.com/
de/education/edu-software/fusion
[3] ASCOM-Treiber ,,RRCI Dome", https://
[3]
projecthub.arduino.cc/cfar/rolling-roof-
computer-interface-rrci-a7f9ac
[4] ASCOM-Treiber ,,Waveshare Relais",
https://github.com/ngaertner/ASCOM-
[4]
Switch-Waveshare-POE-ETH-Relay
Impressionen vom ITV 2025
von Hubert Hermelingmeier
Das Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV) [1] findet alljährlich um den Himmelfahrtstag im Campingpark ,,Am Gederner See" im hessischen Gedern statt. Die Organisation lag wieder in den Händen der Firma Intercon Spacetec [2] aus Augsburg. Mit dieser Firma verbinden viele von uns den Namen Martin Birkmaier, ein Enthusiast in Sachen Astrogeräte, der leider viel zu früh verstorben ist. Er war der Initiator dieses Treffens.
1 Refraktor mit 135 mm Öffnung
und 1.080 mm Brennweite auf Holz-Montierung (Details s. Text). Selbstbau von Martin Mühlendyck
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Amateurteleskope/Selbstbau
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2 Der ,,Low-Rider-
Dobson" (LRD) von Timm Klose mit 20 Zoll Öffnung (f/4).
3 Ein Teil des
Hauptspiegels des LRD wird zur Planetenbeobachtung genutzt.
4 Der Haupt-
spiegel des LRD wird motorisch per Handsteuerung justiert.
Bei dem Campingparktreffen sind Astronomiefreunde aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Auf dem Areal stehen Wohnmobile, Zelte, Pavillons und Teleskope dicht beieinander. Es wird gegrillt, gefachsimpelt, gemeinsam beobachtet und die Teilnehmer haben Spaß miteinander. Ich habe dieses Treffen genutzt, um alte Bekannte wiederzusehen und mir die Teleskopselbstbauten genau zu betrachten. Leider war ich nur an einem Tag da, daher konnte ich mir nicht alle Selbstbauten ansehen. Wer seinen Selbstbau im Journal für Astronomie vorstellen möchte, kann seinen Bericht an den Fachgruppenredakteur Peter Riepe schicken.
Die Abbildung 1 zeigt einen Refraktor mit 135 mm Öffnung und 1.080 mm Brennweite, das Objektiv ist ein Fluorit-Triplet-Apochromat auf einem Parallelogramm-Stativ. Hersteller des Objektivs ist die Astro-Optik-Manufaktur, auch ,,AstroTheke" genannt [3]. Der Besitzer ist der Geigenbaumeister Martin Mühlendyck, sein handwerkliches Können spiegelt sich in dem Tubus des Refraktors wider, der aus Flugzeugsperrholz und Birkenwurzelholz geformt ist. Die Verzierungen (schwarze Längsstreifen) sind aus Ebenholz. Das Gegengewicht ist Teil einer Hantel.
Der ,,Low-Rider-Dobson" von Timm Klose (Abb. 2) hat 20 Zoll Öffnung und ein Öffnungsverhältnis von 1:4, er soll mit 24,8 kg Gewicht der leichteste seiner Art sein. Der Sekundärspiegel wurde mit einem Winkelschleifer in der Form für den Sitz des Okularauszugs angepasst. Der mittlere und obere Ring der Tubusverstrebungen sind Fahrradfelgen, bei denen die Speichenlöcher aufgebohrt wurden, um das Gewicht zu reduzieren. Die Tubusstangen sind aus Carbon gefertigt. An der Haltung unterhalb des Okularauszuges wird der
StarSense, ein Peilersystem von Celestron, eingesetzt. In dem Staubdeckel für den Hauptspiegel ist eine Öffnung von 90 mm Durchmesser, die für die Beobachtung der Planeten genutzt wird (Abb. 3). Die Öffnung ist so platziert, dass der Strahlengang nicht durch die Spiegelhalterung gestört wird. Die optische Qualität entspricht damit der eines apochromatischen Linsenobjektivs. Eine weitere Besonderheit ist die motorische Justierung des Hauptspiegels (Abb. 4). Mit der Handsteuerung, die im Bild zu sehen ist, werden die Motoren zur Justierung angesteuert [4].
Jörg Schlinzing zeigte seinen 12-Zoll-Dobson (Abb. 5) mit einem Öffnungsverhältnis von 1:6. In der Abdeckung aus pulverbeschichtetem Alu-Blech ist ein Filterrad integriert (Abb. 6). Die Ausschnitte in der Spiegelbox ermöglichen es, dass diese Abdeckung während des Transportes darin aufgenommen wird. Die Höhenräder liegen in Nuten, damit die Spiegelzelle beim Abschrauben der Höhenräder nicht sofort
Amateurteleskope/Selbstbau
5 Oben: der 12-
Zoll-Dobson (f/6) von Jörg Schlinzing
6 Links: am 12-
Zöller hinter der Abdeckung ein Filterrad
7 Links: Die Höhenräder des
12-Zöllers liegen in Nuten.
8 Die Spiegelhalterung
des 12-Zöllers
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Amateurteleskope/Selbstbau
nach dem Lösen in die Rockerbox fällt (Abb. 7) Der Hauptspiegel wird beim Herausnehmen zunächst von drei Blechstreifen gehalten. Wenn die Schrauben gelöst sind, wird die Spiegelzelle wie aus einem Bajonettverschluss herausgedreht (Abb. 8).
Auch bei dem Dobson von Dennis Pietrzak (Abb. 9) mit 12 Zoll Öffnung und einem Öffnungsverhältnis von 1:5,3 bestehen wichtige Komponenten aus Fahrradteilen. Der Hutring und die Höhenräder sind aus Fahrradfelgen hergestellt. Die Höhenräder wurden mit Riffelblechstreifen belegt, damit sie auf den Teflonplättchen an der Rockerbox gut gleiten. Der Dobson wird wahlweise mit einer EQ-Plattform betrieben (Abb. 10), die sehr einfach mit einem Nachführmotor einer einfachen Skywatcher-Montierung (EQ-2) und einer biegsamen Welle angetrieben wird (Abb. 11).
Bei seinem Teleskop (Abb. 12) zeigt der Besitzer Yannik Akar [5], wie der Kabelsalat reduziert werden kann. Er hat wichtige Komponenten wie Rechner, Powerbank und WiFi-Hotspot zwischen der Schwalbenschwanzklemme der Montierung und der Montageschiene am Teleskop untergebracht und damit die oft langen, herunterhängenden Kabel vermieden.
9 Oben: ein Selbstbau-
Dobson von Dennis Pietrzak mit 12 Zoll Öffnung f/5,3. Details s. Text.
1 0 Dieser Dobson wird
wahlweise mit einer EQPlattform betrieben.
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Amateurteleskope/Selbstbau
1 1 Die EQ-Plattform des Dobsons wird mit einem EQ-2-
Nachführmotor und einer biegsamen Welle angetrieben.
1 2 Yannik Akar hat bei seiner kompakten Ausrüstung
den Kabelsalat geschickt organisiert.
Internethinweise (Stand 27.08.2025):
[1]
[2]
[1] Teleskoptreffen ITV 2025: www.teleskoptreffen.de/itv.html
[2] ITV-Veranstalter: Homepage, www.intercon-spacetec.de
[3] Astro-Optik-Manufaktur: Homepage ,,Astro-Theke",
www.astro-theke.de/astro-optik-manufaktur
[3]
[4]
[4] T. Klose: ,,20-Zoll Dobson", https://klosevideo.de/13822.html
[5] Y. Akar: Homepage, https://astrophotomannheim.de
Weitere nützliche Links: [6] B. Gährken: ,,ITV-Bericht 2025",
[5]
[6]
www.astrode.de/reisen/reisen25a/itv2025a.htm
[7] VdS-Fachgruppe Amateurteleskope/Selbstbau. Homepage,
https://selbstbau.vdsastro.de/
[7]
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Amateurteleskope/Selbstbau
Dwarf 3: Astronomie mit einem Smart-Teleskop
von Uwe Pilz
Das Dwarf 3 ist ein so genanntes SmartTeleskop mit nur 35 mm Öffnung (Abb. 1). Die Firma Dwarflab aus Hongkong [1] hat der VdS diese Technik zur Verfügung gestellt. Gedacht sind solche Instrumente für das unproblematische Aufnehmen ,,schöner Bilder". Ich habe hingegen erprobt, ob sich solche Instrumente außerdem auch für die Arbeit mit astronomisch-wissenschaftlichem Hintergrund eignen.
Bevor ich mit dem Dwarf 3 in Berührung kam, konnte ich einem Instrument mit nur 35 mm Öffnung und 150 mm Brennweite nichts abgewinnen. Ich wurde eines Besseren belehrt. Das Geheimnis ist der Kamerasensor, Sony IMX678 STARVIS 2. Dies ist ein 8-Megapixel-CMOS-Chip mit 2 m Pixelgröße und knapp 9 mm Bilddiagona-
1 Das Smart-Teleskop Dwarf 3, parallak-
tisch montiert. Links sieht man die reguläre Tele-Optik 35 mm / 150 mm, rechts die Weitwinkeloptik.
le, der eigentlich für Sicherheitskameras entwickelt wurde, welche mit wenig Licht auskommen müssen. Für ausgedehnte Nebelobjekte ist nicht die absolute Öffnung entscheidend, sondern das Öffnungsverhältnis. Beim Dwarf 3 beträgt es 1:4,3 bei einem Bildfeld von 2,9 Grad x 1,7 Grad , und das ist ganz ordentlich! Außerdem ist eine Weitwinkelkamera verbaut, mit ähnlichen Eigenschaften wie die einer SmartphoneKamera. Das Dwarf 3 enthält eingebaute Filter: einen visuellen für Tageslichtaufnahmen, einen astronomischen mit erweiterter Rotempfindlichkeit bis jenseits der HLinie und einen inzwischen weit verbreiteten Dual-Schmalbandfilter für H und [O III] für Emissionsnebel. Technische Daten dazu waren leider nicht zu finden. Beigelegt ist ein Sonnenfilter, welcher magnetisch befestigt wird. Da das Instrument nur 1,3 kg wiegt, lässt es sich auch problemlos parallaktisch montieren.
Mit dem Dwarf 3 lassen sich im Rahmen seiner Möglichkeiten Sonnen- und Mondaufnahmen ausführen (Abb. 2). Hierfür gibt es spezielle Nachführalgorithmen. Leben muss man mit der geringen Auflösung von etwa 3 Bogensekunden. Für ernsthaftes Arbeiten ist das nichts, aber im Rahmen des Schulunterrichts kann man es durchaus verwenden. Noch ungünstiger ist die Situation an Planeten: Die Sichelgestalt der Venus, die Äquatorbänder Jupiters, die Jupitermonde und der Saturnring - damit sind die Möglichkeiten erschöpft.
Die Domäne sind langbelichtete Aufnahmen von Nebelobjekten. Das geht aber nur im parallaktisch montierten Modus. Es ist
vorteilhaft, dass man mit der SmartphoneApp die Aufnahmeparameter einstellen kann: Filter, Belichtungszeit, Gain-Wert und Anzahl der Aufnahmen. Die Bilder werden automatisch gestackt, Einzelaufnahmen im FITS-Format (Standarddatenformat für astronomische Aufnahmen) werden auch gespeichert. Eine nachträgliche Bildüberlagerung von Aufnahmen über mehrere Nächte ist auch vorgesehen. Es war für mich erstaunlich, wie einfach eindrucksvolle Deep-Sky-Aufnahmen selbst aus der Stadt heraus gelingen (Abb. 3 und 4).
Zurzeit haben wir ,,Kometenflaute". Ich habe mich dennoch an der Aufnahme des hellsten Kometen versucht, das war seinerzeit C/2021 G2 (ATLAS), tief über dem Horizont im Sternbild Waage. Mit knapp 14 mag ist er für mich visuell unerreichbar, zumindest in so geringer Höhe über dem Horizont. Mit dem Dwarf 3 war er nach 30 Minuten Aufnahmezeit sofort zu sehen. Steffen Fritsche aus der VdSFachgruppe Kometen [2] bat mich, es mit C/2024 E1 (Wierzchos) zu versuchen, im 16-mag-Bereich. Das ist visuell überhaupt nicht machbar, egal mit welcher Öffnung und unter welchen Bedingungen. Ich nahm den Kometen 90 Minuten lang auf, das ist das Maximum, das der eingebaute Akku schafft. Zu sehen war nichts, gestackt auf die Sterne. Steffen hat meine Fotos ausgewertet. Hierzu benutzte er die Kometenauswertesoftware AIRTOOLS [3], welche in der Fachgruppe Kometen zur Vermessung der gesamten Koma aus Kometenfotografien benutzt wird. Die Einzelbilder sind hierzu ohne Probleme geeignet, gestackt auf den Kometen lässt sich sogar ein Schweifansatz erahnen (Abb. 5). Das ist ein großes Potenzial! Mit Aufnahmen aus der Stadt heraus können wir Beiträge zur Lichtkurve von Kometen gewinnen. Als segensreich erwies sich der Planungsmodus des Dwarf 3. Hiermit kann man Aufnahmen
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Amateurteleskope/Selbstbau
für die Nacht vorbereiten und das Instrument ins Freie stellen. Alles geschieht automatisch, und wenn keine Wolken stören, kann man morgens die Ergebnisse ansehen und herunterladen.
Ein weiteres Arbeitsgebiet sind veränderliche Sterne. Ich habe ganz unproblematisch das Minimum eines 8-mag-Bedeckungsveränderlichen nachgewiesen [4]. Auf gestackten Aufnahmen kommt man auf jeden Fall bis in den 16-mag-Bereich. Einzelauf-
2 Sonne am 18.06.2025, Tageslichtfilter
nahmen können bis 2 Minuten belichtet werden, damit kommt man bis ca. mag. So können Objekte mit rascher Helligkeitsänderung verfolgt werden. Ich denke hier an die Rotation von Asteroiden.
Wer sich für das Dwarf 3 interessiert, dem kann vielleicht auch mein ergänzender Artikel im VdS-Forum ein wenig helfen [5].
Ich kann das Instrument den Fachgruppen leihweise zur Verfügung stellen, wenn von dort der Vorschlag eines Beobachtungsprojektes erarbeitet wird. Es wäre schön, wenn daraus ein Bericht hier im Journal entstünde.
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Amateurteleskope/Selbstbau
3 Messier 101, 40 Minuten belichtet, Astro-Filter 4 Messier 16, 60 Minuten belichtet, Dualbandfilter
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Internethinweise (Stand 27.08.2025): [1] Dwarf3-Hersteller Dwarflab: Home-
page, https://dwarflab.com/de-de
[2] VdS-Fachgruppe Kometen: Homepage, https://sternfreunde.de/ astronomie-als-hobby/die-vdsfachgruppen/kometen/
[3] Th. Lehmann, 2025: AIRTOOLSHandbuch mit Link zum Download der Software: ,,Astronomical Image Reduction and Comet Photometry with AIRTOOLS (v5.2)", https://github. com/ewelot/airtools/blob/master/ doc/manual-en.md
[4] VdS-Fachgruppe Veränderliche: Homepage, https://sternfreunde.de/ astronomie-als-hobby/die-vds-fachgruppen/veraenderliche/
5 Komet
C/2024 E1 (Wierzchos), 90 Minuten belichtet, Astro-Filter
[5] U. Pilz, 2025: Dwarf3, ergänzender Artikel im VdS-Forum, https://forum. vdsastro.de/viewtopic.php?t=7675
Amateurteleskope/Selbstbau
Replik zu Rolando Döllings ,,Zum Thema Smart-Teleskop Seestar S50"
im VdS-Journal für Astronomie 95, S. 26ff.
von Udo Siepmann
Der im Titel genannte Artikel von Rolando Dölling [1] wird als ,,Gegendarstellung" deklariert, und zwar zu meinem Aufsatz ,,Neue Trends in der Astrofotografie - ist die Trivialisierung das Ende unseres Hobbys?" [2]. Ob man für eine Diskussion unter Sternfreunden diesen presserechtlichen Begriff verwenden sollte, lasse ich hier unkommentiert. Erwartet hätte ich dann allerdings belegbare Zitate aus meinem Artikel, mit einer konkreten Widerlegung. Da diese Erwartung nicht erfüllt wurde, wende ich mich mit der simplen Frage an den Autor der ,,Gegendarstellung": Wo, bitte, habe ich den Seestar S50 konkret kritisiert?
In meinem Artikel, sofern man sich die Mühe macht, ihn wirklich bis zum Ende zu lesen, beschreibe ich die Eigenschaften des Gerätes. Ich ordne die kurz dargestellte, aber nicht an einer einzigen Stelle kritisierte Systemintegration, die es bietet, in weitere aktuelle Trends ein, wie automatisierte Bildverarbeitung und Remote-Teleskopie. Mir ging es schlicht um die Frage, wie sich unser Hobby durch diese Trends verändern könnte und gar nicht primär um den Seestar und dessen qualitative Bewertung. Am Ende komme ich zu einem positiven Ergebnis, was die Zukunft unseres Hobbys angeht.
Als äußerst befremdlich habe ich die Aussage empfunden, dass Interessenten wegen meines Artikels von einer VdS-Mitgliedschaft Abstand genommen hätten. Abgesehen von der fehlerhaften Prämisse meiner negativen Bewertung des Gerätes, wäre es für die Qualität des Austausches unter uns Vereinsmitgliedern fatal, wenn sich Kritik an welchem Teleskop oder sonstigen Instrumenten auch immer aus diesem vermutlich vorgeschobenen Grund künftig verböte.
Einige abschließende Bemerkungen: An unserer Walter-Hohmann-Sternwarte war ich im November 2023 der erste SeestarNutzer. Nach meinen ersten Resultaten wich die anfängliche Skepsis, und heute sind es 10 Nutzer von Smart-Teleskopen. Auf unserem ATT in Essen habe ich im Mai 2024 und Mai 2025 über Smart Telescopes mit Schwerpunkt Seestar mit dem stets gleichen positiven Tenor vor vollem Saal referiert, das gleiche auch beim HATT im November 2024. Mit dem Haus der Astronomie habe ich gemeinsam mit Carolin Liefke und Markus Pössel am 28. Oktober 2024 ein Youtube-Video zum Seestar produziert [3]. Zum Nachlesen weise ich ferner auf meinen Artikel in der Sternzeit [4] hin. Wer hier Belege für eine negative oder unsachliche Bewertung des Gerätes findet, muss lange und vergeblich suchen. Selbstverständlich bin ich inzwischen auch Mitglied der Signal-Gruppe, die sich unter Leitung von Hubert Hermelingmeier in der Fachgruppe Amateurteleskope den SmartTeleskopen widmet.
Der Beitrag von Rolando Dölling ist sicher lesenswert, aber dazu bedurfte es nicht einer konstruierten Kritik als Aufhänger.
Literatur- und Internethinweise (Stand 18.11.2025): [1] Rolando Dölling: ,,Zum Thema Smart-
Teleskop Seestar S50", VdS-Journal für Astronomie 95, S. 26ff. [2] Udo Siepmann: ,,Neue Trends in der Astrofotografie - ist die Trivialisierung das Ende unseres Hobbys?", VdS-Journal für Astronomie 91, S. 45ff. [3] Haus der Astronomie, Serie Astro & Co.: ,,Smarte Teleskope, Seestar & Friends",www.youtube.com/ watch?v=95c5uP25x6s [4] Udo Siepmann: ,,Erfahrungen mit einem Smart Telescope: Spielzeug oder doch mehr?", Sternzeit 3/2024, S. 122 ff.
Neue Fachgruppe Smart-Teleskope
Die Smart-Teleskope erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit, wie die Anzahl der Berichte im VdS-Journal für Astronomie und die Diskussionen in den Astronomie-Foren zeigen. Um das Potenzial dieser Technik für die Mitglieder selbst, aber auch für die Mitgliederentwicklung zu nutzen, wurde die Gründung einer neuen Fachgruppe ,,Smart-Teleskope" beschlossen. Die Koordination der Gruppe liegt in den Händen von Mathias Scheurer von der Sternwarte Hofheim. Über die weitere Entwicklung wird im Forum der Vereinigung der Sternfreunde in der Rubrik ,,Smart-Teleskope" berichtet. Für die Diskussionen in der Fachgruppe wurde eine Signal-Gruppe eingerichtet. Interessenten melden sich bitte per E-Mail an mathias.scheurer@sternfreunde.de.
Das VdS-Forum ist unter der Webadresse https://forum.vdsastro.de erreichbar. Die Webadresse der Fachgruppe wird https://smartteleskope.sternfreunde.de sein.
Seid dabei!
Journal für Astronomie Nr. 96 | 57
Astrofotografie
Physik im Bild
- oder was die kosmische Rotverschiebung mit dem PN Jones Emberson 1 zu tun hat
von Thomas Staufer
Im April 2025 habe ich mir kurz vor Halbmond den Planetarischen Nebel Jones Emberson 1, auch als Kopfhörernebel bekannt, als Objekt für eine Schmalbandaufnahme vorgenommen. Meine mobile Ausrüstung besteht aus einer AM5N-Montierung, einem Apochromaten mit 800 mm Brennweite (TS Photoline), der monochromen Kamera ZWO ASI294MM pro und einem Optolong-Filtersatz. In diesem Fall wurden eingesetzt: [S II] 672,0 nm (Bandbreite 6,5 nm), H 656,3 nm (Bandbreite 7 nm) und [O III] 500,0 nm (Bandbreite 6,5 nm). In zwei Nächten kamen immerhin zwei
Stunden Belichtungszeit je Filter zustande. RGB-Aufnahmen wurden nicht angefertigt, so dass die Sternfarben nicht korrekt wiedergegeben werden können. Die Bearbeitung erfolgte mit PixInsight (inklusive der AI-Tools von Russell Croman [1] und der Tools von Cosmic Photons [2]).
Die Abbildung 1 zeigt einen Ausschnitt in einer nur geringfügig grünreduzierten Version gemäß der Hubblepalette ([S II] rot, H grün, [O III] blau). Aus ästhetischen Gründen wird das Grün des dominierenden H-Kanals meist stark reduziert, um
den beliebten blau-goldenen Bildeindruck zu produzieren. Das Resultat der starken Farbmanipulationen ist dann aber recht unphysikalisch. Die Farbanteile einzelner Filter (und damit chemischer Elemente im Nebel) sind nicht mehr zu beurteilen. Ich habe hier bewusst darauf verzichtet.
Eine weitere Bearbeitungsvariante, die ich kurz vorstellen möchte, zeigt die Abbildung 2: Grundlage ist eine HOO-Bearbeitung, wobei der Rotkanal dann H repräsentiert und der Grün- und Blaukanal zu gleichen Anteilen das [O III]-Signal enthalten. Dann
1 Jones Emberson 1 in der Darstellung gemäß Hubblepalette, nur schwach grünreduziert. Norden ist oben, Osten links. Nahe dem
Westrand des Bildes rechts erkennt man die kleine Galaxie UGC 4085, auf die im Text eingegangen wird. (Bild: Thomas Staufer)
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Astrofotografie
mische ich die [S II]-Anteile in Gelb ein. Meine Argumentation hierfür: Die meist besonders ausgeprägten Signale in H und [O III] werden in dieser Variante ohne weitere Farbmanipulation weitgehend in ihren ,,natürlichen" Farben wiedergegeben. Nur für den meist schwachen [S II]-Kanal, der ebenfalls im Roten liegt, muss man sich etwas einfallen lassen, um ihn vom Wasserstoff unterscheidbar darzustellen. Ich verbinde kristallinen Schwefel intuitiv mit schwefelgelb - und färbe diesen Stack entsprechend ein. Dort, wo H auf [S II] trifft, ergibt sich, wie in der Abbildung 2, ein orangener Farbton. Wo [O III] auf [S II] trifft, was wesentlich seltener der Fall ist, entstünden grünliche Farbtöne. In dieser
Variante sind zumindest die Anteile von Wasserstoff und Sauerstoff gut zu differenzieren, besser als in einer stark bearbeiteten Version gemäß Hubblepalette. Beim Blick auf die im Bild rechts mit erfasste Galaxie UGC 4085 zeigt sich aber auch ein Manko: Sie erscheint hier unauffällig gelbweiß, weil sich dort der H- und der [O III]-Kanal in etwa die Waage halten.
Soweit zur generellen Bildbearbeitung. Beim genaueren Betrachten der Bildergebnisse fiel mir eine kleine Galaxie schon am westlichen Bildrand der Abbildung 1 auf, die in der Hubblepalette deutlich rot wirkt. Details kommen in der Abbildung 3 zum Vorschein. Sie trägt die Bezeichnung UGC
4085 (Uppsala General Catalogue) oder PGC 22186 (Principal Galaxies Catalogue, LEDA, HYPERLEDA).
In der Hubblepalette bedeutet rot ein dominierendes Signal bei rund 672 nm. Mein erster Gedanke: eine schwefelreiche Galaxie? Dem wollte ich nachgehen! Zuerst einmal habe ich die linearen Stacks der Farbkanäle überprüft: Tatsächlich zeigt der [S II]-Kanal der Galaxie im südlichen Spiralarm ein stärkeres und differenzierteres Signal als H und [O III]. Es liegt also kein Artefakt aus der Bildbearbeitung vor.
Was findet sich in der Literatur über diese Galaxie? In meiner Recherche bin ich auf
2 Jones Emberson 1 in einer vom Autor bevorzugten, im Text beschriebenen Farbgebung (Bild: Thomas Staufer)
Journal für Astronomie Nr. 96 | 59
Astrofotografie
nm + 16,2 nm = 672,5 nm verschoben. Das ist die Lösung, denn diese Wellenlänge liegt in dem Bereich, den der [S II]-Filter durchlässt, nämlich 672 +- 3 nm! Man sieht also das H-Licht der H II-Regionen dieser weit entfernten Galaxie aufgrund der nicht mehr zu vernachlässigenden Rotverschiebung nicht mit dem H-Filter, sondern mit dem [S II]-Filter!
3 UGC 4085 in der Hubblepalette und Rohbilder der Anteile der einzelnen Filter
(Bild: Thomas Staufer)
Peter Riepe machte mich in der Korrespondenz zu diesem Artikel darauf aufmerksam, dass über das Webportal des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) [5] ein Spektrum der Galaxie abrufbar ist [6], das die Linienverschiebung nochmals schön verdeutlicht (Abb. 5).
eine spektroskopische Untersuchung von UGC 4085 [3] gestoßen. Ein darin enthaltenes Bild, aufgenommen mit dem Canada-France-Hawaii Telescope im R-Band (Abb. 4), bestätigt zunächst einmal generell die starke rote Emission im südlichen Spiralarm. Daraus lässt sich jedoch nicht allein auf Schwefelemissionen schließen, weil das R-Band typischerweise die Wellenlängen von 589 bis 727 nm und somit u. a. die H-, zwei O I-Linien, beide [N II]und beide [S II]-Linien überdeckt. In der Veröffentlichung werden jedoch genau an den Stellen, an denen in meiner Aufnahme eigentlich die [S II]-Emission dominieren sollte, große H II-Regionen beschrieben. Dort wurde auch das Intensitätsverhältnis beider [S II]-Linien zu H bestimmt: Die [S II]-Emission beträgt jeweils unter 20% der Wasserstoff-Emission. Es gibt also kein außergewöhnliches Schwefelsignal. Was erklärt dann meine Beobachtung?
Die entscheidende Idee war, die Rotverschiebung der Galaxie zu recherchieren. Die astronomische Datenbank SIMBAD [4] gibt diese mit z = 0,0247 oder 2,47% an. Das bedeutet: Jede Linie im Spektrum
von UGC 4085 wird durch die kosmische Expansion um 2,47% ihrer Ruhewellenlänge nach Rot verschoben. Für die H-Linie bei 656,3 nm wären das 656,3 nm 0,0247 = 16,2 nm, sie wird also auf den Wert 656,3
Was nehmen wir aus obiger Betrachtung mit? Das typische Einsatzgebiet der Schmalbandfilter in der Amateurastronomie sind Nebel und Objekte in unserer Milchstraße oder auch in der Lokalen Gruppe (und noch
4 Logarithmi-
sche Wiedergabe des R-Band-Bildes von UGC 4085, CanadaFrance-Hawaii Telescope, entnommen aus [3].
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Astrofotografie
etwas darüber hinaus), wo die Rotverschiebung (noch) keine Rolle spielt. Dort lassen Schmalbandfilter genau die Emissionslinien der chemischen Elemente durch, nach denen sie benannt sind.
Bei weiter entfernten Galaxien werden die Schmalbandfilter durch die Rotverschiebung quasi zu ,,Entfernungsmessern". Zur Verdeutlichung die folgenden Abschätzungen: Ein schmalbandiger H-Filter von 3 nm Halbwertsbreite ist durchlässig für Wellenlängen um 656,3 nm +- 1,5 nm (Zentrallage im Transmissionsfenster vorausgesetzt). Folglich lässt er die 656,3-nm-Linie rotverschoben bis zu 656,3 nm + 1,5 nm = 657,8 nm durch. Diese Rotverschiebung entspricht z = 1,5 nm / 656,3 nm ~ 0,002 oder 0,2%. Ein 6 nm breiter Filter lässt die H-Strahlung bis zu einer doppelt so großen Rotverschiebung von 0,4% passieren. Bei Verwendung der kosmologischen Standardparameter entspricht das einer Entfernung von gut 30 bzw. 60 Millionen Lichtjahren [6]. Bis zu solchen Entfernungen können wir also z. B. H II-Gebiete mit dem H-Filter herausarbeiten.
UGC 4085 ist mit z = 0,0247 dagegen 352 Millionen Lichtjahre entfernt (Lichtlaufzeitdistanz) [7]. Die Rotverschiebung ist somit zufällig passend für den Nachweis der H II-Gebiete mit dem Schwefelfilter! Dies gelingt bei 6,5 nm Bandbreite (d. h. 668,75 nm bis 675,25 nm) etwa von z = (668,75 nm - 656,3 nm) / 656,3 nm ~ 1,9% bis knapp 2,9% (675,25 nm - 656,3 nm) / 656,3 nm, also bei Lichtlaufzeitdistanzen von 275 bis etwa 400 Millionen Lichtjahren. Dabei ist die Nachweisempfindlichkeit am Rand des Durchlassbereichs des Filters sicher deutlich niedriger.
Sehen wir also ein deutliches Signal im [S II]-Kanal in einer entfernten Galaxie, ist das ein Hinweis darauf, dass diese Galaxie
5 Spektrum der Galaxie UGC 4085, entnommen aus dem SDSS-Portal [6], in Rot ergänzt
mit dem Durchlassbereich meines [S II]-Filters, der exakt an der Stelle der rotverschobenen H-Linie der Galaxie liegt (Anm.: 672 nm = 6720 Ångstrøm).
Wellenlängenänderung der Linien im Galaxienspektrum und daraus folgende Rotverschiebung - und umgekehrt
Im expandierenden Universum zeigen die sich entfernenden Galaxien über die gesamte Länge ihres Spektrums eine Verschiebung sämtlicher Spektrallinien, erklärbar durch den Doppler-Effekt. Die ursprüngliche Ruhewellenlänge 0 jeder Spektrallinie verschiebt sich um eine Differenz auf einen langwelligeren Wert rot in Richtung roter Spektralbereich. Diese Rotverschiebung z definiert sich daher als Verhältnis aus Wellenlängendifferenz zum ursprünglichen Wert 0: z = / 0 = ( rot - 0 ) / 0 Man sieht: z ist proportional zu , das heißt: Je größer die Linienverschiebung , desto größer auch die Rotverschiebung z. Zur Bestimmung von z wird die verschobene Wellenlänge rot einer oder mehrerer auffälliger Linien im Spektrum der fliehenden Galaxie gemessen und daraus dann z bestimmt. Beispiel: [O III] ist ein Dublett. Wird die längerwellige Hauptkomponente mit der Ruhewellenlänge 0 = 500,7 nm bei rot = 508,9 nm gemessen, dann entspricht das einer Verschiebung von = 8,2 nm. Die obige Gleichung ergibt dann:
z = 8,2 nm : 500,7 nm ~ 0,0164
Umgekehrter Fall: Für eine Galaxie wird laut Datenbank eine Rotverschiebung von z = 0,0094 angegeben. Auf welche Wellenlänge verschiebt sich damit beispielsweise die [S II]-Linie, die eine Ruhewellenlänge 0 = 673,1 nm besitzt? Die Umstellung der obigen Gleichung ergibt:
rot = z 0 + 0 = 0 (z+1)
Damit errechnet sich eine Linienverschiebung nach:
rot = 673,1 nm 1,0094 = 679,4 nm
Und genau mit diesem Rechenweg können wir dann bestimmen, ob die verschobene Wellenlänge noch im Transmissionsfenster unseres Filters liegt oder nicht.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 61
Astrofotografie
das H-Licht größerer H II-Ge- Literatur- und Internethinweise (Stand 29.08.2025):
biete emittiert und in einem [1] RC Astro: Homepage, www.rc-astro.com
[1]
[2]
Entfernungsbereich um 350 Mil- [2] M. Cranfield: "Cosmic Photons Astrophotography",
lionen Lichtjahre bzw. bei einer
https://cosmicphotons.com/
Rotverschiebung um 2,4% liegen [3] E. T. Chatzichristou et al., 1998: "Bidimensional spectro-
muss. Wir sind also in der Lage,
scopy of double galaxies, II. Mkn 789, UGC 4085, UGC [4]
[5]
die Entfernung dieser Galaxie mit
3995", Astron. Astrophys. 330, p. 841-872
einfachen Mitteln einigermaßen [4] Datenbank SIMBAD:
einzugrenzen!
https://simbad.u-strasbg.fr/simbad/sim-fbasic
[5] SDSS-Navigationsfenster, https://skyserver.sdss.org/ [6]
[7]
Mein Fazit: Es lohnt sich, Aufnah-
dr18/VisualTools/navi
men auch auf Besonderheiten im [6] SDSS: ,,Daten zu UGC 4085", https://skyserver.sdss.org/
Beifang des eigentlich anvisierten
dr18/VisualTools/navi?name=UGC4085&ra=118.83124
Objekts zu analysieren. Mir hat
6&dec=+53.330764
das auf jeden Fall eine besondere [7] S. Täubert: ,,AstroBasics, Entfernungsberechnung",
physikalische Freude bereitet.
https://astrobasics.de/tools/entfernung/
Ein kaum beachteter Reflexionsnebel im Sternbild Drache
von Walter Schramböck und Peter Riepe
Dieser Bericht entstand, nachdem in der Mailingliste der Fachgruppe Astrofotografie über die hier gezeigte Aufnahme diskutiert wurde. Dabei sind wir uns einig, dass das Thema mehr hergibt als nur ein technisch gut umgesetzes Astrofoto. Die Erleuchtung (im wahrsten Sinne des Wortes ...) kam sehr bald. Wir möchten hier zeigen, was in einem zunächst als unscheinbar empfundenen Resultat an Überraschungen stecken kann.
Walter Schramböck: Auf der Suche nach einem interessanten Objekt für meinen Newton 130 mm / 650 mm (Explorer 130PDS von Skywatcher) fiel mir eine wolkige Struktur um den K2Stern BD+60 Grad 1705 (= TYC 4191-2090-1) auf. Nach den ersten Belichtungsstunden zeigte sich aber, dass es sich offenbar ,,nur" um eine Molekülwolke im Sternbild Drache handelt, davon gibt es dort viele. Diese Molekülwolke liegt um BD+60 Grad 1705 und enthält damit auch die Staubanteile des Nebels. Sie ist laut Datenbank Simbad im ,,Planck Catalogue of Galactic cold clumps" (PGCC) mit den galaktischen Koordinaten als PGCC G090.22+38.47 gelistet. Schade, keine HII-Region.
Etwas enttäuscht habe ich dann eine Bearbeitung dieser ersten Aufnahmen probiert. Das
Ergebnis war dann aber doch ganz hübsch, also habe ich weiterbelichtet und daraus ein RGB-Bild erstellt. H hätte ich auch belichtet, da zeigt sich aber meines Erachtens nur Licht des roten Kontinuums. Daher habe ich bei meiner Langzeitbelichtung auf jegliche Schmalbandfilter verzichtet.
Als Kamera kam die Planetenkamera ZWO ASI462MM mit RGB-Filtern von Astronomik zum Einsatz. Belichtet wurde: 271 x 60 s (R), 321 x 60 s (G), 349 x 60 s (B), für das Öffnungsverhältnis 1:5 in Summe doch beachtliche 15 h 41 min.
Peter Riepe: Die ZWO ASI462MM ist eine monochrome Planetenkamera, die den Sensor Sony IMX462 verwendet. Dieser hat 5,6 mm x 3,2 mm Größe mit 2,1 Millionen quadra-
tischen Pixeln von 2,9 m Kantenlänge. Damit erreicht die Kamera bei der verwendeten Brennweite einen Bildmaßstab von 0,92''/px. Das ist ein guter Wert für das richtige Sampling bei einem Seeing um 2''. Des Weiteren verfügt der Sony-Sensor über eine gesteigerte Empfindlichkeit im Nahinfrarotbereich - alles beste Voraussetzungen für tiefe Aufnahmen wie hier vom lichtschwachen Reflexionsnebel um BD+60 Grad 1705.
Das Licht der Reflexionsnebel stammt entweder von Sternen, die den Nebel von außen beleuchten oder von Sternen, die im Nebelinneren stecken und die Nebelmaterie von innen her erleuchten. In beiden Fällen wird das Licht an den Staubteilchen des Nebels gestreut und schließlich auch nach außen (zu uns als Beobachter) reflektiert. So sind Reflexionsnebel im gesamten Spektralbereich sichtbar, von blau bis rötlich - je nach Spektraltyp der ursächlichen Sterne.
Hier bei unserem Objekt (Abb. 1) ist die objektive RGB-Färbung wichtig - keine falsche Überfärbung durch Verwendung von
62 | Journal für Astronomie Nr. 96
Astrofotografie
H- oder sonstigen Schmalbandfiltern. So wird dem Betrachter sofort klar: Der Nebel leuchtet echt rötlich, und das ist offensichtlich auf die Beleuchtung durch den Stern BD+60 Grad 1705 (Rektasz. = 16h 47min 44s, Dekl. = +60 Grad 26' 24'') mit seinem Spektraltyp K2 zurückzuführen. Dass der Stern direkt mit dem Nebel assoziiert ist, ist an der Wechselwirkung zwischen Stern und Nebel zu erkennen: BD+60 Grad 1705 hat mit seinem Sternwind eine Höhle in den Nebel geblasen.
1 Lichtschwache rötliche Reflexionsnebel um den Stern BD+60 Grad 1705 mit dem Spektraltyp
K2; Aufnahmedaten im Text. (Bild: Walter Schramböck)
zu sehen. Die außer BD+60 Grad 1705 weiterhin eingetragenen Sterne zeigen keinerlei Anzeichen der Zugehörigkeit zu LBN 406,
ihre Parallaxen sind - wenn bekannt - auch 4- bis 5-mal größer. Ein wenig südlich der Bildmitte erkennt man eine Galaxie (Gx),
Was bringt das? Nachschauen in Simbad: Für BD+60 Grad 1705 ist eine Gaia-Parallaxe von 0,8314 Millibogensekunden angegeben. Hej ..., damit kann man ja die Entfernung des Sterns berechnen: Distanz 1.200 Parsec (ca. 3.920 Lj). Erkenntnis: Der Amateur kann sogar selbst (!) die Entfernung von Reflexionsnebeln ermitteln, falls die Nebelfarbe und der Spektraltyp des beleuchtenden Sterns sowie eine Wechselwirkung mit dem Nebel eine Aussage ermöglichen, ob Stern und Nebel zusammengehören.
Am unteren Rand der Abbildung 1 ist ein wesentlich hellerer Nebel erfasst. Das ist der Nordrand des ausgedehnten Reflexionsnebels LBN 406, der in der Profi-Astronomie auch als ,,Draco-Nebel" oder ,,Draco Cloud" bekannt ist. Der Gesamtkomplex von LBN 406 ist in der Abbildung 2 weitwinkeliger
2 Die in Helligkeit und Kontrast veränderte Detailaufnahme aus dem Himmelsatlas
Aladin (in Simbad) zeigt das Gesamtgebiet um LBN 406; oben links BD+60 Grad 1705 mit umgebendem Reflexionsnebel.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 63
Astrofotografie
3 Dieses 2 Grad x 2 Grad große Feld um
BD+60 Grad 1705 und LBN 406 zeigt die Staubverteilung bei einer Wellenlänge von 100 m (aus: NASA/IPAC infrared science archive [3]). Hier hat es den Anschein, als seien die Nebel um BD+60 Grad 1705 ein schwaches Anhängsel des wesentlich größeren Komplexes LBN 406.
in Simbad ist sie nicht erfasst, aber im PanSTARRS-Bildarchiv zeigt sich an der Stelle eine deutliche Spiralstruktur. Dem Draco-Nebel ist - wen wundert es - ebenfalls eine Molekülwolke überlagert. Ihre Katalogbezeichnung ist GAL 090.00+38.80. Dass sie und PGCC G090.22+38.47 um BD+60 Grad 1705 miteinander zusammenhängen, ist wenig wahrscheinlich, denn in [1] wird für den Draco-Nebel in der dortigen Tabelle 1 eine Distanz von ~800 Parsec genannt. Allerdings gibt es unter mehreren stark differierenden Entfernungsangaben auch eine Schätzung von mehr als 800 Parsec [2].
Die reine Staubverteilung im Gebiet von BD+60 Grad 1705 bis LBN 406 einschließlich kann man auch im NASA/IPAC infrared science archive (IRSA, [3]) überprüfen. Dort lassen sich Bilder jeder beliebigen Himmelsregion abrufen, auf denen dann die Verteilung des kalten Staubes bei Lichtwellenlängen von 100 Mikrometern sicht-
bar wird. Die Abbildung 3 lässt sowohl das Gebiet um BD+60 Grad 1705 als auch den riesigen LBN 402 a3s Staubmengen erkennen.
Fazit: Wir haben die Entfernung des Sterns BD+60 Grad 1705 zu 1.200 Parsec bestimmen können, damit auch die Entfernung sowohl
der Molekülwolke PGCC G090.22+38.47 als auch des darin enthaltenen, namenlosen Reflexionsnebels 38,5 Grad über der galaktischen Ebene. Und das hat uns sehr erfreut.
Literatur- und Internethinweise (Stand 29.08.2025):
[1] K. Mattila et al., 2018: ,,Optical and UV surface
[1]
brightness of translucent dark nebulae. Dust albedo,
radiation field, and fluorescence emission by H2", Astron. Astrophys. 617, A42; www.aanda.org/
articles/aa/pdf/2018/09/aa33196-18.pdf [2] [2] S.-J. Park et al., 2009: ,,Far-ultraviolet observation
of the Draco cloud with FIMS/SPEAR", Astrophys.
J. 700, p. 155-160; www.researchgate.net/publica-
tion/230676317_Far-ultraviolet_observation_of_
the_draco_cloud_with_FIMSSPEAR
[3]
[3] NASA/IPAC: ,,infrared science archive",
http://irsa.ipac.caltech.edu/applications/DUST/
64 | Journal für Astronomie Nr. 96
Astronomische Vereinigungen
Planetenwege
von Astrid Gallus und Harald Steinmüller
Liebe Leserinnen und Leser, unsere Webseite www.sternfreunde.de birgt einen einzigartigen, wunderbaren Schatz: die vermutlich größte und umfangreichste Sammlung von Planetenwegen in Deutschland, Europa und der Welt! Zusammengestellt in über 30 Jahren mit sorgsamer Genauigkeit und übersichtlich für den geneigten Nutzer arrangiert hat sie Udo Dreher, der seinen Schatz der VdS zur Verfügung gestellt hat, damit seine Sammlung
dort gehütet und einer großen Community präsentiert wird. 1
3
DER PLANETENWEG IN HEPPENHEIM
im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald
Starkenburg
M Sternwarte
12 11 10 9
Starkenburg
5 6 8 7
4
2 1. Zwergplanet Pluto 7. Kleinplanet (14080)
2. Neptun
Heppenheim
3. Uranus
8. Mars
M Milchstraße
9. Erde
4. Saturn
10. Venus
5. Jupiter
11. Merkur
6. Komet 67P
12. Sonne
Es erstaunt wirklich, wie viele Planetenwege wir in Deutschland haben. Und die Sammlung ist, wie Udo Dreher meint, noch lange nicht vollständig. Er hat nach eigenen Angaben kaum mehr als 50 Planetenwege im In- und Ausland selbst gesehen, hat aber Freunde hinzugewonnen, die ihn mit Bildern und Berichtigungen versorgen. Daraus sei auch die Notwendigkeit erwachsen, die bestehenden Wege genauer unter die Lupe zu nehmen. Er bittet uns, seine Übersicht auf ihre Vollständigkeit und Aktualität hin zu prüfen und ihm unter udreh@online.de fehlende Planetenwege zu melden. Da viele von Sternwarten und Astronomie-Vereinen betreut werden, möchten wir Sie an dieser Stelle dazu aufrufen, Ihre Wege auf der Seite zu prüfen und Herrn Dreher etwaige Änderungen (aktuelle URL, Fotos usw.) mitzuteilen.
Der überaus großen Dichte in Deutschland stehen erstaunliche Lücken in anderen Teilen Europas gegenüber: Für Italien sind lediglich vier Planetenwege (und die nur im Norden des Landes) eingetragen, dafür kann selbst Malta einen vorweisen. Spanien zeigt auf der Karte nur einen, dafür kann Portugal gleich mit dreien aufwarten, das kleine Island ist stattdessen sogar mit zweien dabei und selbst die Shetland-Inseln können ganz hoch im Norden stolz einen Planetenweg darbieten.
So erstaunlich die Ansammlung im vorwiegend westlichen Europa ist, umso mehr fällt die Leere im ganzen Osten auf. Wie Herr Dreher meint, sind es unter anderem auch sprachliche Barrieren, die in Osteuropa die Suche erschweren. Nur in Kroatien und Litauen sind hier Planetenwege gelistet. Suchen wir in der Karte unter dem Begriff ,,weltweit", finden wir in Moskau und Tokio je einen Planetenweg. In Australien hingegen scheint das Interesse daran wieder größer zu sein. Im Süden Afrikas und im Westen Südamerikas wird die Dichte wieder etwas höher, erst in den USA sieht es so aus, als gäbe es ein ähnliches Interesse an Planetenwegen wie bei uns in Westeuropa. Den Gründen hierfür nachzugehen,
die möglicherweise außerhalb der sprachlichen Ursachen in der Bildung oder Kultur zu finden sind, wäre ein interessantes Feld. Aber hier hofft der mittlerweile 81-jährige auf die Unterstützung unserer VdS-Community, um noch viele weitere Planetenwege aufnehmen zu können.
Neugierig geworden? Besuchen Sie unsere Webseite! Die insgesamt mehr als 500 Planetenwege finden Sie im dritten Block auf der Titelseite unter ,,Astronomie für Einsteiger". Sie werden überrascht sein, wo überall und wie viele Planetenwege allein bei uns in Deutschland zu finden sind, manche vielleicht sogar ganz in Ihrer Nähe!
Vorwort zur Rubrik Fachgruppe Astronomische Vereinigungen
von Astrid Gallus
Lassen Sie sich inspirieren von einem besonderen Schmuckstück aus der VdSSchatzkiste: Der Beitrag über die Sammlung von mehr als 500 Planetenwegen von Udo Dreher lohnt ein paar Klicks auf unserer Webseite! Mit den Nordenhamer Sternfreunden erleben wir, wie eine etwas angestaubte Sternwarte zu neuem Leben erweckt werden konnte. Und der überaus lesenswerte Beitrag über den engagierten Einsatz der Dinslakener Amateurastronomen in der Kinder-Akademie in Duisburg kann und wird hoffentlich Ansporn für viele Vereine sein.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 65
Astronomische Vereinigungen
Die Modernisierung der Volkssternwarte Nordenham
von Julian Witschen
Mitte der 1980er Jahre entstand in Nordenham eine Volkssternwarte auf dem Dach des Gymnasiums. Die einige Jahre zuvor gegründete Vereinigung der Nordenhamer Sternfreunde erwirkte, dass ihr Räumlichkeiten auf dem Dach des Gymnasiums Nordenham zur Errichtung einer Volkssternwarte zur Verfügung gestellt wurden. Die 1985 errichtete Sternwarte verfügt bis heute über ein manuelles Dach und über zahlreiche Sitzmöglichkeiten für Gäste, die allesamt auf die zentrale Säule in der Mitte der Beobachtungsplattform zeigen. Diese Säule trägt noch immer das Hauptgerät der Sternwarte, ein orangenes, älteres, aber nach wie vor sehr gutes C14. Weitere Säulen trugen lange Zeit Schmidt-Cassegrains in der Größe zwischen acht und zwölf Zoll, die ebenfalls visuell genutzt wurden. Auch ein Refraktor stand für Beobachtungen zur Verfügung. Zwar entstanden auch einige analoge Fotografien, die bis heute im Vorraum der Warte zu finden sind, doch lag der Schwerpunkt auf der reinen visuellen Beobachtung. Regelmäßige Beobachtungsabende wurden durchgeführt, um Begeisterung für den Sternenhimmel zu wecken, doch dies allein mit Hilfe von visuellen Beobachtungen vor Ort zu bewirken, musste inzwischen überdacht werden.
Nordenham liegt direkt an der Wesermündung in die Nordsee. Genau auf der anderen Seite des Flusses befindet sich Bremerhaven mit seinem gewaltigen Container-Hafen. Die Lichtverschmutzung, die davon ausgeht, ist enorm und nahm stetig zu. Es ist also kein Wunder, dass die Anzahl der beobachtbaren Deep-Sky-Objekte über die Jahre hinweg abnahm - selbst mit größeren Teleskopen. Während das in den 80ern und 90ern noch gut funktionierende Konzept somit nach und nach an Attraktivität einbüßte, wurde es Zeit für ein neues Konzept, um auch über die Beobachtung von Sonne, Mond und Planeten hinaus etwas bieten zu können.
Neuausrichtung 2023 Im August 2023 wechselte Julian Witschen neu an das Gymnasium Nordenham. Der Astrofotograf, der vorher in Ostfriesland als Lehrer tätig war,
1 Sternwarte Nordenham aus der Luft (Bild: Moritz Werremeyer) 2 Der Askar 140 im Einsatz (Bild: Julian Witschen)
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Astronomische Vereinigungen
nahm die Chance wahr, als Sternwartenleiter in Nordenham seine Leidenschaft für die Astronomie stärker ausleben zu können. Auch der Schule kam dies gelegen, denn sie erhoffte sich eine Schnittstelle zwischen Astronomieverein und Schule, um die astronomischen Möglichkeiten stärker in den Unterricht und den Ganztagsbereich einbinden zu können.
Das neue Konzept, das der frisch vom Vorstand gewählte Sternwartenleiter den Sternfreunden vorlegte, sah neben visuellen Beobachtungsabenden eine stärkere Einbindung der Astrofotografie vor. Am Ziel, so viele Menschen wie möglich für die Wunder des Weltalls zu begeistern, änderte sich nichts, aber neu hinzu kam die Nutzung von Social-Media-Kanälen, um dieses Ziel zu erreichen und neue Zielgruppen anzusprechen. Dem Verein fiel längst auf, dass es schwerer wurde, auch jüngere Leute zu erreichen. Die hohe Affinität jüngerer Zielgruppen für Social Media legte daher nahe, auch auf Plattformen wie Instagram oder YouTube präsent zu sein und für die Arbeit des Vereins zu werben. Nun sollte es verstärkt darum gehen, hochauflösende und beeindruckende Astrofotografien zu gewinnen, die wiederum im Rahmen der Astronomie-AG des Gymnasiums inhaltlich aufgearbeitet werden, bevor sie auf den Social-Media-Kanälen veröffentlicht werden. Dazu brauchte es jedoch zuallererst neue Technik.
Die Nordenhamer Sternfreunde scheuten keine Kosten, um modernste Geräte für diese Zwecke anzuschaffen. Schon bald war von den älteren Teleskopen nur noch das C14 auf der Hauptsäule zu finden. Die anderen wurden durch drei neue Montierungen und Teleskope ersetzt. Als fotografisches Hauptgerät wurde eine EQ8r als Basis angeschafft, auf der ein großes Newton-Teleskop thronen sollte, das vor allem für die hochauflösende Fotografie von Galaxien und kleinen Deep-SkyObjekten gedacht war.
Es dauerte nicht lange, bis erste Bilder damit aufgenommen wurden. Gleichzeitig wurde schnell deutlich, dass nicht nur die Lichtverschmutzung
3 Beobachtungsabend auf der Volkssternwarte Nordenham (Bild: Julian Witschen)
4 Mars am
16.02.2025, aufgenommen mit C14, 2x Barlow und ZWO ASI 715MC (Bild: Julian Witschen)
Journal für Astronomie Nr. 96 | 67
Astronomische Vereinigungen
5 Nebelkomplex NGC 6914, Belichtungszeit 3 Std. 52 Min. (Einzelbelichtungen zu je 120 s bei Gain 100, ZWO ASI 2600MC),
Teleskop: Askar 103 mit 0,6x-Reducer auf Celestron AVX (Bild: Julian Witschen)
6 Pferdekopf- und Flammennebel, aufgenommen am 16. und 17. Februar 2025. Equipment: Askar 140 mit 0,8x-Reducer
auf Celestron CGX, ZWO ASI 2600MC, Einzelbelichtungen zu je 120 s bei Gain 100.
68 | Journal für Astronomie Nr. 96
Bremerhavens einschränkend wirkte. Auch die turbulente Luft, die nicht untypisch bei direkter Nordseelage ist, erschwerte die punktgenaue Abbildung der Sterne. Nur an wenigen Abenden im Jahr ist das Seeing so gut, dass sehr hoch auflösende Bilder aufgenommen werden können. Mit Hilfe großzügiger Spenden aus der Region wurden noch zwei weitere fotografische Systeme angeschafft, die aufgrund einer geringeren Brennweite weniger anfällig für schlechtes Seeing sein sollten.
So wurden ein Askar 103 auf einer Celestron AVX mit einer ZWO-ASI-2600MCKamera angeschafft sowie ein etwas stärker vergrößernder Askar 140 auf einer Celestron CGX, ebenfalls mit ZWO ASI 2600MC. Weil diese Systeme relativ pflegeleicht und zugänglich sind, lieferten sie seit der Anschaffung und Einrichtung hervorragende Ergebnisse, auch bei moderatem bis weniger gutem Seeing und bei kurzen Belichtungszeiten. Zwar wäre es optimal, wenn die Geräte in klaren Nächten von Anfang bis Ende durchbelichten könnten, doch dafür fehlt es derzeitig noch an geschulten Mitgliedern. Auch Julian Witschen selbst kann nicht jede Nacht durchbelichten, da er oftmals schon frühmorgens wieder im Unterricht sein muss. Dennoch: Mit den drei fotografischen Systemen, von denen in der Regel mindestens zwei gleichzeitig arbeiten, wenn der Himmel klar ist, kann das neue Konzept gelungen umgesetzt werden, da es die Erfordernisse des Vereins und die Gegebenheiten der Region passend berücksichtigt.
Inzwischen hat sich die Umsetzung eingespielt: Auf der Sternwarte finden weiterhin regelmäßig Beobachtungsabende statt, die visuelle Eindrücke und das Gefühl vermitteln sollen, wie es ist, den Himmel mit eigenen Augen durch ein Teleskop zu
beobachten. Ergänzend hinzu kommen die Astrofotografien, die mit der Astronomie-AG der Schule aufgearbeitet werden, auf Social-Media-Kanälen verbreitet werden und somit in der Region und auch darüber hinaus für den Verein, die Volkssternwarte und die damit verbundenen Aktivitäten werben sollen. So erhoffen sich die Nordenhamer Sternfreunde, auch im 21. Jahrhundert gut aufgestellt zu sein, um Menschen für die Astronomie zu begeistern. Jedes Aha-Erlebnis, das erzielt wird und an das sich beim nächsten Blick in den klaren Himmel zurückerinnert wird, ist ein Erfolg für die Vereinsarbeit.
Sternwartenleiter Julian Witschen erhofft sich nicht nur viele beeindruckende Aufnahmen, die hoffentlich noch weiter an Qualität zunehmen und möglichst viele Menschen erreichen, sondern auch eine weitere Unterstützung aus der Region, die bisher schon überwältigend war - schließlich ist es beachtlich, wie sich die Sternwarte in den letzten zwei Jahren von einer rein visuellen und etwas in die Jahre gekommenen Sternwarte hin zu einer modernen und vielseitigen Volkssternwarte entwickelt hat, was ohne großzügige Spenden und die harte Arbeit der Vereinsmitglieder nicht möglich gewesen wäre.
Die Nordenhamer Sternfreunde freuen sich stets über Besucher, Interessierte, neue Mitglieder und Unterstützung. Alles Wissenswerte rund um Verein und Angebote wird auf der Homepage gebündelt: www.nordenhamer-sternfreunde.de
Neueste Astrofotografien, Videos und Ergebnisse, die mit Hilfe der Sternwarte gewonnen wurden, gibt es bei Instagram (@astrogymnordenham) oder bei YouTube (www.youtube.com/@AstroGymNordenham).
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Kinder-Akademie: Komm mit uns ins Weltall!
von Frank Lummer und Robert Wendels
Anfang 2024 führte das Familienzentrum Vierlinden in Duisburg in Zusammenarbeit mit den Dinslakener Amateurastronomen (DAA) eine Kinder-Akademie unter dem Titel ,,Komm mit uns ins Weltall!" durch. Von Seiten der DAA haben Frank Lummer und Robert Wendels das Projekt während dieser vier Monate betreut.
Zuerst möchten wir uns und das Projektziel kurz vorstellen: Das Familienzentrum Vierlinden ist eine Elterninitiativkindertagesstätte für Kinder vom 1. Jahr bis zur Einschulung [1]. Die pädagogische Arbeit ist durch einen situationsorientierten Ansatz geprägt. Das einzelne Kind und seine Lebenssituation stehen im Mittelpunkt.
Die Dinslakener Amateur-Astronomen sind eine Interessengemeinschaft, die die Sternwarte Dinslaken betreibt und in Dinslaken Ansprechpartner für alle ist, die sich für das Thema Astronomie interessieren [2]. Es ist die einzige Sternwarte in Deutschland, die in einem Jugendzentrum untergebracht ist.
1 Zugang zum ,,Weltraumzentrum Vierlinden" (Bild: Frank Lummer)
Das von der KiTa Vierlinden geplante Projekt richtete sich an die Kinder und ihre Familien. Die Kinder sollten kreative, sprachliche und naturwissenschaftliche Impulse erhalten. Wissenschaft sollte für die Familien erlebbar werden mit dem Ziel, den Erfahrungshorizont der Kinder zu erweitern. Die Kinder sollten den Weltraum spielerisch entdecken, Sterne erforschen und die Umgebung aktiv gestalten.
Wir von den DAA waren sehr überrascht, als das Familienzentrum auf uns zukam und nachfragte, ob wir Lust hätten, in einem mehrmonatigen Projekt Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren das Thema Astronomie und Raumfahrt näherzubringen. Das erste Treffen überzeugte uns sofort und wir waren begeistert und überrascht von
2 Die Planetenreihenfolge mit Planetenbildern (Bild: Frank Lummer)
dem Engagement, mit dem die Leitung und Erzieherinnen das Projekt mit Leben füllen wollten, und wir vereinbarten, mindestens einmal oder notfalls mehrmals die Woche die Einrichtung zu besuchen.
Das ganze Projekt gliederte sich in zwei Teile. Der erste Teil bestand aus drei Kursen: ,,Ausbildung zum Astronauten", ,,Unser Sonnensystem" und ,,Astronautenausstattung". Im zweiten Teil bauten die Kinder eigene Raketen mit Alltags- und Recyclingmaterialien.
Allem zu Grunde lag das Buch ,,Armstrong - Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond" [3]. In dem Buch geht es um eine Maus mit Namen Armstrong, die allen Mäusen nach eigener intensiver Beobachtung durch ein Teleskop beweisen wollte, dass der Mond aus Gestein und nicht aus Käse besteht. Lesenswert.
Wir starteten als erstes mit einem Besuch der Sternwarte, verteilt auf drei Tage. Wir richteten die Sternwarte auf den Besuch von ,,kleinen Menschen" ein und bereiteten ein kleines Planetarium mit musikalischer
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Astronomische Vereinigungen
Untermalung vor sowie diverses Malmaterial zur Beschäftigung. Weder die Erzieherinnen noch wir wussten, was so ein Besuch für die Kinder wirklich bedeutet, und die erste Gruppe betrat die Einrichtung mit einem Lautstarken ,,Oh" und ,,Boah". Von der ersten Minute an gab es viel zu erzählen über Planeten, Kometen und fremde Welten. Der Besuch der Sternwarte selbst mit der drehbaren Kuppel war wohl für die Kinder ein faszinierendes Ereignis. Anschließend gab es ein gemeinsames Frühstück, bei dem noch das letzte ,,Fremdeln" selbst bei den Schüchternsten abgebaut wurde. Nach diesen drei Tagen fühlten wir uns alle schon wie eine kleine Familie.
3 In der Astronauten-Kleiderkammer (Bild: Robert Wendels)
Danach standen wöchentliche Besuche im Kindergarten von uns an, in denen wir den einzelnen Kindergruppen den Mond, die Planeten, die Entfernungen dazu sowie Kometen und Sternbilder näherbrachten. Der Spruch ,,Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel" war den Kindern schnell geläufig und auch die Entfernungen mit der Reisezeit eines Autos schnell vermittelt. Erstaunlich, wie schnell Kinder die Namen der Planeten auswendig lernen und behalten. Als die Lesepädagogin nach zwei Monaten das Buch zum Einstieg vortrug und die Kinder fragte, was man denn durch ein Teleskop überhaupt sehen könnte (sie wollte ja auf den Mond hinaus), kam von den Kindern spontan die Antwort ,,Venus, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto" (Pluto scheint für die Kinder irgendwie faszinierend zu sein, da hat sich die IAU keinen Gefallen getan). Was uns natürlich mächtig stolz machte und zugleich verblüffte, da dieses Thema dann doch schon einige Wochen zurücklag.
In den darauffolgenden Wochen wurden wir jedes Mal im Kindergarten mit einem lauten Hallo und vielem Lachen begrüßt und galten bald als die eigenen ,,Kindergarten-Opas".
4 Modelle von Sonne, Erde, Mond und unserem Sonnensystem aus dem 3D-Drucker
(Bild: Frank Lummer)
Auf der sprachlichen Ebene haben wir viel mit Geschichten und Erzählungen gearbeitet. Die Bedeutung der Astronomie für die Menschen in der Frühzeit und Antike wurde erläutert, die Sternbilder wurden gezeigt und die Kinder waren fasziniert von den Interpretationen der Bilder und den Geschichten aus der griechischen Mythologie.
Entscheidendes Element in der Wissensvermittlung waren aber Modelle (Abb. 4), die wir zur Verfügung stellen konnten (gut, dass Herr Lummer als Hobby 3D-Druck betreibt). Verschiedene Modelle des Sonnensystems wurden eingesetzt, Raketenmodelle, eine Mondphasenbox und eine Sonnenuhr (Abb. 7). Die Kinder konnten
Journal für Astronomie Nr. 96 | 71
Astronomische Vereinigungen
5 Raketenmodelle
zur Veranschaulichung aus dem 3D-Drucker (Bild: Frank Lummer)
anzügen zu Astronauten ernannt wurden und eine Urkunde überreicht bekamen.
Als die Kinder bei der Abschlussfeier erfuhren, dass wir nun nicht mehr kommen würden, konnten sie es gar nicht glauben. Da flossen einige Tränen und das nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei uns.
durch Teleskope schauen, ein Mondglobus, eine drehbare Sternenkarte und eine Vielzahl von Fotos verblieben während der ganzen Zeit in der KiTa.
Das Thema Raumfahrt wurde ebenfalls ausgiebig behandelt, da die Kinder ja zu kleinen Astronauten ausgebildet werden sollten und sich natürlich auch mit Raketen und Raumschiffen auskennen müssen. Selbstverständlich wollten alle Astronauten werden, nur als das Thema mit dem Toilettengang aufkam, waren doch einige Irritationen erkennbar. Zu der Zeit mit Windeln und Töpfchen wollten sie dann doch nicht mehr zurück.
schaft mit ins All nahmen, und die Kinder unbedingt ihre eigenen Beiträge in die Unendlichkeit reisen lassen wollten.
Der Abschluss bestand dann aus einem großen Fest mit den Eltern, bei denen die Kinder dann in ihren selbstgebastelten Raum-
Neben dem Spaß, den alle im Projekt hatten, wurde von der Leitung der KiTa besonders hervorgehoben, dass die Akademie ihre Ziele erfüllt hat. Beobachtungen und Elternreaktionen zeigen ein verstärktes Interesse an naturwissenschaftlichen Themen und eine gestärkte Sprachkompetenz durch erweiterten Wortschatz, die erzählten Geschichten und die reflektierten Dialoge.
Dieser Erfolg ist unserer Meinung nach auf drei Faktoren zurückzuführen: 1. Das Engagement und die Kreativität der
Erzieherinnen, die es geschafft haben,
Die letzten Aktionen waren dann der eigene Raketen- und Raumschiffbau, bei denen die Kinder (und auch die Kindergarten-Opas) einen Heidenspaß hatten. Die Erzieherinnen waren, zumindest am Anfang, vielleicht ein wenig irritiert, dass die Einstellung ,,big is not big enough" sich auch beim Basteln anwenden lässt. So gab es einige Raketen, die sich durchaus an der 2-Meter-Grenze bewegten. Dazu wurden diese fleißig mit alten CDs beklebt, da wir den Kindern ja erklärt hatten, dass die Pioneer- und Voyager-Raumsonden eine Bot-
6 Wer hoch fliegen
will, braucht auch eine große Rakete. (Bild: Robert Wendels)
72 | Journal für Astronomie Nr. 96
Astronomische Vereinigungen
das Thema über vier Monate durch eine Vielzahl von Ideen und Aktivitäten interessant zu gestalten und somit am Leben zu halten. 2. Die Vorgehensweise, dass wir bei all unseren Aktivitäten immer als erstes die Frage gestellt haben, ob und wie man das Thema kindgerecht und einfach darstellen kann, und dann die entsprechenden Mittel erstellt haben. 3. Die Tatsache, dass ein enges Vertrauensverhältnis zwischen den Erzieherinnen, den Kindern und uns entstand, weil es während des gesamten Projekts jede Wo-
che die gleichen ,,Opas von der Sternwarte" waren, die mit den Kindern gespielt und gearbeitet haben.
Alles in allem können wir den Lesern nur ans Herz legen, ähnliche Projekte zu überlegen. Es ist erstaunlich, was Kinder an Feedback zurückgeben, und wir freuen uns immer wieder über ein ,,Hallo Herr Lummer, hallo Herr Wendels" wenn eines der Kinder uns zufällig trifft und uns schon von Weitem freudig zuwinkt (manchmal sehr zum Erstaunen der Eltern).
7 Einfache Sonnenuhr aus Papier
(Bild: Robert Wendels)
Literatur- und Internethinweise (Stand: 31.08.2025):
[1] Familienzentrum Vierlinden Duisburg: Homepage,
[1]
http://familienzentrum-vierlinden.de/
[2] Sternwarte Dinslaken: Homepage, www.sternwarte-dinslaken.de
[3] T. Kuhlmann: ,,Armstrong: Die abenteuerliche Reise einer Maus zum
Mond", www.torben-kuhlmann.com/bilderbüchercher/armstrong/
[2]
[3]
Beobachtung atmosphärischer Erscheinungen über Webcams (Teil 1)
von Claudia Hinz
Leider ist durch die Automatisierung der Wetterwarten die Wetterbeobachtung komplett weggefallen. Aber gerade diese war interessant, um theoretisches Wetter praktisch zu erleben, Wolkenarten zuzuordnen oder atmosphärische Erscheinungen zu analysieren.
Ich selbst begann mit der systematischen Beobachtung von Webcams bereits im Jahre 2013. Als ich nach 13 Jahren Dienst auf der Wetterwarte Wendelstein mehrfach aushilfsweise auf der Zugspitze verweilte, fiel mir auf, dass Glorien hier sehr viel häufiger waren als auf tieferen Bergen. Für eine Häufigkeitsstatistik verwendete ich für die Zeiten, auf denen ich nicht auf der Zug
spitze sein konnte, eine der ersten installierten Webcams von panomax.at, welche der Betreiber Klaus Meiringer in einem meiner Dienste vor Ort installierte.
Die Möglichkeiten, die sich damit boten, offenbarten sich erst in der Folgezeit und mit zunehmend dichter werdendem Kameranetz. Denn die Kameras haben gegenüber dem Menschen den entscheidenden Vorteil, dass sie immer im Einsatz sind, unabhängig vom Wetter, der Tageszeit oder der Passierbarkeit der Berge im Winter. Anfangs wurden die Kameras beider verwendeter Netze [1, 2] hauptsächlich in den Alpen installiert. Alle 10 Minuten zeichnen sie ein Bild auf und lassen den ,,Beobach-
ter" daheim im trockenen Stübchen an der Schönheit und vielen Besonderheiten der Berge teilhaben. Inzwischen gibt es zunehmend auch Standorte im Tiefland und in anderen Ländern.
Boten die Panoramen von Panomax zu Beginn ,,nur" Tagesbilder, die maximal bis zur Bürgerlichen Dämmerung verwendbare Fotos lieferten, sind heute vermehrt hochwertige Tag- und Nacht-Kameras im wetterfesten beheizten Gehäuse im Einsatz, die bis zu 230 Megapixel große 360 Grad -Bilder aufnehmen. Für kleinere Blickwinkel (100 Grad ) werden mehrere Spiegelreflexkameras mit Superweitwinkel mit bis zu 40 Megapixel Bildgröße verwendet. Die Panocams eig-
Journal für Astronomie Nr. 96 | 73
Atmosphärische Erscheinungen
1 Seltene Glorie an Mondlicht, aufgenommen am 07.08.2017 von der Webcam Bad Kleinkirchheim (Quelle: foto-webcam.eu)
nen sich vor allem für Aufnahmen großflächiger Phänomene wie Eisnebelhalos, die dann in ihrer kompletten Schönheit abgebildet werden. Aber auch Elmsfeuer an nahen spitzen Gegenständen sind sehr gut erkennbar.
Da ich mich in meiner Freizeit mit Wolken und atmosphärischen Erscheinungen beschäftigte, boten die Kameras zahlreiche Möglichkeiten interessanter Untersuchungen, von denen ich einige Beispiele nachfolgend aufführen möchte.
lich möglich ist, und zeigten bisher kaum beobachtete Haloarten, wie Unterhorizontalkreis mit Unter-120 Grad -Nebensonnen, die Untergegensonnenbögen oder die unteren Verläufe von Sonnenbogen und Wegeners Gegensonnenbogen.
Foto-Webcam.eu verwendet hauptsächlich die Canon-EOS-2000D-Spiegelreflex und die spiegellose Systemkamera Nikon Z 50/ Z 7II mit verschiedenen Objektiven. Am wetterfesten Edelstahl-Gehäuse befinden sich meist zusätzlich Sensoren für Temperatur, Feuchte und manchmal auch Windmessung, die sich bei jedem Webcambild grafisch darstellen lassen und oft für Auswertungen wertvolle Infos zur Wettersituation liefern.
Die Nutzungsbedingungen erlauben mit Quellenangabe auch die ausschnittsweise Nutzung der Fotos, so dass diese sich gut als Illustrationen für Artikel anbieten. Im Archiv lassen sich bei beiden Kameranetzen fast alle Fotos seit der Kamerainstallation abrufen und in größter vorhandener Auflösung downloaden.
Unterhorizonthalos in Eisnebel In einigen Gebirgsregionen, z. B. im Erzgebirge im Bereich des Böhmischen Nebels, auf Alpenpässen oder in Skigebieten, wo die Partikel aus Schneekanonen als zusätzliche Kondensationskeime fungieren, sind Eisnebelhalos im Winter recht häufig zu sehen. Ist der Berg entsprechend steil und befinden sich auch Eiskristalle unterhalb des Horizontes, kann man mitunter Haloarten sehen, die im Tiefland dem Auge komplett verborgen bleiben (Abb. 4-6). Am häufigsten sind die Untersonne (die an schwebenden Eisplättchen gespiegelte Sonne, die sich so weit unterhalb des Horizontes befindet, wie die Sonne darüber) und die beiden farbigen Unternebensonnen zu sehen. Die im Winter rund um die Uhr auf den Bergen ausharrenden Webcams enthüllten aber, was unterhalb des Horizontes wirk-
Zirkumhorizontalbogen am Mond in Eisnebel Auch andere Webcamfunde überraschten den passionierten Halobeobachter. So zeigten am 30.11.2020 die Webcams von Kleinkirchheim in den österreichischen Nockbergen einen hellen und farbigen Zirkumhorizontalbogen am Mond in Eisnebel (Abb. 7). Diese Haloart ist fast ausschließlich von der Sonne bekannt, wo sie normalerweise ab einer Sonnenhöhe von 58 Grad unterhalb im 46 Grad -Bereich entsteht, weshalb die Sichtbarkeit auf eine kurze Zeit um die Sommersonnenwende beschränkt ist. Der Mond erreicht vor allem im Winter und Frühjahr entsprechende Höhen, doch ist sein Licht nicht hell genug, um einen visuell deutlich sichtbaren Zirkumhorizontalbogen zu erzeugen. Dachten wir zumindest - bis uns dieser Webcamfund (und einige
74 | Journal für Astronomie Nr. 96
Atmosphärische Erscheinungen
2 Doppelter Mondregenbogen,
aufgenommen am 24.10.2018 von der Webcam Obervellach (Quelle: foto-webcam.eu)
ähnliche Funde später) eines Besseren belehrten und wir aus dem Staunen kaum noch herauskamen. Vor allem die außerordentliche Helligkeit dieses Mondhalos hat uns sehr verblüfft.
Häufigkeit von Glorien Eine Glorie entsteht durch Lichtbeugung im Gegensonnenbereich, also dann, wenn der Schatten des Beobachters quasi auf die winzigen Wassertröpfchen einer Wolke
bzw. einer Wolkendecke fällt. Im Tiefland ist diese Erscheinung kaum beobachtbar, da bodennahe Nebelfelder mit gleichzeitig einfallender Sonne nur selten vorkommen. Erst an höher gelegenen Standorten befin-
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Journal für Astronomie Nr. 96 | 75
Atmosphärische Erscheinungen 76 | Journal für Astronomie Nr. 96
Atmosphärische Erscheinungen
3 Links: Wolkenbogen, aufgenommen am 12.12.2021 an
der Webcam Mayrhofen Bergbahnen Schafkopf (Quelle: www.panomax.com)
4 1. Bild über Doppelseite: Unterhorizonthalos
Untersonne, Unternebensonnen, Unterhorizontalkreis, Unter-120 Grad -Nebensonne, Untergegensonnenbögen, aufgenommen am 03.12.2020 von der Webcam Saalbach Schattenberg (Quelle: www.panomax.com)
5 2. Bild über Doppelseite: Unterhorizonthalos
Horizontalkreis mit 120 Grad -Nebensonnen und Unterhorizontalkreis mit Unter120 Grad -Nebensonne, u. a., aufgenommen am 09.01.2024 von der Webcam Iltios (Quelle: www.panomax.com)
6 3. Bild über Doppelseite: Unterhorizonthalos
Untersonne, Unternebensonnen, Unterhorizontalkreis, unterer Teil des Wegener Gegensonnenbogens, unterer Teil des Sonnenbogens, u. a., aufgenommen am 27.12.2021 von der Webcam Mayrhofen Bergbahnen Schafkopf (Quelle: www.panomax.com)
Journal für Astronomie Nr. 96 | 77
Atmosphärische Erscheinungen
7 Zirkumhorizontalbogen am Mond in Eisnebel, aufgenommen am 30.11.2020 um 23:40 Uhr in Bad Kleinkirchheim.
(Quelle: foto-webcam.eu)
den sich Wolken in Augenhöhe oder dar- Leuchtenden Nachtwolken sowie atmo-
unter. Dennoch galt die Glorie lange Zeit als sphärische Störungen auf der Südhalbkugel
selten und es gab keinerlei Aussagen über durch den Ausbruch des Hunga Tonga be-
deren Häufigkeit. Eigene Beobachtungen richtet.
und vor allem die spätere Sammlung von
Webcambildern von der Zugspitze und
anderen Bergen in verschiedenen Höhen
Literatur- und Internethinweise (Stand 31.08.2025): [1]
offenbarten einen sprunghaften Anstieg
[1] Foto-webcam.eu: ,,Webcam-Übersicht",
des Auftretens mit der Höhe. Während bei-
www.foto-webcam.eu
spielsweise auf dem Fichtelberg (1.215 m)
[2] Panomax: Homepage, www.panomax.com/
etwa 3 Glorien pro Jahr auftreten, sind es
all-cameras.html
[2]
auf dem 1.838 m hohen Wendelstein knapp
[3] C. Hinz, G. Können: ,,Ungewöhnliche Glorien",
10 und auf der Zugspitze durchschnittlich
VdS-Journal für Astronomie 26 (II/2008), S. 58;
27 Glorien pro Jahr. Die Ursache ist natür-
https://journal.sternfreunde.de/Jpdf/VdS-
lich, dass die Chance, Wolken in Augenhö-
Journal_26.pdf
[3]
he und unter sich zu haben, mit zunehmen-
der Höhe ansteigt [3].
Im Teil 2 des Beitrags wird über den Mondregen- und Wolkenbogen, über Häufigkeit und Entstehung von St. Elmsfeuer, über südlichstes Auftreten von Polarlicht und
78 | Journal für Astronomie Nr. 96
Astrophysik & Algorithmen
Doppelsterne: Beugungsmuster lesen
von Sebastian Schmid
Doppelsterne unterhalb der Dawes-Grenze erkennen Ich stelle hier eine visuelle Methode vor, mit der enge Doppelsterne erkannt werden können - auch dann, wenn sie längst nicht mehr trennbar sind. Bei der visuellen Doppelsternbeobachtung liegt der Fokus bisher meist auf der zentralen Beugungsscheibe. Doch unterhalb der Rayleighoder Dawes-Grenze verschwimmt diese Trennung. Wenn man statt des Zentrums aber die umgebenden Beugungsringe betrachtet, zeigen sich Muster, anhand derer man eindeutig auf eine Doppelsternnatur rückschließen kann.
Ich freue mich, wenn andere Sternfreunde diese Methode ebenfalls testen und meine Erfahrungen bestätigen können.
Doppelsterne zeigen andere Beugungsmuster Einzelsterne erzeugen im Okular ein gleichmäßiges, konzentrisches Muster: eine zentrale helle Scheibe, umgeben von feinen, kreisrunden Beugungsringen - das klassische Airy-Muster. Bei engen Doppelsternen hingegen überlagern sich die Muster beider Komponenten. Dadurch entstehen
auffällige Störungen in den Ringen - insbesondere keilförmige Helligkeitsstrukturen (ich nenne sie ,,Arme"), die radial vom Zentrum ausgehen. Je nach Separation zeigen sich zwei, vier oder mehr dieser Arme. Sie erlauben es, den Abstand und mitunter auch den Positionswinkel deutlich zuverlässiger abzulesen als am zentralen Lichtfleck selbst.
Welche Musterform Doppelsterne zeigen, hängt von der Teleskopöffnung ab. Für gleichhelle Sterne mit ähnlichem Spektrum erscheinen die Muster in der Nähe der Dawes-Grenze meist vierarmig; bei der Hälfte des Dawes-Abstands treten zwei Arme auf (vgl. Abb. 1). Um diese Strukturen erkennen zu können, braucht es keine Spezialausrüstung und keine elektronische Nachbearbeitung. Ein gutes Seeing genügt - vorausgesetzt, die Optik ist hochwertig und der Stern hell genug, damit die Beugungsringe überhaupt sichtbar werden.
Stabil oder flimmernd? Die Fragilität des Musters Neben der eigentlichen Form des Beugungsmusters liegt ein weiterer Unterschied zwischen Einzel- und Doppelsternen in
dessen Stabilität. Muster von Einzelsternen wirken ruhig, klar und fast majestätisch - sie behalten ihre Form selbst bei leichten Luftunruhen oder Fokusabweichungen. Manche Doppelsterne hingegen zeigen ein flirrendes, instabiles Bild: Die Strukturen springen und verändern sich schon bei minimalen Störungen. Dieses Phänomen der Störanfälligkeit nenne ich ,,Fragilität". Sie ist ein Erkennungsmerkmal des Musters.
Vergleichen macht sichtbar Wie armig, rund oder fragil ein Muster erscheint, zeigt sich am deutlichsten im direkten Vergleich mit geeigneten Einzelsternen. Sie sollten ein ähnliches Spektrum, ähnliche Helligkeit und Horizonthöhe aufweisen.
Das Musterprofil: tiefer blicken, sicherer unterscheiden Mit diesem Wissen ausgerüstet werden in besonders ruhigen Nächten mit geringem Jet-Stream plötzlich deutliche Unterschiede zwischen Doppel- und Einzelsternen sichtbar. Einzelsterne zeigen ihre gleichmäßige, konzentrische Struktur, enge Doppelsterne hingegen wirken schon auf den ersten Blick armig und unruhig.
1 Airy-Muster. Links: Einzelstern, Mitte: zweiarmiges Muster (Abstand: ca. 57``/D), rechts: vierarmiges Muster (Abstand: ca. 114``/D).
Alle Abbildungen sind Simulationsergebnisse für gleichhelle, ähnlichfarbige Komponenten, die in etwa den visuellen Okulareindruck wiedergeben (Photoshop, Airy-Ringe nach Besselfunktion in multiplizierender Ebenenüberlagerung und Unschärfefiltern).
Journal für Astronomie Nr. 96 | 79
Astrophysik & Algorithmen
2 Der Unterschied zwischen dem
Musterprofil des Doppelsterns Zeta Bootis und den vier Vergleichssternen fällt sofort auf. Beobachtet mit 318 mm Öffnung.
Doch in vielen Nächten verhindert unruhiges Seeing eine sichere Einordnung auf den ersten Blick. Hier hilft ein einfacher Trick, der die Beobachtung verfeinert: Statt sich auf einen einzigen Moment-Eindruck zu konzentrieren, wird über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet. Alle 2-3 Sekunden wird festgehalten, wie das Muster gerade erscheint - ob rund, armig oder chaotisch. Diese Eindrücke werden am besten diktiert und später als Verteilung dargestellt - das Musterprofil.
Dazu dient ein einfaches Schema: r = rund: gleichmäßig konzentrisch, wie
eine Zielscheibe a = armig: die Zielscheibe wirkt radial un-
terbrochen, Bögen bilden sich nur in bestimmte Richtungen aus, mindestens zwei klar erkennbare, symmetrische Helligkeitsarme c = chaotisch: flimmernd, instabil, ohne klare Struktur
So entstehen charakteristische r-a-c-Verteilungen. Anhand dieser Musterprofile lässt sich schon nach wenigen Minuten wie an Fingerabdrücken ablesen, welcher Art die Natur des Sternes ist (vgl. Abb. 2).
Typische Profile In der Praxis zeigen sich unterhalb der Dawes-Grenze drei typische Musterverteilungen: R-a-c: Einzelsterne = vor allem rund, kaum Arme, wenig chaotisch r-A-C: Doppelsterne im oberen SubDawes-Bereich (zwischen halber DawesGrenze und Dawes-Grenze) = oft armig, oft instabil und chaotisch
R-A-c: Doppelsterne im unteren SubDawes-Bereich (unterhalb der halben Dawes-Grenze) = einerseits rundes Muster, andererseits doch gleichzeitig eine vorherrschende Richtung des Musters erkennbar. Großbuchstaben markieren Anteile über 33%. Gerade weil diese Muster statistisch fassbar sind, könnten sie künftig auch in der Ausbildung, an Sternwarten oder für visuelle Voruntersuchungen wissenschaftlicher Programme genutzt werden.
Selbst beobachten Wer diese Methode selbst testen möchte, braucht keine spezielle Fotoausrüstung - beobachtet wird rein visuell.
1. Zielstern auswählen: Am besten eignen sich enge Doppelsterne mit bekanntem Abstand und möglichst ähnlicher Helligkeit beider Komponenten. Für den Einstieg empfehle ich Systeme mit einem Abstand zwischen halber und ganzer Dawes-Grenze (Richtwert: ca. 57''/D bis 116''/D, wobei D die Öffnung des Teleskops in Millimetern ist). Je heller der Stern - und je größer die Öffnung - desto besser sind die Beugungsringe zu sehen. Idealerweise steht der Stern möglichst hoch am Himmel.
2. Vergleichssterne wählen: Helligkeit, Spektraltyp und Höhe sollten möglichst ähnlich sein - so lassen sich Unterschiede im Muster besser erkennen.
3. Beobachten und vergleichen: Abwechselnd Zielstern und Vergleichssterne betrachten und Unterschiede in den Ringen wahrnehmen. Wer möchte, kann erste Skizzen anfertigen.
4. Gegebenenfalls auch das Musterprofil erfassen: Über mehrere Minuten alle 2-3 Sekunden die aktuelle Musterkategorie laut ansagen (,,r - a - c - a - a - r ...") und zum Beispiel ins Smartphone diktieren. Schon rund 100 Intervalle reichen für ein erstes Profil. Je öfter wiederholt, desto sicherer das Ergebnis. Möglichst zügig zum Vergleichsstern wechseln und einige Male im Wechsel wiederholen.
Fazit Es macht nicht nur Spaß, Beugungsmuster zu lesen, es eröffnet neue Horizonte in der visuellen Astronomie. Probieren Sie's aus - mit etwas Geduld und Ruhe lässt sich auch unterhalb der Dawes-Grenze Erstaunliches entdecken.
Internethinweise (Stand 31.08.2025): [1] T. Napier-Munn, 2008: "A Mathemati-
cal Model to Predict the Resolution of Double Stars by Amateurs and Their Telescopes", Journal of Double Star Observations Vol. 4, p. 156; www. jdso.org/volume4/number4/Napier_ Munn.pdf [2] K. Fisher, 2008: "Amateur Astronomy Projects: Rules-of-thumb for splittingdouble stars with Peterson and Lord algorithm split calculators", https:// fisherka.csolutionshosting.net/astronote/astromath/ueb/Unequalbinaries.html?utm_source=chatgpt.com
[1]
[2]
80 | Journal für Astronomie Nr. 96
Astrophysik & Algorithmen
Sonnenfinsternisse und Bessel-Elemente
von Uwe Pilz
Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond zwischen Sonne und Erde. Um über den Verlauf etwas aussagen zu können, benötigt man also den genauen Ort dieser beiden Körper am Himmel - und zwar in sehr hoher Genauigkeit. Schließlich will man als Beobachter nicht knapp außerhalb der Finsterniszone landen. Für unsere Vorfahren war dieses Problem noch viel größer, da die vielen hundert Terme der Ortsbestimmung mühsam per Hand verrechnet werden mussten. Friedrich Wilhelm Bessel führte Anfang des 19. Jahrhunderts eine gut handhabbare Methode ein, die so genannten ,,Besselschen Elemente" der Finsternis. Bessels Idee ist überraschend einfach. Er untersucht die Bewegung des Schattenkegels in einer Ebene, welche durch den Erdmittelpunkt geht und senkrecht auf der Verbindungslinie Sonne - Mond steht. Koordinatenursprung ist der Erdmittelpunkt und Maßeinheit der Erdradius. In dieser Ebene bewegt sich der Schatten fast geradlinig. Die Erde dreht sich aber unter dem Mondschatten hinweg (Abb. 1). Durch wenige Ortsbestimmungen von Sonne und Mond kann die Bewegung durch eine Näherungsformel mit hoher Genauigkeit abgebildet werden. Unter Verwendung dieser Näherungsformeln kann dann der topozentrische Verlauf mit relativ wenigen Rechenschritten ermittelt werden. Die Koeffizienten der Näherungsformeln für den Ort der Schattenspitze, die Größe des Schattens und einiger weiterer Werte sind tabelliert. Gedruckt erhältlich ist das Buch von Jean Meeus [1], die NASA gibt solche Elemente für mehrere Jahrtausende heraus [2]. Ich habe eine csv-Datei aller verfügbaren Elemente heruntergeladen und lege sie mit den Programm-Materialien zu dieser Aufsatzserie ab.
1 Sonnenfinsternis vom 1. August 2008: Der Mond und damit sein Schatten bewegt
sich von der Sonne aus gesehen fast geradlinig über die Erdscheibe, die unter dem Schatten rotiert.
rechnen. Die Koordinaten und alle anderen Größen sind auf die Referenzstunde bezogen: Das ist die dem Finsternismaximum nächstgelegene Stunde. Das Maximum der
Finsternis am 1. August 2008 war 10:22 Uhr ,,dynamischer Zeit" TDT, welche sich nur wenig von der Weltzeit UT unterscheidet. Die Referenzstunde ist also 10 Uhr TDT.
Um eine erste Idee vom globalen Verlauf der Finsternis zu bekommen, genügt es, den Verlauf der Koordinaten x und y auszu-
2 Sonnenfinsternis vom 1. August 2008: Spur der Schattenachse (Zentrallinie).
Journal für Astronomie Nr. 96 | 81
Astrophysik & Algorithmen
Um die Koordinaten für einen anderen Zeitpunkt zu berechnen, benutzt man die Differenz t zur Referenzzeit, gegeben in Stunden. Für das Beispiel sind das 22 Minuten, also 0,367 Stunden. Mit Hilfe der Formel
berechnet man die Koordinaten x und y in der Fundamentalebene. Es steht jetzt nur die Formel für x hier. Die so erhaltenen Koordinaten geben den Weg der Schattenachse über die Erdscheibe an (Abb. 2). Hieraus
kann man schon einiges entnehmen: - Die Finsternis findet auf der Nordhalb-
kugel statt. - Die zentrale Finsternis beginnt 09:24
Uhr und endet 11:21 Uhr. - Die größte Finsternis tritt 10:22 h ein. Die
Schattenachse trifft die Erdscheibe dann zu g = 0,83 Erdradien vom Erdmittelpunkt entfernt.
Aussagen über das globale Geschehen können wir mit dieser ersten Rechnung nicht gewinnen. Darüber handelt dann der nächste Aufsatz.
Literatur- und Internethinweise (Stand 31.08.2025): [1] J. Meeus, 1989: "Elements of solar
eclipses 1951 - 2200", Willmann-Bell, ISBN 13: 9780943396217 [2] F. Espenak, NASA: "Bessellian elements of solar eclipses", https://eclipse.gsfc.nasa.gov/ SEcat5/beselm.html
Fachgruppen-News #96
In diesem Heft finden Sie den Aufruf zum Beobachtungsprojekt ,,A star`s life - reloaded", einem nicht ganz neuen Projekt, welches aber zu einem früheren Zeitpunkt im Sande verlief. Ihre Beobachtungsergebnisse können Sie per E-Mail an die FG schicken, egal ob es sich um eine Zeichnung, Beschreibung oder einen vollständigen Bericht handelt - wir freuen uns auf Ergebnisse!
Des Weiteren gibt es Neuigkeiten zum Deep-Sky-Treffen 2026: Es wurde ein Termin gefunden! Das DST 2026 findet vom 20.11. bis 22.11.2026 im Hotel Sonnenblick in Bebra statt. Es handelt sich um die bereits bekannte Tagungsstätte im östlichen Hessen, nahe der Landesgrenze zu Thüringen. Aktuell können wir bzw. das Hotel noch keine Preise nennen. Sobald es hier konkreter wird, werden wir das auf der Fachgruppenhomepage veröffentlichen - eine eigene Seite im Menü ist bereits eingerichtet. Das VdS-Journal für Astronomie eignet sich aufgrund der langen Vorlaufzeit nur bedingt ...
Nahezu parallel zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe des Journals lag das Treffen der Fachgruppen in der Sternwarte Kirchheim. Dort wurde beschlossen, dass das Schwerpunktthema für Heft 99 ,,Astronomie mit dem bloßen Au-
ge" lauten wird. Dieses Thema werde ich betreuen. Sollten Sie also interessante Beiträge liefern können, freuen wir uns. Schicken Sie diese bitte bis zum Redaktionsschluss, dem 01.07.2026, direkt an die FG-Leitung, die E-Mail-Adresse: fg-deepsky@sternfreunde.de
Viele Grüße und allzeit clear skies Daniel Spitzer
82 | Journal für Astronomie Nr. 96
Deep Sky
Beobachtungsprojekt ,,A Star`s Life" - reloaded
von Daniel Spitzer und Martin Schoenball
Im VdS-Journal für Astronomie 23 wurde das Projekt ,,A Star's Life" angekündigt [1]. Leider wurden Ergebnisse nie wirklich im Journal publiziert. Die damalige Fachgruppenhomepage, auf die die Ergebnisse
sukzessiv geladen werden sollten, existiert nicht mehr - die Digitalisierung bietet also nicht nur Vorteile. Für mich ist das Grund genug, dieses spannende Projekt wieder hervorzuholen.
Ziel des Projektes ist es, anhand von einigen Objekten der Milchstraße den Lebensweg von Sternen mit dem Teleskop nachzuvollziehen. Dieses Projekt richtet sich an Einsteiger, aber es sind auch einige Objekte für
Tabelle 1
Objektliste, sortiert nach Rektaszension
Objekt
Typ
Rektasz. (hh:mm:ss) Dekl. ( Grad : ' : '') Sternbild
Kommentar / Objektname
NGC 246
PN
00 47 03
-11 52 17
Cet
,,Totenkopf-Nebel", groß
NGC 281
HII - Region
00 52 59
+56 37 19
Cas
,,Pacman-Nebel"
HIP 8709
Weißer Zwerg
01 52 03
+47 00 06
And
Mira Ceti
Roter Riese
02 19 20
-02 58 39
Cet
Prototyp pulsierender Veränderl.
NGC 1333
RN
03 29 18
+31 25 00
Per
NGC 1535
PN
04 14 16
-12 44 20
Eri
2 Eri B
Weißer Zwerg
04 15 22
-07 39 29
Eri
NGC 1555
junger Stern
04 21 57
+19 32 04
Tau
T Tauri, Veränderlicher
B 26-28
DN
04 55 12
+30 34 47
Aur
M 1
SNR
05 34 32
+22 00 52
Tau
,,Krebs-Nebel"
M 78
RN
05 46 46
+00 04 10
Ori
NGC 2174
HII - Region
06 09 24
+20 39 34
Ori
,,Affenkopf-Nebel"
IC 443
SNR
06 17 49
+22 49 01
Gem
NGC 2359
Wolf-Rayet-Nebel
07 18 30
-13 13 30
CMa
,,Thors Helm"
HIP 52181
Weißer Zwerg
10 39 37
+43 06 10
UMa
NGC 4361
PN
12 24 31
-18 47 03
Crv
RR Lyrae
Veränderlicher
19 25 27
+42 47 03
Lyr
Prototyp pulsierender Veränderl.
M 1-92
PPN
19 36 19
+29 32 50
Cyg
,,Minkowski's Footprint"
B 142/3
DN
19 40 40
+10 57 02
Aql
Fernglas-Objekt
NGC 6888
Wolf-Rayet-Nebel
20 12 07
+38 21 18
Cyg
,,Crecent-Nebel"
NGC 6905
PN
20 22 23
+20 06 18
Del
,,Blue Flash"
PV Cep
junger Stern
20 45 56
+67 57 45
Cep
veränderlich, ,,Gyulbudaghians Nebel"
NGC 6960, 92-95 SNR
20 51 00
+31 10 00
Cyg
,,Cirrus-Nebel"
NGC 7000
HII - Region
20 58 50
+44 31 00
Cyg
mit bloßem Auge und Nebelfilter
NGC 7023
RN
21 01 36
+68 10 10
Cep
CRL 2688
PPN
21 02 19
+36 41 38
Cyg
,,Egg-Nebel"
BD +28 4211
Weißer Zwerg
21 51 11
+28 51 50
Peg
B 168
DN
21 53 14
+47 12 12
Cyg
Fernglas-Objekt
Abkürzungen: DN = Dunkelnebel, PN = Planetarischer Nebel, PPN = Protoplanetarischer Nebel, RN = Reflexionsnebel, SNR = Supernova-Überrest (Koordinaten für Äquinoktium 2000.0)
Journal für Astronomie Nr. 96 | 83
Deep Sky
fortgeschrittene Beobachter dabei. Insbesondere sollen neben den visuellen DeepSky-Beobachtern auch Astrofotografen und Veränderlichenbeobachter angesprochen werden.
Am Anfang eines jeden Sternenlebens steht eine kühle Wolke aus Wasserstoff und Molekülen aus schwereren Elementen. Ist die Dichte ausreichend hoch, beobachtet man einen Dunkelnebel. In besonders dichten, kompakten Regionen kann die Wolke durch ihre eigene Schwerkraft kollabieren, sie wird durch die freiwerdende Gravitationsenergie immer dichter und heißer, bis irgendwann schließlich ein neuer Stern die Kernfusion zündet - sein Herz beginnt zu schlagen. Zunächst ,,schlägt" es allerdings noch höchst unregelmäßig. Der junge Stern zeigt immer wieder eruptive Lichtwechsel verbunden mit Masseauswürfen. Nach einer Weile findet er schließlich sein inneres Gleichgewicht, das durch das Wechselspiel von gravitativer Zusammenziehung und dem entgegenwirkenden Strahlungsdruck entsteht.
Wenn bei der Sternentstehung noch Staub übrig geblieben ist, wird dieser vom Stern angeleuchtet, er wird so für uns als Reflexionsnebel sichtbar. Ist ein sehr massereicher Stern entstanden, der eine Oberflächentemperatur von über 30.000 K erreicht, so wird Wasserstoff ionisiert und strahlt als HII-Region, vor allem im roten H-Licht, wie wir es von Fotos kennen. Besonders massereiche Sterne mit über 20 Sonnenmassen können zu so genannten Wolf-Rayet-Sternen werden. Sie zeichnen sich durch Emissionslinen in ihrem Spektrum aus (normale Sterne zeigen nur Absorptionslinien) und haben auch einen sehr starken und schnellen Sternwind. Dieser kann das umliegende interstellare Medium komprimieren und durch Reibungshitze ionisieren. Dies wird dann als ein sehr seltener
Wolf-Rayet-Nebel sichtbar. Aber in dieser Phase verweilen die Sterne nur kurz.
Überhaupt haben es die massereichen Sterne sehr eilig in ihrem Leben, ihnen ist nur eine kurze Lebensdauer von wenigen Millionen Jahren vergönnt. Sie verbrauchen ihren Wasserstoffvorrat einfach zu schnell; auch mit der Fusion von Helium zu Kohlenstoff und den folgenden Fusionsprozessen können sie ihr Leben nur wenig verlängern. Schließlich kann der nötige Strahlungsdruck nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Gravitation hat nun keine Gegenkraft, der Stern kollabiert und wird zur Supernova. Dabei kann der Stern so hell leuchten wie die gesamte Galaxie aus Milliarden von Sternen, in der er sich befindet! Die ausgestoßenen Gasmassen bewegen sich nun mit hoher Geschwindigkeit durch das interstellare Medium, stoßen mit den umgebenden Gas- und Staubwolken zusammen und werden dabei erhitzt. Analog zu Wolf-Rayet-Nebeln werden nun auch diese Hüllen als Supernovaüberrest sichtbar.
Vom Stern bleibt nur ein Neutronenstern oder gar ein Schwarzes Loch übrig. Sterne mit weniger als 8 Sonnenmassen durchlaufen einen längeren, nicht weniger spannenden Lebensweg. Nach dem Aufenthalt auf der Hauptreihe, auf der sie den größten Teil ihres Sternenlebens verbringen, blähen sich die Sterne zu Roten Riesen auf und werfen schließlich ihre Hüllen ab. Der Strahlungsdruck ist hier größer als die wirkende Gravitation. Um den Stern bildet sich eine Gashülle, die nun als so genannter proto-planetarischer Nebel sichtbar wird. Der übrig gebliebene Stern wird nun immer heißer und schließlich zu einem Weißen Zwerg. Diese haben Oberflächentemperaturen bis weit über 100.000 K und regen nun die Gashülle mit ihrer energiereichen Strahlung zum Leuchten an. Diese wird für uns als Planetarischer Nebel sichtbar. Der Nebel
expandiert immer weiter, entsprechend sinkt die Flächenhelligkeit, bis er nicht mehr wahrnehmbar ist. Es bleibt schließlich ein einzelner Weißer Zwerg übrig.
Dieser Lebensweg ist in der Tabelle 1 durch 28 Objekte ,,nachgezeichnet". Im Vergleich zur Tabelle in [1] wurde sie um die beiden Veränderlichen Mira und RR Lyr als wichtige Prototypen der instabilen Sternphase erweitert.
Hier im VdS-Journal für Astronomie sollen regelmäßig eingesandte Beobachtungen publiziert werden. Bitte schicken Sie uns dazu Ihre Ergebnisse zu. Egal, ob als einfache Zeichnung, Lichtkurve oder Fotos, fertige Artikel oder Beobachtungsnotizen. Auch wenn dieses Projekt auf den Seiten der Fachgruppe ,,Visuelle Deep-Sky-Beobachtung" vorgestellt wird, sind auch die Astrofotografen und Beobachter von veränderlichen Sternen aufgerufen mitzuwirken, da auch für sie interessante und relevante Objekte in der Liste stehen.
Viel Spaß beim Beobachten, Fotografieren und Fotometrieren wünscht die FG Visuelle Deep-Sky-Beobachtung!
Literatur- und Internethinweis (Stand 31.08.2025): [1] M. Schoenball, 2007: ,,Projekt ,A
Star`s Life` ", VdS-Journal für Astronomie 23 (II/2007), S. 90-91; https://journal.sternfreunde.de/ Jpdf/VdS-Journal_23.pdf
84 | Journal für Astronomie Nr. 96
Deep Sky
Extragalaktische Planetarische Nebel - visuell beobachtet
von Christian Weis
Planetarische Nebel (PN) sind Gashüllen, die von einem zwischen einer und acht Sonnenmassen schweren Stern gegen Ende seiner Existenz während eines starken Massenverlustes abgestoßen wurden und vom verbliebenen Stern (Zentralstern) ionisiert und dadurch zum Leuchten angeregt werden. Wer sich näher mit den interessanten physikalischen Hintergründen beschäftigen möchte, dem seien die Literaturstellen [1] bis [3] ans Herz gelegt.
Mit Amateurmitteln ist heutzutage die visuelle Beobachtung von vielen hundert PN möglich (z. B. [4, 5]) - auch mit durchaus noch handlichen Instrumenten. Hat man ein wenig mehr Öffnung zur Verfügung, so sind neben den vielen galaktischen PN auch einige extragalaktische PN beobachtbar. Kent Wallace gibt in [5] für den hellsten PN in der Andromedagalaxie eine notwen-
dige Öffnung von etwa 2 Metern an - eine Apertur, die auch heute noch praktisch nur professionellen Astronomen vorbehalten ist. Wer sich aber nicht scheut, eine Reise auf die südliche Hemisphäre unseres Planeten zu unternehmen, kann mit deutlich weniger Öffnung einige PN in den beiden Magellanschen Wolken visuell beobachten. Im August 2023 konnte ich im Rahmen meines zweiten Aufenthaltes auf der Farm Hakos in Namibia mit einem gemieteten 24-Zoll-Dobson einige extragalaktische PN visuell beobachten. Zur Vorbereitung, welche extragalaktischen Nebel in unseren beiden Begleitgalaxien möglich sind, wurde zunächst festgelegt, welche Grenzgröße mit dieser Öffnung sinnvoll erreichbar erscheint. Vom ersten Namibiaaufenthalt war bekannt, dass bei Idealbedingungen, d. h. bei einer visuellen Grenzgröße (fst) von 7,5 mag, Zenitnähe und ausgeruhtem Körper,
eine Grenzgröße von etwa 17,5 mag für stellare Objekte möglich ist. Aufgrund der zur Identifikation von PN notwendigen Filter und des großen Zenitabstandes bei der Durchführung der Beobachtung wurde die Grenzgröße zur Wahl geeigneter Objekte auf 16,0 mag gesetzt. Zudem sollten zunächst nur die hellsten Objekte in beiden Galaxien beobachtet werden, da auch noch andere Südhimmelobjekte auf dem Plan standen. Potenziell geeignete Objekte wurden den Literaturstellen [6] und [7] entnommen, welche umfangreiche Daten zur Verfügung stellen. Die wichtigsten Daten der identifizierten PN sind in der Tabelle 1 zusammengefasst. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Tabelle nicht vollständig ist - es gibt viele weitere PN in den Magellanschen Wolken, die teilweise deutlich heller sind (z. B. SMP 62 in der großen Magellanschen Wolke mit 14,4 mag), jedoch in den
1 LHA 115-N06 mit 24 Zoll, V = 400x, Feld ca. 10'
2 LHA 115-N09 mit 24 Zoll, V = 650x, Feld ca. 7'
Journal für Astronomie Nr. 96 | 85
Deep Sky
3 LHA 115-N38 mit 24 Zoll, V = 300x, Feld ca. 16'
4 LHA 115-N43 mit 24 Zoll, V = 400x, Feld ca. 10'
beiden vorgenannten Literaturstellen nicht erwähnt wurden. Dieser Umstand wurde mir erst nach der Rückkehr klar.
Sieben der acht in der Tabelle 1 gelisteten Objekte konnten erfolgreich beobachtet und in Zeichnungen festgehalten werden (es fehlt LIN 71, welcher nicht in Angriff genommen wurde). Die Beobachtungen werden im Folgenden kurz dargelegt. Die Technik des ,,Filterblinks" ist an mehreren Stellen erwähnt. Hierbei dient das Hinzuschalten eines Nebelfilters (UHC = Ultra High Contrast, oder [OIII] = zweifach ionisierter Sauerstoff, eine besonders häufig vorkommende Linie in PN, die visuell gut gesehen werden kann) dazu, den Kontrast zwischen dem PN und den anderen Objekten bzw. dem Himmelshintergrund zu steigern. Objekte, die in den Durchlassbanden der Filter stärker emittieren als in anderen Spektralbereichen, werden fast ungehindert transmittiert, während alle anderen Spektralbereiche zu einem großen Teil geblockt werden.
Ohne gute Aufsuchkarten ist es im Sternengewimmel der beiden Magellanschen Wolken aussichtslos, die Planetarischen Nebel
zu finden. Da nicht davon ausgegangen werden konnte, dass der Internetzugang stabil verfügbar war, wurden papiergebundene Aufsuchkarten mithilfe des Aladin Sky Atlas [8] selbst erstellt.
LHA 115-N06 = SMP 6 Ab 140x mit Filter sichtbar, ohne Filter nicht, gute Reaktion auf UHC und [OIII], bei 400x ist der PN auch direkt ohne Filter sichtbar, verbleibt stellar bis zur eingesetzten Maximalvergrößerung von 650x, eine neblige Stelle im Nordosten des Bildfeldes reagiert nicht auf Filter, erst nach der Beobachtung konnte ermittelt werden, dass es sich um die Galaxie MBG 00405-7400 mit einer Blauhelligkeit von 14,6 mag handelte. (fst 7,5 mag+, 24 Zoll, 22.08.2022, Abb. 1)
LHA 115-N09 = LIN 45 Sehr einfach, schon bei 78x direkt sichtbar, identifiziert mit Filterblink, gute Reaktion auf UHC und [OIII], bei sehr hoher Vergrößerung erscheint tatsächlich eine kleine Fläche (hellere stellare Objekte erscheinen kleiner), der PN scheint diffus auszulaufen, spektakulär ist der Anblick zusammen mit NGC 249 bei kleinerer Vergrößerung. (fst 7,0 mag, 24 Zoll, 26.08.2022, Abb. 2)
LHA 115-N38 = SMP 13 Nach längerer Suche gefunden, bei 78x vermutlich geblinkt, bei 140x sicher geblinkt, auch bei hoher Vergrößerung (650x) gute Reaktion auf UHC und [OIII], verbleibt stellar bis zur eingesetzten Maximalvergrößerung von 650x. (fst 7,0 mag, 24 Zoll, 26.08.2022, Abb. 3)
LHA 115-N43 = SMP 15 Bei 78x nur mit Filter direkt sichtbar, ab 140x ohne Filter als schwaches Sternchen sichtbar, ohne Filter das schwächste Objekt in der aus vier Sternen bestehenden Sternraute, mit Filter das zweithellste, verbleibt stellar bis zur eingesetzten Maximalvergrößerung von 650x. (fst 7,0 mag, 24 Zoll, 26.08.2022, Abb. 4)
LHA 115-N87 = SMP 27 Erschreckend einfach, bereits bei 140x klar per Filterblink identifiziert, gute Reaktion auf UHC, [OIII] ist bei höheren Vergrößerungen zu stark, funktioniert bei 140x aber gut; immer wieder Eindruck einer kleinen Fläche, aber sehr unsicher. (fst 7,5 mag+, 24 Zoll, 22.08.2022, Abb. 5)
86 | Journal für Astronomie Nr. 96
Deep Sky
5 LHA 115-N87 mit 24 Zoll, V = 300x, Feld ca. 16'
6 SMP 35 mit 24 Zoll, V = 400x, Feld ca. 10'
SMP 35 = LM 1-22 PN ist bereits bei 78x blinkbar, gute Reaktion auf UHC und [OIII], bei hoher Vergrößerung auch direkt sichtbar, verbleibt stellar bis zur eingesetzten Maximalvergrößerung von 650x. (fst 7,5 mag+, 24 Zoll, 23.08.2022, Abb. 6)
SMP 78 = LHA 120-N153 Sehr langwierige Suche in spektakulärer Umgebung (Tarantelnebel), der PN befindet sich direkt östlich eines ähnlich hellen
Sterns, daher ist Vergrößerung notwendig, identifiziert per Filterblink, gute Reaktion auf UHC und [OIII], verbleibt stellar bis zur eingesetzten Maximalvergrößerung von 650x. (fst 7,0 mag, 24 Zoll, 26.08.2022, Abb. 7)
Wenngleich es schon erstaunlich erscheinen mag, dass man mit Amateurmitteln überhaupt erfolgreich extragalaktische PN beobachten kann, so sei darauf hingewiesen, dass Kent Wallace in [5] die erfolgrei-
che Beobachtung von nicht weniger als 95 extragalaktischen PN in den beiden Magellanschen Wolken berichtet. Diese Beobachtungen wurden mit 20 Zoll Öffnung von Australien aus durchgeführt, d. h. mit immerhin 44% weniger Apertur, als für den vorliegenden Beitrag genutzt wurde. Es bleiben also noch genügend Objekte übrig, um weitere Aufenthalte auf der Südhalbkugel zu legitimieren.
Tabelle 1
Objekt
LHA 115-N6 LHA 115-N9 LIN 71 LHA 115-N38 LHA 115-N43 LHA 115-N87 SMP 35 SMP 78
Planetarische Nebel in der Großen (LMC) und Kleinen (SMC) Magellanschen Wolke (Koordinaten Äquinoktium 2000.0)
Alternativname(n)
LMC/SMC
Rektasz.
Dekl.
mv
SMP 6, LIN 33
SMC
0h 41min 28s
-73 Grad 47'
15,9
LIN 45
SMC
0h 43min 37s
-73 Grad 02'
15,9
Jacoby 4
SMC
0h 45min 27s
-73 Grad 42'
15,7
SMP 13, LIN 144
SMC
0h 49min 52s
-73 Grad 44'
15,4
SMP 15, LIN 174
SMC
0h 51min 07s
-73 Grad 58'
15,4
SMP 27, LIN 532
SMC
1h 21min 11s
-73 Grad 14'
15,6
LM 1-22
LMC
5h 10min 50s
-65 Grad 30'
15,7
LHA 120-N153
LMC
5h 34min 21s
-68 Grad 58'
14,9
Quelle(n)
[6] [6] [6] [6] [6] [6] [7], [5] [7], [5]
Journal für Astronomie Nr. 96 | 87
Deep Sky
Literatur- und Internethinweise (Stand 31.08.2025): [1] S. Kwok, 2001: "Cosmic Butterflies: the colorful
mysteries of planetary nebulae", Cambridge University Press, ISBN 0-521-79135-9 [2] S. Kwok, 2000: "The Origin and Evolution of Planetary Nebulae", Cambridge University Press, Online ISBN: 9780511529504 [3] K.-P. Schröder, 2009: ,,Vom Roten Riesen zum Weißen Zwerg - Die Entstehungsgeschichte der Planetarischen Nebel", Interstellarum Sonderheft 1/2009; www.interstellarum.de/wp-content/uploads/2019/12/ isthema2009-1.pdf [4] K. Wallace, 1997: "Planetary Pages. 300+ Nebulae for an Eight Inch Telescope", Eigenverlag [5] K. Wallace, 2017: "Visual Observations of Planetary Nebulae", Webb Deep Sky Society [6] M. Hajduk, M. Gladkowski, I. Soszynski, 2014: "Search for binary central stars of the SMC PNe", Astron. Astrophys. 561, A8; https://arxiv.org/pdf/1312.5917 [7] B. Miszalski, R. Napiwotzki, M.-R. Cioni, M. A. T. Groenewegen, J. M. Oliveira, A. Udalski, 2011: "The VMC survey II. A multi-wavelength study of LMC planetary nebulae and their mimics", Astron. Astrophys. 531, A157; https://arxiv.org/pdf/1105.5732 [8] Aladin Sky Atlas: https://aladin.cds.unistra.fr
[3]
[6]
[7]
[8]
7 SMP 78 mit 24 Zoll, V = 400x, Feld ca. 10'
Überdauerte Zeitgeschichte - Sonnenuhren im Eichsfeld
von Mechthild Meinike
Eine Reise mit astronomischen Zielen war nicht geplant. Es sollte nur eine kurze Auszeit zur Erholung im Eichsfeld sein. Überraschend entwickelte sich die Stippvisite im Dreiländereck zwischen Thüringen, Niedersachsen und Hessen zu einer kleinen astronomischen Entdeckungstour. Eingebettet in eine Landschaft aus bewaldeten Hügeln und bewirtschafteten Flächen, ist das Eichsfeld durch alte deutsche Geschichte und den heute noch merklichen Katholizismus geprägt. Kirchen und Klöster sind zahlreich. An neuzeitliche Geschichte(n) erinnern Museumsanlagen im früheren
Grenzland zwischen Ost und West. In diese abwechslungsreiche Szene eingebettet sind Dörfer, umgeben von Land- und Forstwirtschaft, charmante Kleinstädte, umgeben von mittelständischer Industrie und Handwerk.
Der Kurort Heilbad Heiligenstadt präsentierte sich neben allerhand Fachwerk- und Jugendstilbauten mit drei eindrucksvollen, großen und sehr gut erhaltenen Stadtkirchen. Die alte Stadtgeschichte ließ auf historische Sonnenuhren hoffen. Bereits im ersten Anlauf erwies sich die Inspektion
der Kirche St. Aegidien in Marktplatznähe als erfolgreich. Der Kirchenbau aus Sandstein wurde 1370 abgeschlossen. Die Türme wurden erst später um 1655 hinzugefügt [1]. Die Südfassade wird von zwei historischen Sonnenuhren geziert. An einem turmartigen Vorsatz leuchtete im Sonnenschein eine kanonische Sonnenuhr (Abb. 1), mit der früher Gebetszeiten bestimmt wurden. Die symmetrische Stundenaufteilung und der senkrechte Schattenstab sowie die durchgezogenen Stundenlinien im Abstand von zwei Stunden deuten auf eine Entstehungszeit vor Erfindung der Turmuhr ins
88 | Journal für Astronomie Nr. 96
Geschichte
15. Jahrhundert. Zum Himmelsnordpol gerichtete Schattenstäbe kamen erst später auf. Die Ritzungen im Stein der Sonnenuhr wurden mit Blattgold ausgelegt, so dass die Sonnenuhr bei Sonnenlicht wie ein kleines Schmuckstück auffällt.
Auf der weiter westlich gelegenen Südseite versperrten noch Baugerüste den freien Blick zu einer großen, über mehrere Steine gehauenen Vertikalsüduhr (Abb. 2). Auch hier wurden die Vertiefungen des Stundenkranzes mit Blattgold aufgewertet. Der Polstab steckt kaum mehr gesichert in einer Fuge. Es schien so, als würde daran gearbeitet. Aber durch die gesicherte Baustelle war leider kein näheres Herankommen möglich und ansprechbare Restauratoren waren nicht vor Ort.
Stilistisch in Doppelkreisoptik fast baugleich erweisen sich die beiden historischen Sonnenuhren an der Südturmseite der Kirche St. Martin (Abb. 3) und am erhöht liegenden westlichen Ende der Fußgängerzone. Die Kirche ist die älteste Kirchengründung im Eichsfeld, ihre Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Im 13. Jahrhundert beginnt der Aus- und Umbau der Kirchenanlage im gotischen Stil, der um 1450 abgeschlossen war [2]. Auch hier passt die kanonische Sonnenuhr (Abb. 4) zeitgeschichtlich, die über einem Turmsegment in ca. vier Meter Höhe zu entdecken ist. Sie wurde in einen großen Buntsandsteinblock eingemeißelt. Die Stundenlinien und fünf durchgängige Vertiefungen für die Gebetszeiten sind gut zu erkennen. Der Gnomon fehlt, das Loch dafür ist verputzt. Auch wurde keine Goldauflage eingearbeitet. Im darüber gelegenem Turmsegment findet sich in ca. sechs Metern Höhe über drei Steinreihen und sechs Steinblöcke hinweg eine kreisförmige Vertikalsüduhr (Abb. 5). Ein breiter Zahlenkranz zeigt arabische Ziffern in ihrer mittelalterlichen Schreib-
3 Kirche St. Martin und angrenzendes Gebäude
1 Kanonische
Sonnenuhr St. Aegidien, DGC 5403
2 Vertikalsüd-
uhr St. Aegidien, DGC 5404
Journal für Astronomie Nr. 96 | 89
Geschichte
leicht aus der Wand gedrehter Stein über dem großen Fenster des Westturmes lässt vermuten, dass dies eine Sonnenuhr gewesen sein könnte.
4 Kanonische Sonnenuhr St. Martin
(DGC 6611)
weise, die teilweise von der heute gebräuchlichen abweicht. Es sind die vollen Stunden von 6 Uhr früh bis 5 Uhr abends zu sehen. Die dazugehörigen Stundenlinien sind nur kurz stilisiert. Da beide Sonnenuhren übereinander zu finden sind, lassen sie sich gut im Zusammenhang wahrnehmen.
Die auf einer Anhöhe gelegene römischkatholische Pfarr- und Propstei-Kirche St. Marien (Abb. 6) mit der gotischen Ahnenkapelle, dem ehemaligen Jesuitenkolleg und heutigen Eichsfeld-Museum sowie dem Barockgarten bilden zusammen ein attraktives historisches Ensemble. Eine wechselvolle Baugeschichte lässt sich für die Kirche beginnend ab dem 12. Jahrhundert fassen [3, 4, 5]. Als besondere Zeugnisse alter Zeitbestimmung können die beiden Sonnenuhren an der Kirche St. Marien gelten. Eine rechteckige Vertikalsüduhr (Abb. 7) in großer Höhe über sechs Steinreihen und eine Vielzahl kleiner Steine lässt sich am südlichen der beiden Türme finden. Der viereckige Stundenkranz bildet einen Rahmen, der rötliche Farbreste in den Vertiefungen erahnen lässt. Die arabischen Stundenziffern kontrastieren in Gold. Die halben Stunden sind eingeschlagene rautenförmige Löcher. Die Stundenlinien werden durch den Stundenkranz geschnitten. Der Polstab ist gestützt und hat eine kugelförmige Verdickung, die als Schatten auf einem geritzten Gitternetz die babylonische, die italienische Stunde und das Datum markiert.
5 Vertikalsüduhr St. Martin mit mittelalter-
lichen Ziffern (DGC 5401)
Allen Sonnenuhren an den Heiligenstädter Kirchen ist gemeinsam, dass keine Steinmetzsignaturen oder Jahreszahlen eine Orientierung für ihre Entstehung geben. So erfolgte die Einordnung nach den formalen Aspekten in der Ausführung sowie auf Grund von verschiedenen Recherchen. Dabei ist das Sonnenuhren-Kataster der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie mit den z. T. hinterlegten historischen Quellen hilfreich. Diese große Datenbank weist für die Südfassade insgesamt vier Sonnenuhren aus. In [6] sind für den Turm zwei Uhren registriert worden. Aber alle weiteren Sonnenuhrenreste sind so stark verwittert, dass sie vom Barockgarten aus nicht gesichtet werden konnten. Der Gartenbereich vor der Südfassade war nicht zugänglich. Ein
Unterhalb der südlichen Seite der Kirche St. Marien, in der Nähe der Stützmauer, befindet sich im Barockgarten noch eine polare Sonnenuhr (Abb. 8). Der Sandsteinsockel ist stark von Moos und Flechten angegriffen, die Schrift nur noch teilweise leserlich erhalten. In der Vignette auf der Südseite des Sockels ist zu lesen ,,TEMPO RIBUS CURSUM STATWIT" (sinngemäß: ,,die Zeit zum Flusslauf " / ,,Die Zeit bestimmt den Lauf der Dinge" [7]). Die Ostseite des Sockels ist durch den Buchstaben ,,P" und ,,JGL" gekennzeichnet, deren Bedeutung nicht geklärt werden konnte. Die Westseite zeigt eine römische Ziffernfolge MDCCCXXIII, was auf das Entstehungsjahr 1823 hindeutet. Die Restaurierung erfolgte 1983. Die Sonnenuhr wurde mittels einer aufgesetzten Edelstahlplatte ersetzt. Auf eine mit Wellenkante gearbeitete Edelstahlplatte ist ein polarer Gnomon (Abb. 9) aufgesetzt. Die Zeitanzeige ist für 8-16 Uhr Wahre Ortszeit (WOZ) möglich. Die Stundenlinien sind durchgezogen und mit rö-
6 Römisch-katholische Pfarr- und Propstei-Kirche St. Marien
90 | Journal für Astronomie Nr. 96
Geschichte
mischen Ziffern gekennzeichnet. Zu lesen sind auch die Koordinaten des Standortes 51 Grad 22' nördliche Breite und 10 Grad 08' östliche Länge.
Die Tour durch das Eichsfeld führte durch die historische Fachwerk-Altstadt von Duderstadt. Das Stadtzentrum wird durch zwei große Kirchen dominiert, die heutzutage durch eine breite Fußgängerzone verbunden sind.
Die Anfänge des Kirchenstandortes Hauptpfarrkirche der Stadt Duderstadt, St. Cyriakus, weisen ins 10. Jahrhundert. Die gotische Kirche mit zwei markanten Türmen auf der Westseite ist in gutem Zustand und reich an Kunstschätzen [8]. Die Südwand am westlichsten Vorsatzpfeiler ziert eine ca. 120 cm x 60 cm messende helle glatte Sandsteinplatte, die vor dem dunkleren Sandstein hervorsticht. Die vertikale Sonnenuhr (Abb. 10) ist leicht aus der Wand in die optimale Südrichtung gedreht und wird durch einen gleichermaßen vorgesetzten Sockel gehalten. Alle Schrift- und Gestaltungselemente sind erhaben aus dem Sandstein gearbeitet. Die Sonnenuhr ist durch die obere Textzeile ANNO DM M CCCC LVII umgerechnet auf das Jahr 1457 datierbar. Der Stundenkranz ist durch römische Ziffern in gotischem Schriftstil gekennzeichnet. Die Stundenlinien sind verhältnismäßig kurz gehalten und augenscheinlich an die Größe der Ziffern angepasst. Der metallische Polstab wird von zwei unteren Fußpunkten gestützt. Der obere Fußpunkt steckt in einem stilisierten Buchstaben ,,G".
Fast baugleich mit nur wenigen Unterschieden findet sich an der spätgotischen Kirche St. Servatius (Abb. 11) ebenfalls eine auffällige vertikale Süduhr (Abb. 12) für das Ablesen der Wahren Ortszeit WOZ. Fast wie ,,fabrikneu" sticht die helle Sandsteinplatte aus der gelblichen Sandsteinumgebung
heraus. Die obere Textzeile verrät die ursprüngliche Entstehung im Jahr 1472. Der Polstab steckt ebenfalls in einem ,,G"-Monogramm. Unter den beiden Fußpunkten des Polstabes wiederholt sich das Monogramm detaillierter und in etwas gedrehter Form. Laut Datenbank-Recherchen weist das Monogramm auf den Konstrukteur Gerlach von Kleve zurück, über den aber nichts weiter in Erfahrung gebracht werden konnte [9, 10].
Die Eichsfelder Burg Scharfenstein (nicht die im Erzgebirge!) liegt in der Nähe von Leinefelde, Ortsteil Beuren am Rande des Naturparkes Eichsfeld-Hainich [11]. Die Burg ist aufwändig saniert und bietet einiges [12]. Neben einem Hotelbetrieb mit Restaurant, einem Hochzeitsausstatter, Kaffeerösterei und dem Standesamt kann man sich in einem Ausflugslokal bei schöner Aussicht stärken und im Whisky-Museum sich zu den Geheimnissen der Herstellung des Hochprozentigen informieren (und diesen auch kaufen). Eine neuzeitlich modern wirkende unsignierte Ecksonnenuhr (Abb. 13), aufgeteilt auf zwei rechteckige, versetzt angebrachte Platten aus rotem Buntsandstein, ziert eine Mauerecke mit Ausrichtung nach Osten (schmale Seite) und in südliche Richtung. Das Ablesen der Sonnenzeit ist so für Vor- und Nachmittag möglich. Die Gnomone sind als Winkel gefertigt. Diese Sonnenuhr hatte bereits im Katalog der ortsfesten Sonnenuhren in der DDR einen registrierten Vorläufer [6].
Zusammenfassung Die beschriebenen Sonnenuhren sind bereits seit Längerem teilweise im Katalog der ortsfesten Sonnenuhren der DDR und in der Gnomonica-Datenbank der Deutschen
8 Polar-Sonnenuhr (West-
und Südseite, DGC 5400)
7 Vertikale Süduhr an der Kirche
St. Marien (DGC 5405)
Gesellschaft für Chronometrie erfasst. Die Registriernummern sind als DGC plus Zahl in diesem Artikel mit angegeben [10]. Die Vielzahl an historischen Sonnenuhren und ihre Vielgestaltigkeit ist zum großen Teil kirchengeschichtlich und religiös bedingt. Mit dem Auftreten von polwärts gerichteten Schattenstäben zum Abgleich mit den aufkommenden Turmuhren dienten die Sonnenuhren lange als zeitliche Taktge-
Journal für Astronomie Nr. 96 | 91
Geschichte
9 Edelstahlplatte mit Gnomon
1 2 Vertikale Süduhr St. Servatius
92 | Journal für Astronomie Nr. 96
1 0 Oben links: Richtungsangepasste
Vertikalsüduhr St. Cyriakus (DGC 1979)
1 1 Oben: Kirche St. Servatius
ber für das Leben und die religiösen Riten. Sie zeugen von einem Leben im natürlichen Rhythmus der Sonne und nicht von der heutzutage teilweise notwendigen atomuhrgenauen Präzision. Das viele dieser ,,Stundengeber" heute noch gut erhalten gesichtet werden können, ist den Restauratoren und Steinmetzen sowie den Geldgebern zu danken, die sich in der Region offensichtlich um das Thema kümmern. Neben verschiedenen Restauratoren-Firmen hat maßgeblich der Steinmetz-Meister Michael Spitzenberg in Dingelstädt-Silberhausen sich selbst viele Denkmäler in Form
von klassischen und originellen Sonnenuhrformen gesetzt. Aber das ist schon ein neues Thema.
Ich danke dem Sonnenuhrenfreund Martin Crone für seine Hinweise sowie Daniel Roth und Willy Bachmann von dem Fachkreis Sonnenuhren der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie für den Zugang zur Datenbank.
Alle Abbildungen von Mechthild Meinike.
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DIE RAUMFAHRTJAHRBÜCHER
1 3 Ecksonnenuhr
(DGC 5897/5322)
Literatur- und Internethinweise (Stand 01.09.2025): [1] Wikipedia: ,,St. Aegidien (Heilbad Heiligenstadt)",
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Aegidien_(Heilbad_Heiligenstadt) [2] Wikipedia: ,,St. Martin (Heilbad Heiligenstadt)", https://de.wikipedia.org/
wiki/St._Martin_(Heilbad_Heiligenstadt) [3] Wikipedia: ,,St. Marien (Heilbad Heiligenstadt)", https://de.wikipedia.org/
wiki/St._Marien_(Heilbad_Heiligenstadt) [4] Heilbad Heiligenstadt: ,,Eichsfeldmuseum",
www.heilbad-heiligenstadt.de/portal/seiten/eichsfeldmuseum900000098-33201.html [5] K. Noack: ,,Matheretter: Entstehung der Zahlen", www.matheretter.de/wiki/zahlen-entstehung# [6] A. Zenkert, 1984: ,,Katalog der ortsfesten Sonnenuhren in der DDR", Anlage IV [7a] Unter Verwendung von Google Online-Übersetzer: https://linguatools.net/translators/translate [7b] Unter Verwendung von Tomedes: ,,Maschinelle Übersetzung", www.machinetranslation.com [8] Wikipedia: ,,St. Cyriakus (Duderstadt)", https://de.wikipedia.org/wiki/ St._Cyriakus_(Duderstadt) [9] Wikipedia: ,,St. Servatius (Duderstadt)", https://de.wikipedia.org/wiki/ St._Servatius_(Duderstadt) [10] Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Fachkreis Sonnenuhren: ,,GnomonicaDatenbank, Sonnenuhren-Archiv", https://gnomonica.de/katalog.php [11] Wikipedia: ,,Burg Scharfenstein (Eichsfeld)", https://de.wikipedia.org/wiki/ Burg_Scharfenstein_(Eichsfeld) [12] Burg Scharfenstein: Homepage, https://burgscharfenstein-eichsfeld.de/
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
[7a]
[7b]
[8]
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[11]
[12]
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Kleine Planeten
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(788501) Gabi, die erste KleinplanetenEntdeckung am Calar-Alto-Schmidt seit 1992
von Erwin Schwab
Im Januar 2017 wurde Kleinplanet (788501) Gabi am Calar-Alto-SchmidtTeleskop in Spanien entdeckt [1]. Wie kam es dazu? Immerhin lag zu diesem Zeitpunkt die letzte Entdeckung am selben Gerät 25 Jahre zurück!
Im Juni 2015 hatte die Walter-HohmannSternwarte in Essen zur Kleinplanetentagung eingeladen. Dort stellte mir Detlef Koschny eine Frage, auf die ich nur mit ,,Ja, ich will" antworten konnte - es war kein Heiratsantrag. Detlef, der damals Leiter des ESA's Planetary Defence Office war, fragte mich, ob ich nicht mal Lust hätte, an einem professionellen Teleskop zu beobachten. Er offenbarte mir, dass es sich dabei um den 0,8-m-Schmidt handelte, der früher in Hamburg-Bergedorf in Betrieb war und sich seit 1975 auf dem Calar Alto in Spanien befindet. Ich war begeistert, denn 14 Jahre zuvor stand ich bei einer Kuppelführung neben diesem wunderbaren Fernrohr. Das Gerät war leider stillgelegt, weil die Herstellung von Fotoplatten eingestellt wurde, somit war die Zukunft des lichtstarken f/3Teles kops gänzlich ungewiss.
1 Entdeckungsaufnahme des Kleinplaneten (788501) Gabi = 2017 BF119
vom 30.01.2017, entstanden am 0,8-m-Calar-Alto-Schmidt (f/3) mit Kamera SBIG ST-10XME. Überlagerung dreier Summenbilder mit jeweils 12 x 60 s Belichtungszeit. Bildausschnitt 1,9` x 1,9` aus Gesamtfeld 21,3` x 14,3`. (Bild: E. Schwab und D. Koschny / ESA)
94 | Journal für Astronomie Nr. 96
Kleine Planeten
Es kam die Zeit, als die Europäische Weltraumorganisation (ESA) auf der Suche nach verfügbaren Teleskopen für die Beobachtung erdnaher Kleinplaneten war. Zwischen der ESA und dem Betreiber des Calar-Alto-Observatoriums wurde ein Nutzungsvertrag vereinbart und das Teleskop 2015 modernisiert. Es bekam eine Digitalkamera (zunächst die private von Detlef Koschny) und wurde auf Fernsteuerung umgerüstet. Das Minor Planet Center hat dem Teleskop den Observatory Code Z84 zugewiesen. Ab Dezember 2016 konnte ich damit beobachten und war vermutlich der erste Amateurastronom, der mit diesem von Carl Zeiss Jena im Jahr 1954 fertiggestellten Fernrohr arbeiten durfte.
2 Veröffentlichung der Messungen des (5879) Almeria = 1992 CH1 im M.P.C. 19751
am 18.03.1992. (Quelle: Minor Planet Center)
im M.P.C. 19751 veröffentlicht [2] (s. auch Abb. 2). Im Wesentlichen diente das Teleskop jedoch bis 1997 dem Hamburger Quasar Survey, wofür es mit Objektivprisma zur Detektion der Rotverschiebung der Quasare betrieben wurde.
Am 9. Juni 2025 bekam Kleinplanet (788501) den Namen Gabi, benannt nach der Ehefrau von Detlef Koschny, veröffentlicht im WGSBN-Bulletin der IAU [3]. Der Widmungstext sei an dieser Stelle wiedergegeben.
Widmungstext
(788501) Gabi = 2017 BF119 Discovered at Calar Alto on 2017-0130 by E. Schwab and D. Koschny. Gabriele Hildegard Koschny (b. 1963), nickname Gabi, is the wife of the second discoverer. She has supported her husband's amateur and professional work on asteroids over many decades.
Am 30. Januar 2017 gelang dann die Entde-
ckung des 2017 BF119, siehe Entdeckungs-
Internethinweise (Stand 01.09.2025):
aufnahme (Abb. 1). Das Objekt bekam im
[1] MPC Database: https://minorplanetcenter.
April 2025 die Nummer (788501). Es war
net/db_search/show_object?
die erste Entdeckung eines Kleinplaneten
utf8=%E2%9C%93&object_id=Gabi
[1]
[2]
an diesem Fernrohr seit einem Vierteljahr-
[2] Minor Planet Circular 19751:
hundert. 1992 hatte Kurt Birkle zusam-
www.minorplanetcenter.net/iau/ECS/
men mit Ulrich Hopp den vorerst letzten
MPCArchive/1992/MPC_19920318.pdf
Kleinplaneten (5879) Almeria = 1992 CH1
[3] IAU, 2025: WGSBN Bull. 5, #11, p. 17;
[3]
gefunden, seinerzeit noch analog auf Foto-
www.wgsbn-iau.org/files/Bulletins/V005/
platten belichtet. Die Messungen wurden
WGSBNBull_V005_011.pdf
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Journal für Astronomie Nr. 96 | 95
Kleine Planeten
Kosmische Begegnungen
von Wolfgang Ries
Ab und zu findet man auf Astroaufnahmen von Deep-Sky-Objekten kurze Strichspuren. Der Verursacher ist meist ein Kleinplanet, der sich während der Belichtungszeit ein kleines Stück auf seiner Bahn um die Sonne weiterbewegt hat. Für viele Astrofotografen sind solche zufälligen kosmischen Begegnungen eine Bereicherung des Bildes. Besonders dann, wenn man nach einiger Recherche herausfindet, wer der Verursacher der Strichspur war.
Aber kosmische Begegnungen lassen sich auch gezielt aufnehmen. Dazu gibt es zwei Tools im Internet, mit denen sich solche Er-
eignisse anzeigen lassen. Seit vielen Jahren pflegt Klaus Hohmann dankenswerterweise auf seiner Homepage [1] ein selbst geschriebenes Tool, mit welchem man sich kosmische Begegnungen anzeigen lassen kann. Interaktiv hat man die Möglichkeit, verschiedene Parameter, wie die Helligkeit des Deep-Sky-Objektes oder die Helligkeit des Kleinplaneten selbst, auszuwählen, um ein passendes Ereignis zu finden.
Eine zweite Internetanwendung stellt Klemens Waldhör [2] zur Verfügung. Mit seiner Anwendung lassen sich Listen von am Himmel sichtbaren Kleinkörpern des
Sonnensystems erstellen, wobei es auch möglich ist, den Standort auf der Erde festzulegen. In einem zweiten Schritt kann man diese Liste auf kosmische Begegnungen mit Deep-Sky-Objekten eingrenzen.
Und schließlich können diejenigen, die gerne in Planetariumsprogrammen herumstöbern, dort auch selbst nach kosmischen Begegnungen suchen. Bei der großen Anzahl an Asteroiden wird man normalerweise immer fündig.
Beispiele für die gewaltige Menge an Kleinkörpern im Sonnensystem liefern diesmal
1 NGC 2775 und diverse Kleinplaneten, aufgenommen von Gerhard Balda mit einem 40-cm-Newton und einer ASI2600MM-Kamera.
96 | Journal für Astronomie Nr. 96
Kleine Planeten
unsere beiden Gastfotografen Gerhard Balda [3] und Martin Timpe [4], auf deren Bildern sich mehr als eine Strichspur eines Kleinplaneten befindet.
Die Abbildung 1 wurde am 21. Januar 2025 von Gerhard Balda aufgenommen. Sie zeigt die Galaxie NGC 2775, in deren Nähe man gleich sechs Asteroiden erkennen kann. Für diese Aufnahme fuhr Gerhard zu seiner Außensternwarte in den Bergen, um dem Nebelsumpf um Graz herum zu entkommen und seine neu gebaute Montierung ,,Empusa" (Fangschrecke) zu testen (Abb. 2). Sie trägt einen 40-cm-Newton, um unter einem hervorragenden Himmel zu fotografieren. Zu Recht hat sich dieses Prachtexemplar des Instrumentenbaus auch einen Namen verdient! Die kosmische Begegnung entstand mittels Livestacking, bei dem laufend viele kurz belichtete Aufnahmen in Echtzeit aufsummiert werden und das Bild immer besser wird, je länger man auf ein Objekt draufhält. In diesem Fall reichte ca. eine Stunde, um Dank des dunklen Himmels und des relativ großen Teleskops Kleinplaneten gut zu erkennen, deren Helligkeiten zwischen 18,9 und 20,5 mag lagen.
Bei NGC 2775 handelt es sich um eine Spiralgalaxie vom Typ Sab. Sie liegt im Sternbild Krebs und ihre visuelle Gesamthelligkeit wird mit 10,4 mag angegeben. Am Himmel erscheint sie ca. 4 Bogenminuten groß und ist ca. 54 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Mit ca. 80.000 Lichtjahren Durchmesser ist sie etwas kleiner als unsere Milchstraße und bildet mit NGC 2777 und anderen eine kleine Galaxiengruppe. Entdeckt wurde sie 1783 von Wilhelm Herschel [5].
Zur Identifizierung der Kleinplaneten nutzte Gerhard den Minor Planet Checker [6] auf der Homepage des MPC. In diesem
2 Selbstbauprojekt Empusa von Gerhard Balda
Fall war die hellste Strichspur (223147) 2002 WU13 mit 18,9 mag visueller Helligkeit. Die weiteren Brocken sind (44681) 1999 RZ195 mit 19 mag, (105200) 2000 OD40 mit 19,5 mag, (87205) 2000 OB30 mit 19,6 mag, (139608) 2001 QF128 mit 20,3 mag und (540538) 2017 SX106 mit 20,5 mag. Alle Brocken sind Hauptgürtelasteroiden und wurden von automatischen Suchprogrammen entdeckt.
Die zweite Aufnahme (Abb. 3) [7] dieser Ausgabe stammt vom Astrofotografen Martin Timpe, der auch schon im VdS-Journal für Astronomie Nr. 93 Bildautor war. Im Gegensatz zu Gerhard verwendet er ein Weitfeldequipment, um mehrere Kleinplaneten einzufangen. Diese müssen jedoch deutlich heller sein, um eine erkennbare Strichspur zu hinterlassen. Seine Aufnahme entstand
am 10. bzw. 11. Januar 2024 und erhielt damals Besuch von zwei hellen Kleinplaneten. Da das Bild in zwei Nächten aufgenommen wurde, zeichnete jeder Asteroid zwei kurze Strichspuren in der Aufnahme. Das bringt noch einmal zusätzlich Dynamik ins Bild. Im Bildfeld sieht man das Nebelgebiet Sharpless2-230 im Sternbild Fuhrmann und den offenen Sternhaufen M38. Teile von Sh2-230 gehören zu den Winterhighlights wie z.B. der Flammensternnebel IC 405 oder die kosmischen Kaulquappen in IC 410 um den offenen Sternhaufen NGC 1893. Beim Flammensternnebel [8] nimmt man eine Entfernung von ca. 1.400 Lichtjahren an, während IC 410 mit 11.000 Lichtjahren viel weiter entfernt ist [9]. Visuell wäre natürlich M 38 das auffälligste Objekt im Bildfeld, aber durch die fotografisch dominierenden Nebel ist er buchstäblich in eine
Journal für Astronomie Nr. 96 | 97
Kleine Planeten
3 Sh2-230, (987) Wallia und (3025) Higson, aufgenommen mit einem 130-mm-Newton (f/3,3) und einer Canon 60Da
von Martin Timpe, Norden ist links.
4 Ausschnitt aus Abb. 3 mit IC 410 und (987) Wallia. (Bild: Martin Timpe)
98 | Journal für Astronomie Nr. 96
Ecke gedrängt worden. Der Sternhaufen war bereits rund 100 Jahre bekannt, bevor ihn Charles Messier in seinen Katalog aufnahm. Seine ca. 200 Haufenmitglieder sind ungefähr 4.000 Lichtjahre von uns entfernt. M 38 ist 6,4 mag hell und hat einen scheinbaren Durchmesser von ca. 21 Bogenminuten [10]. Mit dem kleineren Sternhaufen NGC 1907 bildet er ein reizvolles Duo, das an das Sternhaufenpärchen M 35 / NGC 2158 erinnert.
Bei den Kleinplaneten in der Aufnahme handelt es sich um (987) Wallia und (3025) Higson. Wallia ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels und braucht 5 Jahre und 202 Tage für eine Umrundung der Sonne. Er wurde 1922 von Karl Reinmuth in Heidelberg entdeckt und wie damals üblich mit einem weiblichen Namen versehen, der in diesem Fall keiner speziellen Person zugeordnet war. Der rund 44 km große Brocken war zum Zeitpunkt der Aufnahme 14,3
Kleine Planeten
mag hell und rund 350 Millionen Kilometer von der Erde entfernt [11].
Der Kleinplanet (3025) Higson ist ebenfalls um die 50 km groß. Er gehört zu den äußeren Hauptgürtelasteroiden und war während der Aufnahme ca. 14,8 mag hell und 315 Millionen km von uns entfernt. Dass er bei ähnlicher Größe und geringerer Entfernung trotzdem etwas lichtschwächer erscheint, ist seiner dunkleren Farbe geschuldet. Entdeckt wurde er 1982 vom amerikanischen Astronomen-Ehepaar Eugene und Carolyn Shoemaker am Palomar-Observatorium. Eugene Shoemaker ist der Mitentdecker des Kometen Shoemaker Levi 9, der bekanntermaßen in den Jupiter einschlug. Dieses Schicksal bleibt wohl Higson erspart. Namenspatron war Roger Higson, ein Nachtassistent am 1,2-m-Schmidt-Teleskop des Palomar-Observatoriums. Der Kleinplanet ist Namensgeber für die Higson-Asteroidenfamilie [12]. Fein, dass er so weit draußen nicht allein rumschwirrt.
5 Ausschnitt aus Abb. 3 mit IC 405 und (3025) Higson am linken Bildrand
(Bild: Martin Timpe)
Wir möchten Sie im Namen der Fachgruppe Kleine Planeten der VdS bitten, Ihre kosmische Begegnung einzusenden, um zukünftige Ausgaben des VdS-Journals für Astronomie mit Ihren Bildern zu bereichern. Schicken Sie die Bilder per E-Mail mit dem Betreff ,,Kosmische Begegnung" an ries@sternwarte-altschwendt.at.
Daten des Teleskops bzw. der Kamera mitzuteilen. Der Autor eines ausgewählten Bildes wird anschließend aufgefordert, eine unkomprimierte Version des Bildes für den Druck zur Verfügung zu stellen.
Bitte vergessen Sie nicht, das Aufnahmedatum, die fotografierten Objekte und die
Internethinweise (Stand 01.09.2025):
[1] K. Hohmann: ,,Astrofotografie: Kosmische Begegnungen", http://
astrofotografie.hohmann-edv.de/aufnahmen/kosmische.begegnungen.php [1]
[2] K. Waldhör: ,,Suche nach Kometen, Kleinplaneten und NEOs für ein
Datum", www.waldhor.com/astronomie/ephemworker/
jplabfragesmallobjects.html
[3] G. Balda: Homepage, www.balda.at [4] [4] M. Timpe: Homepage, https://spacephoto.de/de/
[5] Wikipedia: ,,NGC 2775": https://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2775
[6] IAU Minor Planet Center: "Minor Planet Checker",
https://minorplanetcenter.net/cgi-bin/checkmp.cgi [7] M. Timpe: ,,Sh2-230: Eine HII-Region mit vielen weiteren Deep-Sky- [7]
Objekten", https://spacephoto.de/de/blog/Sh%202-230/
[8] Wikipedia: ,,IC 405", https://de.wikipedia.org/wiki/IC_405
[9] Wikipedia: ,,NGC 1893", https://de.wikipedia.org/wiki/NGC_1893
[10] Wikipedia: ,,Messier 38", https://de.wikipedia.org/wiki/Messier_38
[10]
[11] Wikipedia: ,,(987) Wallia", https://de.wikipedia.org/wiki/(987)_Wallia
[12] Wikipedia: ,,(3025) Higson", https://de.wikipedia.org/wiki/(3025)_Higson
[2]
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Journal für Astronomie Nr. 96 | 99
Kometen
Das Treffen der Fachgruppe Kometen im Mai 2025
von Uwe Pilz
Am Samstag, dem 17. Mai 2025, war es wieder soweit: Die Aktiven der Fachgruppe Kometen kamen in unserer VdS-Sternwarte in Kirchheim zusammen. Fast alle waren schon am Freitagabend angereist zum gemütlichen Zusammensein. Wir freuen uns jedes Mal, uns alle wiederzusehen. 18 Teilnehmer, so viele waren wir noch nie.
Der Samstag war einem Vortragsprogramm gewidmet. Nach meiner kurzen Übersicht über die Arbeit der Fachgruppe zeigte Robin Hegenbart seine Kometenzeichnungen. Besonders interessant fand ich die Widergabe von Koma-Details, welche auf den Fotos des Gesamt-Kometen, also mit Schweif, nicht zu haben sind.
Der Komet C/2023 A3 (Tsuchinshan-Atlas) lag um den 9. Oktober 2024 herum bis zu 4 Größenklassen über der Prognose. Verantwortlich war die Vorwärtsstreuung. Hierüber berichtete ich im zweiten Vortrag.
Wir alle waren sehr gespannt auf Michael Jägers Bilderschau zu Tsuchinshan-Atlas. Michael war in Namibia, seine Bilderschau war gewürzt mit einem Reisebericht. Die Anreise wäre fast gescheitert. Wir waren alle beeindruckt von dem zerzausten Ionenschweif am 30. September, der auch in der Bilderschau zum Kometen in Heft 93 des VdS-Journals für Astronomie zu sehen ist.
Maik Meyer beschäftigt sich mit historischen Kometenerscheinungen und hat an mehreren Buchprojekten mitgewirkt. Jetzt gelang es ihm zu belegen, dass den Kometenerscheinungen der Jahre 1402, 1032, 676 und 336 derselbe Ursprungskörper zugrunde liegt. Der letztendliche Beweis wird im Jahr 2097 geliefert, bei der nächsten Wiederkehr. Vielleicht liest dann jemand Maiks Veröffentlichung hierzu [1].
Hartmut Hoeft hat die Sonnenfinsternis vom 8. April 2024 in Texas beobachtet, allerdings durch Wolken beeinträchtigt. Er konnte aber Mike Olason in Tucson besuchen. Mike ist Kometenbeobachter und ist in der Kometenecke unseres VdS-Forums recht aktiv, er hat hier seine astronomische Heimat gefunden. Hartmut wiederum konnte Mikes Kaktus besichtigen, der auf einigen seiner Fotos als Staffage mitwirkt.
Thomas Lehmann hat die so genannten AIRTOOLS entwickelt, mit welchen die Gesamtkomahelligkeiten von Kometen in hoher Genauigkeit bestimmt werden können. Leider benutzt außer ihm nur Steffen Fritsche dieses Werkzeug. In seinem Vortrag berichtete er begeistert von seiner Arbeitsweise und den Ergebnissen.
Zur Erscheinung des Kometen 103P/Hartley im Jahr 2010 wurde anhand von zahl-
reichen Untersuchungen eine Variation der Rotationsdauer des Kerns festgestellt. Thomas Lehmann gelang bei der letzten Wiederkehr des Kometen 2023 sogar der Nachweis unter Einsatz kleiner Teleskope. Helligkeitsmessungen, welche nur die innere Gas-Koma berücksichtigten, bestätigen die Verlangsamung der Rotation, wenngleich mit einer geringeren Rate als früher [2]. Ein bemerkenswerter Erfolg!
Zum Schluss berichtete ich kurz über meine bisherigen Ergebnisse und Pläne zur spektroskopischen Untersuchung von Kometen. Ich hatte eine Kamera samt spektroskopischem Gitter dabei, mit welcher wir die Quecksilberlinien einer Energiesparlampe sehen konnten. Unser Treffen endete mit dem traditionellen Abschlussgrillen, welches die Sternwarte für uns immer organisiert. Recht vielen Dank an Jürgen Schulz und die Mitglieder des Sternwartenvereins!
Literatur- und Internethinweise (Stand 02.09.2025): [1] M. Meyer, G.W. Kronk, 2025: "The
great comet C/1743 X1: Possible identification in historic records of 1402, 1032, 676, and 336", Journal of Astronomical History and Heritage 28(1), p. 29-49
1 17 der 18 Teilnehmer am Treffen der FG Kometen 2025 (Bild: U. Pilz)
100 | Journal für Astronomie Nr. 96
[2] Th. Lehmann, 2025: "Apparent Change in Comet 103P/Hartley 2's Rotation Period During 2023/2024 Measured via Aperture Photometry", Res. Notes AAS 9, p. 68; https://iopscience.iop.org/article/ 10.3847/2515-5172/adc4e7/meta
Mond
Zur freien Sichtbarkeit schmaler Mondsicheln am Taghimmel
- Beobachtungen und Modellierung
von Christoph Gerber und Elmar Schmidt
Einführung In einem früheren Beitrag der Autoren wurden Kriterien zur Sichtbarkeit visueller Punktobjekte wie Venus, Jupiter und Sirius am Taghimmel vorgestellt [1]. Als Leitgröße wurde das Verhältnis der Signale von Objekt- zu Untergrundhelligkeit S/N erarbeitet. Aus einem Fundus von inzwischen über 60 Beobachtungen wurden für die sichere Erkennbarkeit bei Venus dafür etwa 1 : 2 und bei Jupiter 1 : 3 mit einem Auslauf im Bereich von ungefähr 1 : 10 festgestellt, in dem sonst höchstens noch Sirius am Taghimmel freisichtig werden kann.
Daraus ergab sich als weiteres Projekt die Fragestellung, welche Mondsicheln noch mit bloßem Auge am Taghimmel gesehen werden können. Zur Einstimmung diene die Abbildung 1, das Foto einer ,,unkritischen" Mondsichel am Nachmittagshimmel, unweit derer auch noch die Venus erkennbar ist. Die unterschiedliche Auffälligkeit stimmt mit der Beobachtungserfahrung überein.
1 9,4%ige Mondsichel (-7,2 mag) in 36 Grad Elongation und Venus (-4,8 mag)
am 2. März 2025 um 16:50 Uhr MEZ (Foto mit Genehmigung von Sabrina Müller, Rödinghausen); unter [2] befindet sich eine Fassung mit Aufsuchhilfen
Im Folgenden stellen wir 16 gelungene und 8 gescheiterte Mondsichel-Tagsichtungen vor und werden versuchen, mittels gemessener und modellierter S/N die zugehörigen Anforderungen einzukreisen.
Flächenhelligkeit des Mondes und des Taghimmels Bei Punktobjekten mussten wir zur Bildung einer Signalgröße S deren tabellierte Helligkeiten (Magnituden) in den Raumwinkel des in Literaturdaten gegebenen Auflösungsscheibchens umlegen [1]. Da der Mond dem Auge als ausgedehntes Objekt erscheint, setzen wir für seine Flächenhelligkeit als Signal S die mit einem kommerziellen Gerät direkt gemessenen Werte der Leuchtdichte L an [3]. Leuchtdichten L sind SI-konform und werden in der Einheit Candela pro Quadratmeter [c d m-2] angegeben [4]. Die Abbildung 2 zeigt eine Zusammen-
stellung von über 400 unveröffentlichten Leuchtdichtebestimmungen am Wohnort des Autors Schmidt in Abhängigkeit vom linear beleuchteten Teil des Mondes (welcher auch mit dem Raumwinkelanteil übereinstimmt). Um die Vergleichbarkeit dieser am Nacht- und (nach Untergrundabzug) am Dämmerungshimmel ermittelten Werte zu gewährleisten, wurden sie auf den mittleren Sonnenabstand reduziert, der sich sonst infolge des quadratischen Abstandsgesetzes jahreszeitabhängig mit einer Streubreite von etwa 7% in der Serie zeigen würde.
Die dennoch übrigbleibende Streuung in der Abbildung 2 hat damit zu tun, dass die Serie im Grunde aus Absolutmessungen besteht, für welche jeweils die atmosphärische Extinktion nur mit einem Standardansatz für Blauhimmel rausgerechnet
Journal für Astronomie Nr. 96 | 101
Mond
wurde. Darüber hinaus gibt es im Tiefland selbst bei scheinbar guter Transparenz immer noch eine aerosolbedingte Variation. Die Vielzahl der Messungen hat aber zu einer im Diagramm einigermaßen scharfen Oberkante an Leuchtdichten geführt, die wir als deren grenzwertiges Ideal ansehen. Diese Kantenwerte wenden wir auf unsere kritischen Mondsichtungen an, für welche im Allgemeinen auch sehr gute atmosphärische Bedingungen erforderlich sind.
Die Zunahme der Leuchtdichte mit dem beleuchteten Teil des Mondes ist eine Folge der bidirektional diffusen Reflexion des Sonnenlichts, welche näherungsweise mit dem so genannten Lommel-SeeligerGesetz beschrieben wird, in welches (im Cosinus) die jeweiligen Ein- und Ausfallswinkel eingehen. Die Kugelgestalt des Mondes würde eine Integration über alle Auftreffpunkte mit Sonnenbeleuchtung erfordern, wofür im Rahmen dieses Beitrags kein Raum ist. Im Übrigen verbleiben dann immer noch Abweichungen, welche bis
2 Leuchtdichte des Mondes (eigene Messungen)
heute Forschungsgegenstand von Mondmissionen sind [5]. Für unsere Zwecke berücksichtigt die gemessene Mondleuchtdichte aus der Abbildung 2 letztlich alle Detaileffekte. Unter diesen sorgt vor allem der Rückgang der Schatten in der lunaren Mikrotopografie zur Vollmondphase hin für einen starken Anstieg der Leuchtdichte, den so genannten Oppositionseffekt. Für
den Bereich der schmalen Mondsicheln, also für streifende Strahlenverläufe, verzeichnet man quasi als ,,Konjunktionseffekt" einen verstärkten Rückgang der Leuchtdichte, wodurch insgesamt jener sigmoide Kurvenverlauf entsteht.
Zur Auswertung unserer Sichtungen und Versuche wird noch die Höhe des signal-
3 Freisichtigkeit des Mondes nach beleuchtetem
Teil und Himmelshelligkeit
102 | Journal für Astronomie Nr. 96
4 Einfluss des Sonnenabstands auf die Freisichtigkeit
Mond
technischen Untergrunds benötigt (optisch ist es eigentlich ein Vordergrundsignal). Für dieses Rauschen N (,,noise") kommt nur die Leuchtdichte des Himmels beim Mond in Frage. Diese wurde für die 16 Sichtungen und Versuche des Autors Schmidt direkt mit dem Photometer [3] gemessen, für die acht verbleibenden empirisch aus Abtastungen des Tag- und Dämmerungsblauhimmels übernommen. Vgl. dazu die Abbildung 3 unseres früheren Artikels [1]. Somit konnte dann für alle Sichtungen und Versuche ein S/N gebildet werden.
Ergebnisse Gelegenheitsbeobachter kennen Monde mit 30-90% Beleuchtungsanteil als völlig normale Taghimmelsobjekte. Ihre Leuchtdichten liegen zwischen 600 und 2.000 c d m-2, also nur wenig unter den Leuchtdichten der zugehörigen Blauhimmel, was zu S/N zwischen 1 : 5 und 1 : 2 führt, die bekanntlich selbst bei Punktobjekten unkritisch sind.
Für immer schmaler werdende Mondsicheln kommen gegenläufige Effekte ins Spiel. Nicht nur, dass ihr Leuchtdichtesignal S gemäß der Abbildung 2 kleiner wird - sie rücken der Sonne zwangsläufig näher, so dass die Himmelsleuchtdichte N bei ihnen ansteigt.
Es zeigt sich, dass tagsüber Mondsicheln mit 3-3,5% Beleuchtungsanteil grenzsichtbar sind, da es dort genauso viele Erfolge wie Misserfolge gab, und eine 2,2% schmale Sichel definitiv verpasst wurde. Mit 3% Breite steht der Mond übrigens nur noch 20 Grad von der Sonne entfernt mit Helligkeiten zwischen -5 und -5,5 mag je nach Extinktion. Dass zwei Sichtungen eigentlich ,,unkritischer" Sicheln mit Breiten von knapp 9% misslangen, hatte mit einem jeweils durch Hochnebel überstrahlten Himmel zu tun. (Man beachte, dass die Blendgrenze gemeinhin mit 10.000 c d m-2 angenommen wird.)
Um von den für Amateurastronomen unüblichen Leuchtdichten wegzukommen, wurden unsere Sichtungen in der Abbildung 4 nochmals über den Mondhelligkeiten in Magnituden (inkl. Extinktion) aufgetragen. Letztere können gemäß einer für die Fotometrie von Mondfinsternissen entwickelten Methodik [6] aus den Leuchtdichtemessungen in der Abbildung 2 ermittelt werden, stimmen aber in etwa auch mit den Angaben eines Planetariumsprogramms überein [7]. Auf der Hochachse erscheinen nun die Sonnenabstände (Elongationen) in Grad.
Der Mond wird natürlich mit zunehmender Elongation heller, wie sich trotz einiger Zusatzeinflüsse und wohl auch Messfehler
5 Histogramm für
die Verhältnisse S/N der Sichtungen und Fehlversuche
Schon für Mondsicheln unter 10% Beleuchtungsanteil muss man sich deshalb Mühe geben, um sie am Taghimmel zu sehen. Unterhalb von 5% Beleuchtungsanteil werden Sichtungen mit dem bloßen Auge schwierig und gelingen oft nur, nachdem der Mond vorher mit Ferngläsern aufgesucht wurde. Die Abbildung 3 zeigt unsere erfolgreichen Mondsichtungen zusammen mit den gescheiterten Versuchen in Abhängigkeit des beleuchteten Anteils und der zugehörigen Himmelsleuchtdichten.
6 Mit zwei Ansätzen für Taghimmelsverhältnisse modelliertes N : S
(Kehrwert des S/N) über dem Beleuchtungsanteil des Mondes
Journal für Astronomie Nr. 96 | 103
Mond
in der in der Abbildung 4 gestrichelt eingetragenen Kurve andeutet. Klar wird aber erneut, dass die Freisichtigkeit schmaler Mondsicheln unterhalb von 20o Elongation und -5,3 mag Helligkeit aufhört. Warum beide Werte diejenigen für die Tagsichtbarkeit von Venus übertreffen, wird noch zu diskutieren sein.
Aus den mittleren Leuchtdichten der Mondsicheln und des Taghimmels daneben wurden im Quotienten schließlich jeweils die S/N gebildet. Die 24 Sichtungen und Versuche sind in der Abbildung 5
diesbezüglich in Form eines Histogramms zusammengestellt. Der Übergang zwischen misslungenen und gelungenen Sichtungen liegt zwischen S/N-Werten von 0,02 bis 0,03; genau genommen hatte die kritischste Sichtung ein S/N von 0,026. Mit 0,026 und 0,027 lagen dort auch zwei Fehlversuche, die anderen hatten kleinere S/N.
Diskussion und Hinweise für Beobachter Die Sichtbarkeit schmaler Mondsicheln am Taghimmel gelingt offenbar bis herunter zu einem formidablen S/N von fast 1 : 40 (ge-
nau: 0,026). Das liegt trotz integral größerer Helligkeit als etwa Venus um den Faktor 3 bis 5 niedriger als bei kritischen Sichtungen von Punktobjekten [1]. Wir erklären uns das damit, dass der Mond als ausgedehntes und visuell aufgelöstes Objekt mit ungewöhnlicher Form eher auffällt als die Punktobjekte. Bei Letzteren besteht der Widerstreit, sie im Himmelsblau fixieren und fokussieren zu müssen, während die so genannten sakkadischen Augenbewegungen nach einem ,,Anhaltspunkt" suchen [8].
Literatur- und Internethinweise (Stand 02.09.2025):
[1] C. Gerber und E. Schmidt, 2025: ,,Visuelle Grenzhelligkeiten am Nacht- und Taghim-
mel - Modellierung und Beobachtungen", VdS-Journal für Astronomie 92, S. 68-72
[2] S. Müller, 2025: ,,Re: Aufruf Mondsicheln am Taghimmel", AKM e.V. Forum,
02.03.2025; https://forum.meteoros.de/viewtopic.php?f=1&t=62459#p249199
[3] Konica Minolta (Europe): ,,LS-150 Produktbeschreibung",
[2]
[3]
https://sensing.konicaminolta.eu/mi-en/products/light-and-display-measurement/
luminance-meters/ls-150-ls-160
[4] Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI e.V., Frankfurt: ,,Grundlagen zur
Leuchtdichte", www.licht.de/de/grundlagen/lichtlexikon/details-lichtlexikon/
[4]
[5]
leuchtdichte
[5] J. Zhang et al., 2013: "Photometric modeling of the Moon using Lommel-Seeliger
function and Chang'E-1 IIM data", Chinese Science Bulletin 58, p. 4588-4592;
www.researchgate.net/publication/272006276_Photometric_modeling_of_the_ [7] [8] Moon_using_Lommel-Seeliger_function_and_Chang'E-1_IIM_data
[6] N. Hernitschek, E. Schmidt, M. Vollmer, 2008: "Lunar eclipse photometry: absolute
luminance measurements and modeling", Applied Optics 47, p. 62-71
[7] M. Busch: ,,EasySky, Das Planetarium auf Ihrem PC", https://www.easysky.de
[8] J. Funke (Univ. Heidelberg), 2006, ,,Wenn Blicke sprechen", UniSpiegel Nr. 1;
[10]
[11]
www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca06-1/wenn.html
[9] H. L. Resnikoff, 1987: "The Illusion of Reality", Springer-Verlag, New York u.a.,
S. 313
[10] J. Lodriguss, 2011: "Thin Crescent, AstroPix", www.astropix.com/html/
[12]
planetary_images/young_moon_20110203.html
[11] Th. Legault, 2013: "Record - The New Moon Crescent July 8", Astrophotography,
www.astrophoto.fr/new_moon_2013july8.html
[12] L. Fatoohi, F. R. Stephenson, Sh. Al-Dargazelli, 1998: "The Danjon limit of first visi-
bility of the lunar crescent", The Observatory 118, p. 65-72; https://articles.adsabs.
harvard.edu//full/1998Obs...118...65F
104 | Journal für Astronomie Nr. 96
Mond
In der Abbildung 6 werden zum Abschluss zwei modellierte Verläufe für die relative Himmelshelligkeit vor dem am Taghimmel stehenden Mond als Funktion des beleuchteten Teils gezeigt. Man sieht, dass im kritischen Bereich dieser Vordergrundanteil zur Mondleuchtdichte fast um den Faktor 2 oberhalb desjenigen an der Gesamthelligkeit des Mondes liegt (für Letzteren wurde die vor die Mondsichel fallende Himmelsleuchtdichte wie in [1] in eine Magnitude umgerechnet). Die Erklärung des Unterschieds dürfte mit der Verwendung über den Raumwinkel gemittelter Mondleuchtdichten aus der Abbildung 2 zu tun haben. Tatsächlich nimmt die Leuchtdichte zum kreisförmigen Rand der Mondsichel aber stark zu. Womöglich ist ein hybrides Modell besser, das zwischen den beiden Ansätzen vermittelt. Damit würde sich das grenzlagige S/N von gut 1 : 40 auf 1 : 25 reduzieren. Übrigens hat Ernst Heinrich Weber, einer der Begründer der Sinnesphysiologie, schon vor fast 200 Jahren in Leipzig festgestellt, dass zwei Stimuli noch als unterschiedlich wahrnehmbar sind, wenn ihre Differenz 1/30 ihrer Stärke ist [9].
Unabhängig von solcherlei Überlegungen sollten interessierte Beobachter versuchen, sich durch den grünen Streifen in der Abbildung 6 von etwa 15%igen Mondsicheln zu unter 5%igen am Taghimmel vorzutasten. Die zugehörigen Gelegenheiten um die Neumondphase können mit Planetariumsprogrammen ermittelt werden. Zum Auffinden des Mondes sind Ferngläser hilfreich, wobei durch einen ohnedies sinnvollen, schattierten Standort unbedingt ausgeschlossen werden muss, versehentlich die Sonne anzuvisieren.
Dämmerungs- und Fernrohrsichtungen schmaler Mondsicheln Bekanntlich sind im islamischen Kulturraum Sichtungen sehr junger Mondsicheln wichtig, um den Beginn des religiösen Monats festzulegen. Solche werden üblicherweise in der Abenddämmerung vorgenommen. Da dann die Himmelshelligkeit auf Leuchtdichtewerte von unter 100 c d m-2 sinkt, werden extrem schmale Mondsicheln mühelos freisichtig, deren Leuchtdichte selbst mit Extinktion nur wenig darunter liegt. Sichtungen von nur etwa 20 Stunden
,,jungen" oder ,,alten" Monden in ungefähr 12 Grad Sonnenabstand sind mit etwas Planung und bei guten Himmelsbedingungen kein Problem, solche Sicheln sind dann nur noch zu 1,1% beleuchtet [10].
Was teleskopisch und mit Stacking von 4.000 NIR-Fotos möglich ist, hat sich schon vor einigen Jahren im Nachweis einer ,,Neumondsichel" in nur 4,6 Grad Sonnendistanz gezeigt [11]. Mit diesem sensationellen Ergebnis wurde auch die Anschauung Danjons widerlegt, der abschätzte, dass Monde unter 5-7 Grad Abstand von der Sonne unbeleuchtet erscheinen würden [12].
Das Erdlicht auf dem Mond hat ohne Extinktion eine Leuchtdichte von maximal ca. 0,3 c d m-2 und ist daher am Taghimmel unter allen Umständen unsichtbar. Erst gegen den Dämmerungshimmel kann es sich mit ähnlichen S/N durchsetzen, wie es die Mondsicheln am Taghimmel tun.
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Journal für Astronomie Nr. 96 | 105
Radioastronomie
Meteor-Radioastronomie mit einfachen Mitteln:
Beobachtung von Meteoren mit einem Radio
von Robert Korn
Die Beobachtung von Meteoren eröffnet einen faszinierenden Zugang zur Dynamik unseres Sonnensystems. Während sichtbare Meteore zumeist als eindrucksvolle Lichtphänomene in den Nachtstunden wahrgenommen werden, existiert auch eine Möglichkeit, diese Erscheinungen unabhängig von Tageszeit und Wetterlage zu registrieren - mittels Radiowellen. Der folgende Beitrag beschreibt eine alltagsnahe und technisch überschaubare Methode, Meteore mithilfe so genannter ,,ForwardScatter"-Technik nachzuweisen.
Meteore als Reflektoren Ein Meteoroid, der mit hoher Geschwindigkeit - häufig mehr als 30 km/s - in die oberen Schichten der Erdatmosphäre eindringt, erzeugt infolge der Reibung eine plötzliche Ionisation entlang seiner Flugbahn. Dabei werden Luftmoleküle energetisch angeregt und temporär elektrisch leitfähig. Diese kurzlebigen Ionisationsspuren wirken für Radiowellen als Reflektoren - ähnlich wie ein Metallobjekt in der Atmosphäre elektromagnetische Strahlung zurückwerfen kann. So wie etwa ein Flugzeug eine Radaraussendung reflektiert und mit einem geeigneten Empfänger wahrgenommen werden kann, so können auch die Ionisationsspuren der Meteore durch Reflexion von Radiosignalen sichtbar gemacht werden.
Meteore emittieren also keine Radiowellen selbst. Es gibt lediglich sporadische Hinweise auf Radioemissionen von Meteoren im Längstwellenbereich, also im Bereich des elektromagnetischen Spektrums zwischen 3 und 30 kHz. Ich habe mich gerne und ausgiebig mit dem Nachweis dieser Strahlung befasst - bislang führten meine Aktivitäten hier jedoch noch nicht zu praktisch relevanten Ergebnissen. Meteore werden also indirekt beobachtbar, wenn
externe Radiosignale an ihren Ionisationskanälen reflektiert und von einem Empfänger registriert werden. Dieses Prinzip wird unter dem Begriff ,,Meteor Scatter", genauer ,,Forward Scatter", geführt.
Das genutzte Sendesignal Eine besonders geeignete Signalquelle für diese Methode ist ein kontinuierlich arbeitender militärischer Radarsender in Ostfrankreich (Position: 47 Grad 20' 52,8'' Nord, 05 Grad 30' 54,4''Ost), der auf 143,050 MHz mit einer Leistung von etwa 400 Watt abstrahlt. Ziel des von der französischen Armee betriebenen Radarsystems ist die Bahnverfolgung künstlicher Objekte im Orbit - jedoch kann dieses konstante Signal ebenfalls zur Meteorerkennung verwendet werden, wenn es an Ionisationsspuren reflektiert wird.
Da sich der Sender außerhalb des Sichtbereichs der Empfangsstation befindet (etwa 370 km südlich), ist ein direkter Empfang ausgeschlossen - erst durch Reflexion an Meteorionisationen wird das Signal temporär empfangbar.
1 Yagi-Antenne für den
Frequenzbereich von 140-160 MHz von SIRIO, WY 140-4N
2 N-Stecker
Empfangsanlage - Antenne und Empfänger Die Signale lassen sich auch von Deutschland aus mit recht geringem Aufwand empfangen. Zentraler Bestandteil ist eine Richtantenne, die auf den zu erwartenden Reflexionsbereich ausgerichtet wird. Da die Arbeitsfrequenz von 143,050 MHz im 2-mBand liegt, wo sich Amateurfunk und der frei nutzbare Freenet-Bereich tummeln, sind geeignete Antennen kommerziell verfügbar und können mit begrenztem finanziellem Aufwand erworben werden. Ich
106 | Journal für Astronomie Nr. 96
Radioastronomie
selbst benutze mit gutem Erfolg eine YagiAntenne für den Frequenzbereich von 140 bis 160 MHz von SIRIO, Typ WY 140-4N, die in diversen Onlineshops ab 120 Euro erhältlich ist. Die in der Abbildung 1 dargestellte Antenne besteht aus vier Elementen, liefert einen Antennengewinn von 8,5 dBi und ist rund 1,60 Meter lang und gut 1 Meter breit. Sie wurde vertikal polarisiert (also mit den Stäben in vertikaler Richtung) und mit leicht erhöhter Ausrichtung in westlicher Richtung montiert. Der Anschluss erfolgt über ein Koaxialkabel mit 50 Ohm Impedanz, z.B. RG58/U, das mithilfe eines N-Steckers (Abb. 2) mit der Antenne verbunden wird. Wer alternative Bauformen bevorzugt oder gerne bastelt, kann sich mit Messingrohr aus dem Baumarkt auch eine HB9CV-Antenne (Abb. 3) selbst anfertigen - entsprechende Bauanleitungen sind online zahlreich vorhanden.
Das empfangene Signal wird anschließend über das Koaxialkabel an einen SDR (Software Defined Radio) weitergeleitet - einen kleinen Radioempfänger mit USB-Anschluss, bei dem sämtliche Empfangsparameter softwareseitig am PC gesteuert werden. Der verwendete SDR im hier vorgestellten Aufbau ist ein RSP1A (Abb. 4), den es im Internet ab 120 Euro zu kaufen gibt (gebraucht sogar günstiger). Jedoch sind auch viele andere handelsübliche SDRs (z.B. RTL-SDR ab 30 Euro) grundsätzlich ebenfalls geeignet. Für den Anschluss empfiehlt sich ein Adapter von BNC auf SMA, sofern die Steckverbindungen nicht ohnehin schon über das Koaxialkabel angepasst wurden. Auf dem Computer kommt eine geeignete SDR-Software zum Einsatz - etwa SDRUno, eine kostenfrei verfügbare und weit verbreitete Anwendung. Die Auswahl unter den Angeboten sei dem Anwender überlassen - ich komme mit der genannten Software bislang gut zurecht.
3 HB9CV-Antenne
4 SDR-Radio vom Typ SDR Play RSP1A
Software und Empfangsbetrieb Nach dem Starten der Software wird die Empfangsfrequenz auf 143,052 MHz eingestellt und der Betrachtungsbereich (,,Wasserfall") auf ein schmales Fenster von z.B. 143,048 bis 143,058 MHz eingegrenzt. Alle weiteren Einstellungen (Farbpalette, Durchlaufgeschwindigkeit, Stummschaltung, Betriebsmodus, AGC etc.) nimmt jeder so vor, wie es den eigenen Bedürfnissen entspricht. Die Variablen sind ebenso vielfältig wie für Einsteiger verwirrend - stundenlange Beschäftigung ist garantiert. Die Auswertung erfolgt visuell im so genannten Wasserfalldiagramm. Wenn der Aufbau und die Grundeinstellungen korrekt sind, erscheinen die Signale dort als farbcodierte Linien - abhängig von Intensität und Zeitverlauf. Dargestellt werden waagrecht die Frequenz und senkrecht die Zeit. Die Intensität des empfangenen Signals ist farbcodiert.
In der Abbildung 5 lassen sich zwei typische Reflexionsereignisse unterscheiden: Es zeigen sich an meinem Beobachtungsstandort
zunächst fast immer mehrere dicke, vertikal und parallel nach unten verlaufende Streifen, die im linken Drittel des Wasserfalldiagramms bei bestimmten Frequenzen sichtbar sind. Diese stammen vom konstanten zivilen Luftverkehr. Flugzeuge reflektieren kontinuierlich das Sendesignal, bewegen sich aber vergleichsweise langsam durch das Empfangsfeld. Davon abgrenzbar zeigen sich teilweise überkreuzende horizontale helle Linien - in Abbildung 5 im oberen Drittel und im Zentrum sichtbar. Dies sind klassische Meteorechos. Sie entstehen durch die Ionisation beim Eintritt in die Atmosphäre und reflektieren das Signal nur für Sekundenbruchteile.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 107
Radioastronomie
Eine spezielle Form von Meteorecho zeigt sich in der Abbildung 6. Hier erkennt man im linken unteren Bildbereich ein auffallend starkes, breites und lang anhaltendes Echo. Solche Signaturen werden oft als ,,Zerleger" bezeichnet: Höchstwahrscheinlich zerbricht ein größerer Meteoroid beim Eintritt in die Atmosphäre in mehrere Teile. Die entstehenden Teilstücke folgen eng benachbarten Flugbahnen und erzeugen überlappende Ionisationskanäle. Diese reflektieren das Radiosignal über eine längere Zeitspanne mit besonders hoher Intensität. In der Wasserfalldarstellung erscheinen solche Ereignisse daher als helle, teils mehrschichtige Cluster - ein Hinweis auf komplexe Fragmentationsprozesse in der oberen Atmosphäre.
In der Abbildung 7 ist ein weiteres Phänomen zu sehen: Die schräg in paralleler Richtung verlaufenden feinen Linien auf der rechten Bildhälfte stammen mutmaßlich von Starlink-Satelliten, die in niedrigen Umlaufbahnen die Erde umkreisen. Der hier beobachtete Schwarm durchquerte das Empfangsfenster innerhalb weniger Minuten. Durch ihre Bewegung und geringe Flughöhe verursachen sie charakteristische Doppler-Verschiebungen.
5 Oben: Reflexionssignale von Flugzeugen
und Meteoren. Horizontal aufgetragen ist die Frequenz, vertikal die Zeit, die Intensität ist codiert von schwarzblau (niedrig) bis gelbweiß (hoch).
6 Mitte: Typisches Erscheinungsbild eines
,,Zerlegers"
7 Unten: Satelliten in niedrigem Orbit
zeigen sich als schräge, fast waagrecht liegende Linien im Diagramm.
8 Die Auswertung erfolgt analog mit Zettel und Bleistift.
Analoge Auswertung Trotz aller technischer Möglichkeiten wird in der hier beschriebenen Beobachtung der Charme einer bewusst analogen Auswertung gepflegt (s. Abb. 8). Die Meteorzählung erfolgt händisch - zur festgelegten Tageszeit mit Strichlisten auf Papier. Insbesondere während bekannter Meteorschauer wie den Arietiden (Ende Mai / Anfang Juni) lassen sich auf diese Weise klare Häufungen feststellen. Automatisierte Verfahren zur kontinuierlichen Auswertung und Archivierung der Daten sind technisch möglich und vielfach erprobt. Sie stellen aber, so die Erfahrung, eine gewisse Einstiegshürde dar und sind nicht zwingend für erste Schritte erforderlich. Insbesondere ist es notwendig, bei der automatisierten Meteorerkennung zwischen Meteorereignissen und anderen Reflexionen - etwa durch Flugzeuge und Satelliten (siehe oben) - zu unterscheiden.
Fazit Die vorgestellte Methode erlaubt es, mit vergleichsweise einfachen Mitteln Meteore ganzjährig, wetterunabhängig und auch am Tag zu registrieren. Die Faszination der Radiobeobachtung liegt nicht nur in der einfachen technischen Realisierbarkeit, sondern auch in der Erweiterung des eigenen Beobachtungshorizonts - im wahrsten Sinne des Wortes. Ob als Einstieg in die Welt der Funktechnik, als Ergänzung zur optischen Meteorbeobachtung oder als interdisziplinäres Projekt zwischen Astronomie, Physik und Elektronik - die Radiobeobachtung von Meteoren zeigt eindrücklich, wie vielschichtig unser Himmel ist. Und sie macht deutlich: Auch jenseits des Sichtbaren gibt es einiges zu entdecken.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 109
Remote-Sternwarten
Das Foto des Quartals
von Bernd Christensen
Die ,,Power User" der Fachgruppe ,,Remote-Sternwarten" wählen jeweils für das vergangene Quartal ein besonderes Foto aus der Galerie der Aufnahmen von der VdSRemote-Sternwarte [1] aus. Damit sollen die Ergebnisse der Sternwarte der breiten VdS-Gemeinschaft nähergebracht und die FG-Mitglieder motiviert werden, ihre mit der Sternwarte erhaltenen Ergebnisse auf die Galerie der Fachgruppe hochzuladen.
Für das zweite Quartal 2025 war die Qual der Wahl groß, da es aus 26 durchweg sehenswerten Bildern das beste auszuwählen galt. Es ist dann das tiefe Bild des Planetarischen Nebels Abell 35 (Sh2-313) von Stephan Küppers und Karsten Möller (Operator: Kai-Oliver Detken, Martin Nischang und Yves Bastian) geworden. Ein herzlicher Glückwunsch an die beiden. Aber lassen wir dazu nachfolgend die Autoren selbst zu Wort kommen.
Internethinweise (Stand 02.09.2025): [1] VdS-Fachgruppe Remote-Sternwarten:
,,Fotogalerie", https://remotesternwarten. sternfreunde.de/beobachtung/galerie/
[2] VdS-Fachgruppe Remote-Sternwarten: ,,Abell 35", https://remotesternwarten. sternfreunde.de/2025/06/12/ abell-35-sh2-313
Abell 35, ein rätselhaftes Objekt in der Wasserschlange
von Stephan Küppers und Karsten Möller
Auf der Suche nach Objekten der Südhalbkugel, die nicht so häufig fotografiert werden und Schmalbandfilter erfordern, um auch Nächte nahe Vollmond nutzen können, sind wir auf Abell 35 gestoßen. Dieses Objekt wurde 1955 von George Abell auf den Fotoplatten des Palomar Observatory Sky Survey (POSS) entdeckt und von ihm als Planetarischer Nebel klassifiziert [1]. Zunächst als Nummer 24 seines Kataloges geführt, erhielt der PN seine endgültige Bezeichnung (A66 35) in Abells 1966 veröffentlichter Liste von 86 Planetarischen Nebeln [2].
Mittlerweile geht man aber davon aus, dass Abell 35 kein Planetarischer Nebel ist, sondern nur wie einer aussieht. Frew klassifiziert Abell 35 als eine Strömgren-Zone im umgebenden interstellaren Medium, die von einem heißen Weißen Zwerg (BD
-22 Grad 3467) (dem visuellen Begleiter des G8Unterriesen) ionisiert wird. Dieses System erzeugt immer noch einen starken Wind, wahrscheinlich von dem aktiven, schnell rotierenden Unterriesen, der mit der inne-
ren Zone des Emissionsnebels (in diesem Fall dem umgebenden interstellaren Medium) wechselwirkt und den beobachteten Bugschock erzeugt [3].
Folgendes Equipment wurde eingesetzt:
Teleskop: Kamera: Montierung: Filter: Belichtungszeiten: Software:
TS Newton-Astrograf 12 Zoll Lacerta DeepSkyPro 2600 10Micron GM3000 R : G : B : H : [OIII] 30 : 30 : 30 : 245 : 285 min Pleiades Astrophoto Pixinsight RC BlurXTerminator NoiseXTerminator StarXTerminator
Die Bearbeitung des Bildes erfolgte von beiden Autoren gemeinsam.
110 | Journal für Astronomie Nr. 96
Remote-Sternwarten
1 Der Emissionsnebel Abell 35 im Sternbild Hydra, aufgenommen mit dem Newton-Astrograf (12 Zoll) der VdS-Remote-Sternwarte
in Namibia. Kamera: Lacerta DeepSkyPro 2600, Belichtung in mehreren Nächten in R / G / B / H / [OIII]: 30 / 30 / 30 / 245 / 285 Minuten. Norden ist oben. (Bild: Stephan Küppers und Karsten Möller)
Ziegler et al. kommen 2018 zu dem Schluss, dass BD -22 Grad 3467 möglicherweise nicht massereich genug war, um in den asymptotischen Riesenast aufzusteigen. Er könnte sich daher direkt aus dem ausgedehnten horizontalen Ast zum Weißen Zwerg entwickelt haben. Dies würde erklären, warum er nicht
von einem Planetarischen Nebel umgeben ist. Da der Stern jedoch die umgebende interstellare Materie ionisiert, ahmt er so einen Planetarischen Nebel nach [4].
Unser Bild wurde in mehreren Nächten zwischen dem 14.05.2025 und 12.06.2025 an
der VdS-Remote-Sternwarte auf der Farm Hakos in Namibia aufgenommen. Unterstützt wurden wir von den Operatoren Yves Bastian, Kai-Oliver Detken und Martin Nischang.
Literatur- und Internethinweise (Stand 02.09.2025):
[1] G. O. Abell, 1955: ,,Globular Clusters and Planetary Nebulae Discovered on the
[1]
[2]
National Geographic Society-Palomar Observatory Sky Survey", Publications of
the Astronomical Society of the Pacific 67, No. 397, p. 258-261; https://iopscience.
iop.org/article/10.1086/126815
[2] G. O. Abell, 1966: ,,Properties of some old Planetary Nebulae", Astrophys. J. 144,
[3]
[4]
p. 259; Abstract: https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/1966ApJ...144..259A/abstract
[3] J. F. Frew, 2008: ,,Planetary Nebulae in the Solar Neighbourhood: Statistics,
Distance Scale and Luminosity Function", Thesis; www.academia.edu/12435619/
Planetary_Nebulae_in_the_Solar_Neighbourhood_Statistics_Distance_Scale_and_
Luminosity_Function
[4] M. Ziegler et al., 2018: ,,BD -22 Grad 3467, a DAO-type star exciting the nebula Abell 35",
Astron. Astrophys. manuscript no. 19536; https://arxiv.org/pdf/1210.7614
Journal für Astronomie Nr. 96 | 111
Sternbedeckungen
Lasst uns Schatten jagen!
Die International Occultation Timing Association / European Section (IOTA/ES), das europäische Netzwerk für die Beobachtung von Sternbedeckungen, hat ein neues, spezielles Angebot für junge Leute unter 25 Jahren!
von Oliver Klös
Ihr möchtet, dass eure astronomischen Beobachtungen einen wissenschaftlichen Wert haben? Dann seid ihr bei uns richtig! Wir beobachten Sternbedeckungen durch den Mond und durch Asteroiden. In einem europaweiten Team könnt ihr euch an Entdeckungen von Asteroidenmonden, neuen Doppelsternen und hoch präziser Astrometrie von Asteroiden beteiligen. Erfahrene Mitglieder der IOTA/ES geben euch Hilfestellung bei euren ersten Schritten in diesem spannenden Feld.
Fehlt euch etwas an Ausrüstung für die Beobachtung von Sternbedeckungen? Als Mitglied der IOTA/ES könnt ihr, wenn verfügbar, kostenfrei Kameras und Geräte zur Zeitnahme aus unserem Bestand ausleihen.
Tretet in Kontakt mit anderen Beobachterinnen und Beobachtern von Sternbedeckungen aus über zehn Ländern. Jedes Jahr treffen wir uns in einer anderen europäischen Stadt zu unserem Symposium. Hier lernt ihr vor Ort Gleichgesinnte kennen und knüpft Freundschaften über Ländergrenzen hinweg.
1 Bedeckung des Sterns TYC 725-1883-1 durch den Kleinplaneten (1579) Herrick am
28.01.2026. Eingetragen in die Karte ist die Zone, in der die Bedeckung beobachtet werden kann. Außerhalb davon zieht der Kleinplanet dicht am Stern vorüber.
Auf geht's! Wagt die ersten Schritte in einem der spannendsten Gebiete der Astronomie, das immer wieder Überraschungen bei einzigartigen Beobachtungen bietet.
Das Anmeldeformular findet ihr unter: www.iota-es.de/membership_howto.html
112 | Journal für Astronomie Nr. 96
2 Bedeckung des Sterns HIP 22990 durch den Kleinplaneten (5368) Vitagliano
am 12.03.2026.
Sternbedeckungen
Nicht vergessen: Bitte gebt in dem Formular euer Geburtsdatum an. Für unter 25-Jährige ist die Mitgliedschaft frei!
Und jetzt wird's spannend: Hier ein paar Hinweise zu kommenden Sternbedeckungen. Da könnt ihr gleich mal einen ersten Blick auf diese interessanten Phänomene am Himmel werfen.
Der Mond bedeckt am 27. Januar 2026 gegen 22 Uhr MEZ den nördlichen Bereich der Plejaden. Der Mond ist zu 67% beleuch-
tet und die Eintritte heller Sterne am dunklen Mondrand können verfolgt werden.
Asteroid (1579) Herrick bedeckt den Stern TYC 725-1883-1 (9,1 mag) am 28. Januar 2026 gegen 23:28 Uhr MEZ. Eine maximale Dauer der Bedeckung von 6,7 Sekunden ist zu erwarten (Abb. 1).
Am 12. März 2026 bedeckt Asteroid (5368) Vitagliano um 21:05 Uhr MEZ den Stern HIP 22990 (7,0 mag) für 2 Sekunden (Abb. 2). Beide Bedeckungen durch Asteroiden sind
Wenn ihr unter 25 Jahre seid, dann seid ihr vom Mitgliedsbeitrag von jährlich 20 befreit!
selbst mit kleinen Instrumenten gut sichtbar.
Mehr zu diesem Gebiet der Astronomie findet ihr im Schwerpunktthema ,,Sternbedeckungen" im VdS-Journal für Astronomie Nr. 94.
Streifende Sternbedeckungen durch den Mond
von Januar bis April 2026
von Eberhard Riedel
Karte mit den Grenzlinien der 7 Streifungsereignisse
Das Jahr 2026 wartet mit insgesamt 20 deutschlandweit sehr gut zu beobachtenden streifenden Sternbedeckungen durch den Mond auf. Von den 12 Passagen des Mondes durch den Sternhaufen der Plejaden sind bei uns aber nur diejenigen am 27./28. Januar, 27./28. Oktober und 21./22. Dezember am Nachthimmel zu verfolgen und somit nicht für die relativ große Anzahl der Streifungen verantwortlich. Leider finden auch die Bedeckungen heller Plejadensterne wie Maia (20 Tauri) am 28. Oktober und 22. Dezember um den Vollmond herum statt, weshalb deren Streifungen zu den schwierigeren Beobachtungen zählen.
Das 1. Drittel des neuen Jahres bietet bereits 7 sehenswerte und einfach zu verfolgende streifende Bedeckungen, die sich jedoch auf das erste Quartal beschränken. Die Landkarte zeigt die Grenzlinien dieser Ereignisse quer über Deutschland, die der mittlere Mondrand während des Vorbeizuges am Stern beschreibt. Von jedem Punkt in der Nähe dieser Linien ist zum richtigen Zeitpunkt das oft mehrfache Verschwinden und Wiederauftauchen des Sterns zu verfolgen. Alle Streifungen finden am unbeleuchteten
Journal für Astronomie Nr. 96 | 113
Sternbedeckungen
Mondrand ohne einen störenden Einfluss der Mondhelligkeit statt und sind bereits mit kleineren Fernrohren zu beobachten. Alle Grafiken sind für Meereshöhe gerechnet. Bei deutlich höher gelegenen Beobachtungsstationen muss deren Höhe unbedingt in die Berechnung einbezogen werden, um eine genügend genaue Vorhersage zu erhalten.
Grundlage der hier veröffentlichten Profildaten sind Laser-Messungen des amerikanischen Lunar Reconaissance Orbiters, die in ein dichtes Netz von librationsabhängigen Profilwerten umgerechnet wurden.
Um streifende Sternbedeckungen erfolgreich beobachten zu können, werden eine ganze Reihe präziser Informationen benö-
tigt. Die europäische Sektion der International Occultation Timing Association (IOTA/ES) stellt diese Daten zur Verfügung. Kernstück ist die Software ,GRAZPREP` des Autors, die sowohl eine komplette und stets aktualisierte Auflistung aller interessanten Ereignisse als auch für jedes Ereignis die genauen Koordinaten der Grenzlinien und viele weitere Informationen liefert. Darüber hinaus kann von jedem Standort aus das Profil des Mondes und die zu erwartende Sternbahn grafisch in verschiedensten Vergrößerungen dargestellt werden, um so den besten Beobachtungsstandort auswählen zu können. Letzterer muss auch unter Berücksichtigung der Höhe optimiert werden, weil diese einen Einfluss auf den Blickwinkel zum Mond hat. Hierzu kann das höhenkorrigierte auf die Erdoberfläche
projizierte Mondrandprofil automatisch in eine Google Earth-Karte übertragen werden, mit der es dann einfach ist, die besten Beobachtungsstationen festzulegen.
Die Software kann kostenlos unter www. grazprep.com heruntergeladen und installiert werden (Password: IOTA/ES). Zusätzlich benötigte Vorhersagedateien sind dort ebenfalls herunterzuladen oder sind direkt vom Autor (e_riedel@msn.com) oder über die IOTA/ES (www.iota-es.de) zu beziehen. Weiterführende Informationen, z. B. über die Meldung der Bedeckungszeiten, sind dort ebenfalls erhältlich. Die VdS-Fachgruppe Sternbedeckungen informiert ferner über Beobachtungs- und Aufzeichnungstechniken dieser eindrucksvollen Ereignisse.
Ereignis 1 - 26.01.2026
Mit Arietis (SAO 93062) beginnt der Bedeckungsreigen am Abend des 26. Januar. Der zu 57% beleuchtete zunehmende Mond streift mit seinem zerklüfteten Südrand den 5,7 mag hellen Stern. Zu sehen ist die Streifung auf einer Linie beginnend in Krefeld über Menden (Sauerland), Bodenfelde, Nörten-Hardenberg, Braunlage, Aschersleben und Lübbenau/Spreewald bis nach Gubin.
Die Abbildung 1a zeigt die Streifungssituation bei einer geogr. Länge von 10 Grad Ost, wenn man sich auf der vorausberechneten Breite positioniert, auf der der mittlere Mondrand (weiß gepunktete Linie) den Stern gerade tangential berührt. Das Mondrandprofil ist zur besseren grafischen Darstellung in 6-facher Überhöhung gezeichnet, weshalb die scheinbare Sternbahn (blauweiß gestrichelte Linie in 10-Sekunden-Abschnitten) gekrümmt
1 a Die scheinbare Sternbahn von Arietis (SAO 93062), 6-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 3 km
1 b Die scheinbare Sternbahn von Arietis
(SAO 93062), 6-fache Mondhöhendehnung, rote Begrenzungslinien bei +- 3 km, aber der Beobachtungsstandort ist ca. 2.800 m nach Norden verlegt.
114 | Journal für Astronomie Nr. 96
Sternbedeckungen
dargestellt ist. Zu erkennen ist jedoch, dass an dieser Position der Mond wegen des tiefliegenden Mondterrains ohne eine Bedeckung am Stern vorbeizieht.
Eine Veränderung der Beobachtungsposition senkrecht zur Bewegungsrichtung des Mondschattens verschiebt die Blickrichtung zum Mond aufgrund seiner Parallaxe, wobei die roten Begrenzungslinien in die-
sem Bild die Verschiebung des Blickwinkels bei einer Abweichung von +- 3.000 m kennzeichnen. Beispielhaft zeigt die Abbildung 1b, dass bei einer Abweichung von knapp 2.800 m nach Norden in das Profil hinein der Stern innerhalb von gut 90 Sekunden 6-mal hintereinander bedeckt wird und wiedererscheint. Die Tabelle gibt die 12 ungefähren Kontaktzeiten an.
Arietis ist ein Dreifachsternsystem, wobei die Komponenten zu eng nebeneinanderstehen, um visuell ein gestuftes anstelle des typischen schlagartigen Verschwindens beobachten zu können.
Ereignis 2 - 28.01.2026
Bereits in der Folgenacht vom 27. auf den 28. Januar, 11/2 Stunden nach Mitternacht, bedeckt der Nordrand des dann bereits zu 69% beleuchteten Mondes den 6,8 mag hellen Stern SAO 76272 streifend. Die Streifung findet statt auf einer Linie beginnend in Münster über Beckum, Lippstadt, Bad Arolsen, Guxhagen, Gerstungen und Naila bis Selb. Bei diesem Ereignis ist es erforderlich, sich ein gutes Stück südwestlich der vorhergesagten Linie zu positionieren, um mehrere Kontakte zwischen dem Mondrand und dem Stern beobachten zu können. Die Abbildung 2 zeigt beispielhaft die Situation bei einer Länge von 10 Grad Ost und einer Ablage von 1.700 m.
2 Die scheinbare Sternbahn von SAO 76272, 6-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 3 km
SAO 76272 ist ein sehr enger Doppelstern, dessen Komponenten bei dem Bedeckungsvorgang visuell nicht getrennt werden können.
Ereignis 3 - 28.01.2026
Kurz darauf in der gleichen Nacht vom 27. auf den 28. Januar findet eine weitere streifende Sternbedeckung auf einer Linie beginnend in Wilhelmshaven über Wulfsbüttel, Sottrum, Bergen, Wolfsburg, Magdeburg und Dessau-Roßlau bis nach Radeberg statt. Dort schrammt der Mond mit einer ähnlichen Stelle seines nördlichen Randes wie in Ereignis 2 am ebenfalls 6,8 mag hellen Stern SAO 76286 vorbei. Wie die Abbildung 3 beispielhaft für die Länge 10 Grad Ost zeigt, muss man die vorhergesagte Grenzlinie ebenfalls um etwa 1.760 m nach Südwesten verlassen, um ein mehrfaches Verschwinden und Wiedererscheinen des Sternes verfolgen zu können.
3 Die scheinbare Sternbahn von SAO 76286, 6-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 3 km
SAO 76286 ist ebenfalls ein Doppelstern, dessen Komponenten aber erneut zu gering getrennt sind, um eine stufenweise Bedeckung beobachten zu können.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 115
Sternbedeckungen
Ereignis 4 - 06.02.2026
In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar wird kurz nach Mitternacht der 7,2 mag helle Stern SAO 138754 vom Südrand des noch zu 81% beleuchteten abnehmenden Mondes berührt. Die Beobachtungszone geht von Kleve über Essen, Lüdenscheid, Biedenkopf, Marburg, Münnerstadt, Breitengüßbach, Bamberg und Nabburg bis nach Freyung. Obwohl Mondberge über das mittlere Niveau hinausreichen und es daher bereits auf der Nulllinie zu Bedeckungskontakten kommt, kann man die zu erwartende Anzahl der Kontakte vergrößern, indem man etwa 1.000 m weiter nordöstlich beobachtet. In der Abb. 4 ist dieses dargestellt, wobei die roten Begrenzungslinien eine Ablage von 1.000 m zeigen.
4 Die scheinbare Sternbahn von SAO 138754, 6-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 1.000 m
SAO 138754 ist nicht als Doppelstern bekannt. Jedoch sind bereits zahlreiche Doppelsternentdeckungen bei der Beob-
achtung von Sternbedeckungen durch den Mond gelungen.
Ereignis 5 - 23.03.2026
In der letzten Märzwoche sind zu bequemeren Abendstunden zwei streifende Sternbedeckungen vom Nordrand des wieder zunehmenden Mondes zu beobachten. Am Abend des 23. März erreicht der nur zu 27% beleuchtete Mond den 7,2 mag hellen Stern SAO 76514. Die Zone reicht von der Elbmündung bei Brunsbüttel über Hamburg, Gorleben und Ludwigsfelde bis nach Forst (Lausitz).
Wie die Abbildung 5 wiederum für eine Länge von 10 Grad Ost zeigt, wandert der Mond bei einer Ablage von etwa 1.570 m nach Südwesten mit einem äußerst vielgestaltigen Profil über den Stern hinweg, so dass es gerade dort zu einer Vielzahl von
5 Die scheinbare Sternbahn von SAO 76514, 12-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 1.500 m
Kontakten kommen kann. SAO 76514 ist ebenfalls nicht als Doppelstern bekannt.
116 | Journal für Astronomie Nr. 96
Sternbedeckungen
Ereignis 6 - 24.03.2026
In der Folgenacht am späten Abend des 24. März ist der Mond zu 39% beleuchtet und streift den 6,4 mag hellen SAO 77121. Die Linie beginnt in Traben-Trarbach und läuft über Neustadt an der Weinstraße, Bietigheim-Bissingen und Ulm bis nach Penzberg.
Die Abbildung 6 verdeutlicht, dass es innerhalb eines breiten Streifens entlang dieser Zone zu unterschiedlichsten Kontaktsituationen kommen kann. Gezeigt ist für die Länge 10 Grad Ost, dass es dort bei einer Ablage von etwa 410 m nach Süden innerhalb von 25 Sekunden zum viermaligen Verschwinden und Wiedererscheinen des Sterns kommen kann.
6 Die scheinbare Sternbahn von SAO 77121, 12-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 3 km
SAO 77121 ist wieder ein sehr enger Doppelstern, so dass keine stufenweise Bedeckung beobachtet werden kann.
Ereignis 7 - 27.03.2026
Die streifende Sternbedeckung des 7,4 mag hellen SAO 79521 in der Nacht vom 26. auf den 27. März ist gleichzeitig die letzte des gesamten 1. Halbjahres 2026, die mit einfachen Mitteln zu beobachten ist. 11/2 Stunden nach Mitternacht kommt das nordöstliche Deutschland beginnend in Kühlungsborn über Wittstock/Dosse, Berlin und Königs Wusterhausen bis nach Neuhausen/Spree in den Genuss einer ganzen Vielzahl von Kontakten zwischen dem Mondrand und dem Stern. Die Abbildung 7 zeigt, dass es beispielhaft auf einer Länge von 13 Grad Ost bei einer Positionierung ca. 900 m südwestlich der vorhergesagten Grenzlinie zu bis zu 18 Kontakten kommen kann.
7 Die scheinbare Sternbahn von SAO 79521, 12-fache Mondhöhendehnung,
rote Begrenzungslinien bei +- 2 km
SAO 79521 ist ebenfalls ein sehr enger Doppelstern, so dass keine stufenweise Bedeckung beobachtet werden kann.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 117
VdS-Nachrichten
Bericht zur 37. VdS-Tagung und Mitgliederversammlung
von Astrid Gallus, Andreas Klug und Uwe Pilz
Dieses Mal widmet sich unser Bericht vollständig der 37. VdS-Tagung und Mitgliederversammlung in Hofheim/Taunus, die am 25.10.2025 stattgefunden hat. Das 25-jährige Jubiläum der Sternwarte Hofheim war der Anlass für unsere Sternfreunde aus Hessen, die diesjährige Tagung als Gastgeber auszurichten.
Dem traditionellen Treffen der Sternfreunde am Freitagabend ging in diesem Jahr der lange vorbereitete Workshop ,,Astronomie in Deutschland 2035" voraus. Die VdS hatte zu diesem Workshop wichtige Player aus der gesamten Astronomie-Szene eingeladen: Fachgruppenleiter der VdS, Influencer, Astro-Händler und Repräsentanten der Planetarien. Ziel war es, mit diesem KickOff-Meeting eine gemeinsame Plattform zur Vertiefung der Zusammenarbeit zu initiieren. Hier wurden die verschiedensten Perspektiven auf das Thema zusammengetragen und Wege für eine strategische Zusammenarbeit auf Augenhöhe ins Visier genommen. Dabei wurde z.B. ein Kongress,
ein Community-Projekt oder eine gemeinsame digitale Plattform angedacht. Das konzentrierte vierstündige Meeting wurde von allen Beteiligten als überaus positiv wahrgenommen. Die Zusammenarbeit wird in vierteljährlichen Online-Meetings weiter vertieft und fortgesetzt.
Die VdS-Tagung fand im Bürgerhaus Marxheim der Kreisstadt Hofheim statt. Die VdS hatte seit Langem mal wieder Händler eingeladen, Stände aufzubauen. Die Fachgruppen hatten wie stets die Möglichkeit, ihre Arbeit zu präsentieren. Etliche Fachgruppenleiter nutzten die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen, und/oder stellten dort stolz ihre brandneuen Rollups auf, die das Bürgerhaus flugs in ein kleines VdS-Universum verwandelten.
Der Starvortrag zum Thema ,,ESA Inside" wurde von Marcus Kirsch gehalten und hielt das Publikum mit vielen spannenden und aufregenden Blicken hinter die Kulissen in Bann. Es war wirklich ein Erlebnis, so
viele Insidergeschichten aus erster Hand zu hören. Sirko Molau unterhielt in bester Laune seine Zuhörer mit ,,Was AllSky7 mit dem Gartner Hype Cycle zu tun hat" - dabei ging es um eine eigene Entwicklung und Herstellung einer Platine zur präzisen Ortung der AllSky-Kameras mit diversen Zusatzfeatures. Das machte er so unterhaltsam, dass sogar am Thema nicht Interessierte begeistert waren. Das wichtige, aber nicht oft behandelte Thema ,,Frauen in der Astronomie" trug Bernd Christensen vor, welches später noch intensiv von einigen Zuhörern aufgenommen wurde. Stefan Karge berichtete über die Suche nach Kleinplaneten, die zunehmend schwierig bis fast ausgeschlossen erscheint, da die Erfassbarkeit der Objekte sich Größenordnungen nähert, die selbst die aufwendigste Technik nicht mehr einfängt. Erwin Schwab und Stefan Karge gelang es in den letzten Jahren gerade noch rechtzeitig, viele Kleinplaneten als Erste zu entdecken. Als besondere Überraschung für die Gastgeber widmeten sie einen davon der Sternwarte Hofheim zum Jubiläum! Na-
1 Die Teilnehmer der VdS-Tagung 2025. Bild: Thomas Grohmann.
118 | Journal für Astronomie Nr. 96
VdS-Nachrichten
2 Sirko Molau wurde mit der VdS-Medaille
ausgezeichnet. Bild: Stefan Karge.
türlich darf der Vortrag des ausrichtenden Vereins über die eigene Sternwarte nicht fehlen: Diesen trug Jürgen Stein über die astrofotografische Arbeit der Sternwarte mit viel Verve vor. Daniel Spitzer freute sich, als neuer Fachgruppenleiter von Deep Sky über die Langzeitbeobachtungen von NGC 2261 berichten zu können.
Nach den Vorträgen ging es zur Mitgliederversammlung, einer für einen Verein einerseits natürlich unerlässlichen Pflichtübung, andererseits einer wichtigen Unterrichtung der Mitglieder, die ein Recht darauf haben, über die Tätigkeit, Finanzen und Ausrichtung des Vereins informiert zu werden.
Die gesamte Tagung und die Mitgliederversammlung fand - wie in den letzten Jahren üblich - hybrid statt. Vor Ort hatten sich über 80 Teilnehmer eingefunden, online waren es zusätzlich etwa 60. Zum ersten Mal in der Geschichte der VdS sollten auch die anwesenden Mitglieder ihre Stimme online abgeben. Das war aber kein Muss, sondern wer wünschte, konnte auch per Handzeichen abstimmen. Ein wenig Verwirrung hat es trotzdem gestiftet. Es war eine Übung für die Zukunft.
tigkeiten und ihren großen Einsatz für die VdS und die Astronomie mit der Ehrenmitgliedschaft: Werner E. Celnik, Wolfgang Lille und Peter Riepe: mit großem Applaus im gesamten Auditorium!!!
Die große Überraschung am Ende der Versammlung birgt stets die Verleihung der ,,VdS-Medaille". Uwe Pilz war stolz darauf, Sirko Molau, den Leiter der Fachgruppe Meteore, mit der Medaille auszeichnen zu können! Sirko Molau war sichtlich überrascht und berührt und freute sich sehr
über diese Auszeichnung. Stehende Ovationen dieses Mal im Publikum! Gratulation! Bernd Gährken berichtete, auch im Namen von Rolando Dölling, über ihrer beider Tätigkeit der letzten beiden Jahre als Botschafter der VdS.
Damit endete die Versammlung und im Nebenraum öffnete sich ein wunderbares, wohlschmeckendes Buffet mitsamt Jubiläumsweinen der Sternwarte Hofheim, das zum Ausklang und gemütlichen Beisammensein einlud. Und hier, beim lockeren und geselligen Teil, entwickelten sich nun intensive, lange und gute Gespräche, die dem Vernehmen nach sogar zur Gründung von zwei neuen Fachgruppen führen sollen. Ist das nicht der Beweis, dass persönliche Treffen durch nichts zu ersetzen sind? Wir werden Sie auf dem Laufenden halten. Versprochen.
Sie sehen - bei der VdS ist immer etwas los! Bis zum nächsten Mal, Ihre VdS!
Kurz zusammengefasst wurde der Vorstand entlastet und neu gewählt. Er blieb in seiner Zusammensetzung fast der alte - bis auf Bernd Christensen, der neu als Beisitzer gewählt wurde. Es gibt einen neuen Kassenprüfer und der Jahresbeitrag der VdS konnte laut Schatzmeister Andreas Klug trotz der gestiegenen Kosten für das Journal dieses Mal noch beibehalten werden. Das Protokoll der Versammlung wird nach Fertigstellung auf der Webseite der VdS im Mitgliederbereich zu lesen sein.
Die Mitgliederversammlung ehrte in diesem Jahr gleich drei überaus verdienstvolle Mitglieder für ihre außerordentlichen Tä-
3 Der VdS-Vorstand, von links nach rechts: Carolin Liefke, Dominik Elsässer,
Bernd Christensen, Uwe Pilz, Andreas Klug und Astrid Gallus. Nicht dabei, aber trotzdem im Vorstand war Kai-Oliver Detken. Bild: Stefan Karge.
Journal für Astronomie Nr. 96 | 119
VdS-Nachrichten
Wir
Mitgl.-Nr.
22282 22283 22284 22285 22286 22287 22288 22289 22290 22291 22292 22293 22294 22295
begrüßen
Name
Biessey, Philip Schneider, Benno Obermeier, Gerhard Kimmig, Mia Ahrens, Celine Stanzick, Heiko Blaser, Dieter Frey, Thomas Stevens, Michael Bauer, Stefano Tägl, Frank Lotz, Paul Höltke, Jonas Eichhorn, Rudolf
neue Mitglieder
22296 22297 22298 22299 22300 22301 22302 22303 22304 22306 22307 22308 22309 22310 22311
Wolfstein, Andre Marx, Bennet Held, Adrian Kenschke, Volker Walz, Christoph Janßen, Arne Becker, Arian Spitzer-Klinger, Angelika Bräuer, Enrico Jahn, Andreas Bolte, Andreas Baader, Johannes Jakob, Michelle Bender, Martin Karge, Stefan
22312 22313 22314 22315 22316 22317 22318 22319 22320 22321 22322 22323 22324 22325
van den Hoogen, Mats Feigel, Tobias Weiß, Lothar Schlingmann, Heiko Kroneberger, Kurt Hersch, Michael Thielisch, Julian Züfle, Siegmar Adler, Günter Filbrandt, Kai Kandziora, Alexander Kießling, Leonhard Seubert, Anda Eppert, Andreas